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Kurhaushotel

Trauriger Jahrestag für Bad Kissingen

Ein Kommentar von unserem Redakteur Ralf Ruppert:
Alle Demonstrationen haben nicht geholfen: Ende Oktober 2010 schloss das Bad Kissinger Steigenberger. Auf dem Archivbild vom 7. Juli 2010 sprechen die Noch-Steigenberger-Beschäftigten mit Ministerpräsident Horst Seehofer und Innen-Staatssekretär Franz Josef Pschierer (beide CSU). Foro: Edgar Bartl/Archiv
 
von RALF RUPPERT
Am Mittwoch, 12. Mai 2010, ereignete sich der Bad Kissinger "Super-GAU", der größte anzunehmende Unsinn, dessen Auswirkungen sich mit jedem Jahr verschlimmern, in dem die offene Wunde neben dem Kurpark klafft. Vor knapp sieben Jahren gaben der Freistaat Bayern als Gebäude-Eigentümer und die Steigenberger Hotels AG die Schließung des Kurhaushotels bekannt. Eine Entscheidung, die mancher heute sicherlich gerne zurücknehmen würde.
Als offizielle Begründung musste damals der Brandschutz herhalten. Wie viel der Freistaat in seine Immobilie hätte investieren müssen, blieb vage: Die Schätzungen reichten von sechs Millionen Euro, um die Sicherheit der Hotel-Gäste zu gewährleisten, bis zu 16 Millionen Euro, um auch noch Versorgungsleitungen und Bäder zu erneuern. Ja, eine große Summe, aber aus heutiger Sicht eher eine Kleinigkeit gegenüber dem, was danach in den Scherbenhaufen und eine Brachfläche investiert wurde.
Der Freistaat hatte damals mit Steigenberger einen Pachtvertrag bis zum Jahr 2025. Deshalb musste der Steuerzahler nicht nur für eine Entschädigung, sondern auch für den Sozialplan für die 67 Mitarbeiter blechen. Weil kein Investor gefunden wurde, ließ der Freistaat das Gebäude mittlerweile abreißen. Was das alles gekostet hat, sagt im Finanzministerium niemand, es dürfte aber nicht viel an zehn Millionen Euro fehlen.
Viel schwerer wiegt aber der Verlust durch das fehlende Nobel-Hotel: Gut 40 000 Übernachtungen steuerte das Kurhaushotel zur Übernachtungsstatistik bei, es fehlen nicht nur jährlich rund 150 000 Euro Kurtaxe, sondern auch zahlungskräftige Gäste, die Arbeitsplätze sicherten, in der Stadt einkauften und die Konzerte besuchten.
Nicht zu vergessen: der Prestigeverlust. Der Name Steigenberger bürgt für höchste Hotel-Standards. Jeder kennt die Geschichten von Schauspielern, die im Schweinfurter Theater auf der Bühne standen, oder Managern, die die Schweinfurter Kugellager-Industrie berieten, aber ganz selbstverständlich in Bad Kissingen logierten. Steigenberger als Status-Symbol. Ganz zu schweigen vom Werbeeffekt der großen Nobel-Kette: Flyer aus Bad Kissingen lagen an der Rezeption aller anderen Hotels aus.
Das alles endete am 31. Oktober 2010 mit der Schließung des Bad Kissinger Steigenberger Hotels nach 51 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit. Der damalige Finanz- und aktuelle Wirtschafts-Staatssekretär Franz Josef Pschierer zog damals den Schluss-Strich. Vielleicht war es ihm ja ein Dorn im Auge, dass in seinem Wahlkreis Kaufbeuren kein subventioniertes Staatsbad liegt? Jedenfalls hat Bad Wörishofen sein Fünf-Sterne-Steigenberger bis heute.
Wenig Anlass zur Hoffnung gab in den vergangenen sieben Jahren das Krisen-Management des Freistaates: Verhandlungen etwa mit Gert Prantners RIMC über eine Wiedereröffnung oder mit Feuring über einen Neubau verliefen im Sand oder wurden abgebrochen. Im Jahr 2014 folgte eine erst fehlerhafte und später mehrfach verlängerte Ausschreibung. Ohne Erfolg. Ende 2015 kündigte Finanzminister Söder persönlich eine neue Ausschreibung samt Zuckerl an: Durch einen Trick sind nun bis zu 40 Prozent Wohn-Nutzung möglich. Trotzdem wurde auch diese Ausschreibung nach zehn Monaten um weitere fünf Monate bis Ende Juli verlängert.
Gibt es trotzdem Hoffnung? Ja, vor allem wegen der Zusage von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) höchstpersönlich im Jahr 2010, dass an der Stelle des Steigenbergers wieder ein Hotel eröffnen wird. Söder ist da zurückhaltender: Er betont nimmermüde, dass der Freistaat selbst kein Hotel bauen dürfe. Was die Baulücke am Kurpark angeht, ist es also ein Glücksfall, dass Seehofer noch einige Jahre dranhängt - Zeit, um sein Versprechen von vor sieben Jahren einzulösen.

zum Thema "Kurhaushotel Bad Kissingen"

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