Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Lesung & Musik

Der langsame Gang in die Resignation

Erstaunlich viel neues konnte man bei der musikalischen Lesung mit Hannelore Elsner und Pianist Sebastian Knauer über Bettina von Arnim erfahren.
Am Ende bekam Hannelore Elsner den bekannten Blumenstrauß. Sebastian Knauer wurde besonders geehrt: Er erhielt das blühende Zwiebelmikrofon in Lilablassblau. Foto: Ahnert
 
von THOMAS AHNERT
"Goldene Blumen auf zertretenem Feld" - so nannte die Dichterin Bettina von Arnim geb. Brentano (1785 - 1859) in ihren Tagebüchern die Studenten des Hambacher Festes, die 1830 in der Pfalz zusammengekommen waren, um demokratische Freiheiten zu fordern. Damals war das Militär nicht zimperlich gewesen.
Für Bettina von Arnim waren diese Freiheitsrechte ein durchgehendes Thema durch ihr Leben. Die Schauspielerin Hannelore Elsner und der Pianist Sebastian Knauer gaben in einer musikalischen Lesung tiefere Einblicke. Man konnte erstaunlich viel neues über eine Dichterin im Schatten der großen Klassiker erfahren - und über die Stimmung in Deutschland.
Bettina von Arnim war trotzdem ein bekannter Name im Land. Sie hatte einen Briefwechsel mit Goethe, sie besuchte den weggesperrten Schumann, bei dem sie keine geistige Umnachtung erkennen konnte. Sie versuchte - leider - erfolglos, den preußischen Kronprinzen, den späteren König Friedrich Wilhelm IV., zu einem aufgeklärten Monarchen zu machen.
Vor allem aber träumte sie von der Freiheit und der Gleichheit der Menschen, und von der Vernunft. Und sie, die als 70-Jährige zurückblickte, schätzte sich durchaus realistisch ein. Sie wusste, dass sie nicht mehr das Idol der liberalen Studenten war. "Ich bin auf dem Weg zur historischen Figur. Wie wird man mich im Gedächtnis behalten?"
Bettina von Arnim hat politisch viel gewagt, hat sich auf die Seite der Unterdrückten, der kleinen Leute gestellt, hat die Forderungen der französischen Revolution sich zu eigen gemacht. Aber das schützte sie am Ende nicht vor Resignation.
Sebastian Knauer ist ein Pianist, der bei "Lesungen mit Musik" die Musik wirklich ernst nimmt, der das "mit" zu "und" macht, mitunter sogar zu "gegen". Bei ihm wird die Musik zu einem unverzichtbaren Partner der Texte.
Schon die Auswahl war gut: Mit Schumann, Chopin und Mendelssohn hatte er drei Komponisten, für die das Hambacher Fest sie mehr oder weniger berührende Zeitgeschichte war. Beethoven war zur Zeit des Festes zwar schon fünf Jahre tot, aber war einer der geistigen Wegbereiter.
Vielleicht hätte Sebastian Knauer die ausgesuchten Sätze anders gespielt, wenn der Hintergrund der Texte von Bettina von Arnim gefehlt hätte. So war es für ihn sinnfällig, die von den Texten evozierte Stimmung zu gestalten, die Wut, den Freiheitsdrang, den rebellischen Geist, die Ungeduld der Demokraten, aber auch ihre Enttäuschungen.
Das funktionierte mit einem enormen Zugriff bei Schumanns "Aufschwung", "Grillen" und sogar bei "Des Abends" aus den Fantasiestücken, das klappte besonders gut bei Chopins "Revolutionsetüde" - selten einen so spannenden Chopin gehört. Das klappte sogar bei den "Liedern ohne Worte" des bürgerlich gesicherten Felix Mendelssohn-Bartholdy, die plötzlich sprechend wurden.
Und die drei Sätze von Beethovens "Sturmsonate" sind schon durch den Beinamen prädestiniert zur Demonstration. Der Schlusssatz war ein hochpolitisches Allegretto (quasi Prestissimo). Er zeigte die Tragik der Bettina von Arnim. Sie hatte bis zuletzt an ihren Freiheitsidealen festgehalten. Aber sie war ganz einfach aus der Zeit gefallen.

zum Thema "Kissinger Sommer"

Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.