Dass die Storchenmutter heuer fünf Eier ins Nest gelegt habe, sei nicht außergewöhnlich viel, sondern im normalen Rahmen. "In der freien Natur kommen ja nicht alle durch. Bei fünf Jungtieren bleiben etwa zwei bis drei normalerweise auf der Strecke", weiß der Fachmann.
In der Regel wird alle zwei Tage ein Ei gelegt. Die Störche fangen mit dem Brüten aber erst an, wenn drei oder vier Eier im Nest sind, damit die Jungtiere in ihrer Entwicklung nicht so weit auseinander liegen. "Die ersten zehn Tage werden sie von Schnabel zu Schnabel ernährt mit der Kropfmilch. Danach würgen die Altvögel das Essen, das sie gesammelt haben, aus und werfen es mitten ins Nest", erläutert Jochen Willecke.
Erfahren bei der FuttersucheWenn ein Jungtier nicht schnell genug zulegt, kann es sein, dass ein Altvogel den "Kümmerling" aus dem Nest wirft. "Die Natur ist da gnadenlos", macht Willecke deutlich. Er geht aber nicht davon aus, dass dies heuer nochmals passiert.
Das erfahrene Storchenpaar findet sein Futter nicht nur in den Saalewiesen, sondern auch an bestimmten Stellen in der Stadt. "Ich habe gehört, dass ein Storch sich am Container der Fleischwarenfabrik bedient und man ihn gewähren lässt. Außerdem soll eines der Tiere sogar einem Rottweiler schon das Futter geklaut haben", berichtet der BN-Experte.
Christian Fenn, der die Internetseite (www.storchencam.de) betreibt, auf der die Störche beobachtet werden können, hat das Wachstum der Jungtiere stets im Blick. Weil er weiß, dass der Ring am Bein des Storchenvaters 34 Millimeter misst, hat er hierfür einen guten Anhaltspunkt. "Die drei Großen sind schon etwa so groß wie ein Haushuhn. Nur eines hinkt deutlich hinterher. Ich hoffe aber, dass es trotzdem gut geht", so Fenn.
Die Gefahr, dass der Platz im Nest auf den Mönchsturm nicht ausreicht, sieht Jochen Willecke nicht. "Sicher wird es enger als in den Vorjahren, aber das Nest hat einen Durchmesser von über 1,50 Meter", machte er deutlich. Jahr für Jahr baut das Paar sein neues Nest auf das aus dem Vorjahr, sodass es stets größer und schwerer wird. "So kann es irgendwann bis zu einer Tonne wiegen. Die Statik des Mönchturmes hält das aber aus", versicherte Willecke.
Am 16. Juni sollen die Jungstörche beringt werden. Dann besteht nach den Worten von Willecke nicht mehr die Gefahr, dass sie verängstigt aus dem Nest springen, wenn sich die Feuerwehrdrehleiter dem Turm nähert. "Sie verfallen dann in eine Art Schockstarre, was uns die Gelegenheit gibt, den Ring anzubringen", erklärt der Naturschützer. Hierzu muss extra ein Beauftragter der Oberen Naturschutzbehörde nach Hammelburg kommen.
In Rheinland-Pfalz 2007 beringt"Die Ringe sind heute aus Teflon, weil so keine Entzündungen mehr entstehen können durch herabfallenden Kot, was früher bisweilen ein Problem war", erläutert der Fachmann. Die Ringe haben eine Buchstaben- und Zahlenkombination zur Identifizierung jedes einzelnen Tieres. Die Hammelburger Störche bekommen ein DER auf ihren Ring, wobei DE für Deutschland steht und R für Radolfzell. Hier befindet sich die zuständige Vogelwarte.
Der Storchenvater ist 2007 beringt worden, er stammt aus Offenbach-Hundheim im Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz. Das Weibchen trägt keinen Ring. Aufgrund ihres routinierten Verhaltens, zum Beispiel bei der Verteidigung des Nests gegen andere Vögel, steht aber zumindest fest, dass es sich um ein erfahrenes Tier handelt. Störche können relativ alt werden. "In Erlangen gibt es ein Weibchen, das ist 27 Jahre", weiß Jochen Willecke.
Gefährlich wird es für die jungen Störche noch einmal, wenn sie ihre ersten Flugversuche unternehmen. Damit beginnen sie laut Willecke 62 Tage nach dem Schlüpfen, also heuer etwa ab Mitte Juli. Der Naturschützer appelliert an die Hundehalter, ihre Vierbeiner dann auf jeden Fall an die Leine zu nehmen, wenn sie in den Saalewiesen unterwegs sind.
Um Zurückhaltung bittet er auch alle, die hier Fotos schießen möchten. "Letztes Jahr habe ich gesehen, wie einer aus diesem Grund sogar mit dem Moped hinter einem Storch her gefahren ist", schildert er.
Windräder stellen für die Vögel nach Willeckes Einschätztung kaum eine Gefahr dar - zumindest, wenn sie auf dem Weg in südliche Gefilde oder der Rückkehr von dort sind. "Sie fliegen höher. So hoch, dass sie mit dem menschlichen Auge nicht mehr zu sehen sind", macht er deutlich.