Prozess

Drei deftige Klagen, aber kein Kläger

Das Würzburger Verwaltungsgericht wartete vergeblich auf einen etwas rätselhaften Beschwerdeführer.
 
von FRANZ BARTHEL
Beim Verwaltungsgericht in Würzburg sah es am Donnerstag früh nach einem großen Rundumschlag aus, gegen die Stadt Bad Kissingen, gegen das Polizeipräsidium Unterfranken und den Freistaat Bayern: Ein Kläger und drei Klagen wegen polizeilicher Maßnahmen und Schadenersatz standen auf dem Sitzungsplan. Dass die Fünfte Kammer des Verwaltungsgerichts dafür allerdings nur 45 Minuten angesetzt hatte, machte stutzig und zwar wie sich schnell herausstellte, zu Recht.

Der Kläger, der sich durch alle möglichen Amtspersonen geschädigt fühlt und Missstände auf zahlreichen Ebenen anprangert, hat als Wohnsitz Ulm angegeben, ist aber weder dort noch sonstwo zu erreichen. Allerdings korrespondiert er regelmäßig mit dem Gericht. Da gab er zuletzt als Absender eine "Lieferadresse" in Konstanz an, Gerichtspost kam aber immer mit dem Vermerk zurück, dass der Adressat unbekannt sei. Da der Mann zwar drei Klagen eingereicht, aber keine aktuelle Anschrift angegeben hat, hing die Ladung zur Verhandlung, wie in solchen Fällen üblich, vier Wochen lang im Gericht am Schwarzen Brett.

In allen drei Verfahren werde nicht deutlich, so Richterin Christine Jessberger-Martin, was der Kläger eigentlich will, Nachfragen hätten nichts gebracht. "Alle Klagen entsprechen nicht den einschlägigen Anforderungen", enthalten dafür jedoch zahlreiche beleidigende Äußerungen über viele Beschäftigte in öffentlichen Ämtern."


Nichts Konkretes zu finden

Der Mann schimpfe "über Gott und die Welt", nur konkret Nachvollziehbares finde sich nicht in seinen Schriftsätzen. So hat zum Beispiel das beklagte Polizeipräsidium Unterfranken keinen einzigen Vorgang zu diesem Namen finden können, die Anlässe der Klagen reichen zum Teil bis in die 1980er Jahre zurück.

15 Minuten hat das Gericht gewartet, dann noch einmal im Gang nachgeschaut, ob da ein Überraschungsgast herumsteht, und sich dann zur Beratung zurückgezogen, die entsprechend kurz ausfiel. Alle drei Klagen wurden als unbegründet abgewiesen. Viel Glück kann man dem Gericht nun bei dem Versuch wünschen, die Gerichtskosten einzutreiben von einem Kläger, der mit dem Verwaltungsgericht nur einseitige Beziehungen pflegt und nicht sagt, wo er sich aufhält. Man habe es, so die Richterin, schon bei mehreren Einwohnermeldeämtern versucht - immer ohne Erfolg.
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