Elfershausen
Werksschließung

Schaeffler-Werk in Elfershausen: Diskussion um die Schließung

In Elfershausen diskutiert die Schaeffler-Belegschaft mit Gewerkschaft und Politik. Beim Ziel ist man sich einig - die Frage ist, wie man es erreicht.
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Die Podiumsteilnehmer mussten sich auch kritischen Nachfragen aus dem Publikum stellen. Foto: Robert Wagner
Die Podiumsteilnehmer mussten sich auch kritischen Nachfragen aus dem Publikum stellen. Foto: Robert Wagner
Schon auf dem Weg vom Schaeffler-Werk wird diskutiert. "Hoffnung haben wir keine mehr", sagt ein Mann in orangener Warnweste. "Die wollen doch sowieso alle kleineren Werke schließen." Wieso sie dann trotzdem zur Podiumsdiskussion in das Sportheim des FC Elfershausen gehen? "Naja, vielleicht hört man ja was Neues von Seiten der Politik."

Es ist eine eigenartige Mischung von Resignation und Hoffnung, die man an diesem Montagabend in Elfershausen spüren kann. Fast alle Plätze sind belegt, rund 170 Menschen sitzen in der kühlen Sporthalle. Fast alle von ihnen sind Mitarbeiter im Elfershäuser Werk - mehr als die Hälfte der 270 Angestellten ist da. Geklatscht wird selten. Aber wenn, dann mit Vehemenz, als wollten sie sich selbst Mut machen.


Arbeitgeber bleibt fern

Vorne sitzen an diesem Abend vier Personen, die Antwort geben sollen und wollen auf die drängendsten Fragen der Arbeiter: Bürgermeister Karl-Heinz Kickuth und Landtagsabgeordnete Kathi Petersen (beide SPD) sind angetreten, um einen Überblick über die politische Großwetterlage zu geben. Ihnen zur Seite sitzen der stellvertretende Betriebsrat Marc Herrmann und Thomas Höhn von der IG-Metall in Schweinfurt.

Interessant ist aber auch, wer nicht gekommen ist: Während Landrat Thomas Bold und der Landtagsabgeordnete Sandro Kirchner (CSU) in Bad Bocklet weilten, zeigte die Arbeitgeberseite erst gar kein Interesse an einer Teilnahme. "Auch unsere Interviewanfragen wurden abgewiesen", erklärt Ralf Ruppert (Saale-Zeitung), der als Moderator durch den Abend führt.

"Das Thema Mitbestimmung war schon häufiger schwierig bei Schaeffler", bestätigt Gewerkschafter Höhn. Die Kommunikation des Unternehmens ist, vorsichtig formuliert, nicht immer glücklich. Als Schaeffler am 9. November den Betriebsrat über die geplante Werksschließung in Elfershausen in Kenntnis setzte, habe es seitens der Unternehmensführung noch nicht einmal einen Plan gegeben, wie die Mitarbeiter informiert werden sollten, verrät Marc Herrmann.

"Wir waren von der Nachricht geschockt", erzählt das Betriebsratmitglied. Im Dezember schrieb der Betriebsrat einen offenen Brief an das Unternehmen. "Bis heute haben wir leider keine Antwort bekommen."

Doch welche Einflussmöglichkeiten haben die Mitarbeiter und die Politik überhaupt noch? "Die Entscheidung ist gefallen", betont Höhn. "Da brauchen wir uns nichts vormachen." Im Moment gehe es darum, Informationen zu sammeln. Das Unternehmen habe zuletzt umfassende Details über die wirtschaftliche Situation in dem Standort bereitgestellt. Auf dieser Basis müsse man jetzt arbeiten.


Produkt unrentabel

Entscheidende Erkenntnis des Wirtschaftsgutachtens: Ein Teil der in Elfertshausen hergestellten Rillenkugellager sind nicht rentabel, die Marktchancen sind gering. Eine bittere Erkenntnis: Schließlich wurde die Produktion erst vor einigen Jahren nach Elfershausen verlegt. "Die Entscheidung, Rillenkugellager in Elfershausen zu produzieren, war, wie wenn man sein Kind jeden Tag mit nassen Haaren in die Schule schickt und sich dann wundert, dass es krank wird", sagt Höhn. Das Gefühl der Mitarbeiter: Das Unternehmen hat den Niedergang des Standortes selbst vorangetrieben.

"Unser Ziel ist es, den Standort zu erhalten", betont der Gewerschafter. Eine Möglichkeit dazu sehen die Podiumsteilnehmer in der Verlagerung eines neuen Produktes nach Elfershausen. Der Begriff Elektromobilität wird in den Raum geworfen. Wie realistisch dies ist, bleibt abzuwarten.


Standort nicht aufgeben

Sollte es nicht gelingen, den Standort zu erhalten, kämen andere Aufgaben auf Betriebsrat und Gewerkschaft zu. "Es soll keine betriebsbedingten Kündigungen geben", sagt Höhn. Die Arbeiter sollen laut Schaeffler an anderen Orten beschäftigt werden. Wie genau dass funktionieren soll, weiß der Gewerkschafter aber noch nicht. "Da fehlt uns im Moment die Fantasie."

Doch noch ist es nicht so weit. Weder Bürgermeister Karl-Heinz Kickuth noch Landtagsabgeordnete Kathi Petersen haben den Standort aufgeben. Und erst recht nicht die anwesenden Schaeffler-Mitarbeiter. Mehr dazu finden Sie hier.
Kommentar von Robert Wagner:

Ein starkes Ergebnis


Bei der Podiumsdiskussion zur Schließung des Elfershäuser Standorts waren Vertreter der Schaeffler-Geschäftsführung nicht zu sehen. Natürlich nicht. Ein ganzer Saal voller wütender und frustrierter Angestellter? Nein Danke! Schließlich freute man sich in der Geschäftsleitung an diesem Tagen über den Erfolg des Unternehmens und wollte sich sicher nicht die Stimmung vermiesen lassen.

"Wir haben auch im Geschäftsjahr 2016 unseren Erfolgskurs fortgesetzt und ein starkes Ergebnis erzielt", gab Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenthal gestern bekannt. Rund 1,7 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern konnte Schaeffler verzeichnen. Der Umsatz stieg um 3,4 Prozent. Und für das Jahr 2017 sieht man "verbesserte Wachstumsaussichten".

Und was tut man bei verbesserten Wachstumsaussichten? Richtig, ein Werk schließen. Ein wirklich starkes Ergebnis, Herr Rosenthal! Ihre (noch) Mitarbeiter in Elfershausen werden sich sicher freuen.
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