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Operngala

Der Rest ist Verröcheln

Vesselina Kasarova und Ramón Vargas waren die gefeierten Stars bei "Liebe, Treue und Verrat" mit dem Münchner Rundfunkorchester.
Vesselina Kasarova und Ramón Vargas waren die gefeierten Spezialisten zum Thema "Liebe, Treue und Verrat". Foto: Gerhild Ahnert
 
von THOMAS AHNERT
Auch wenn das Thema Furcht und Schrecken versprach und ziemlich oft der Tod verhandelt oder angekündigt oder erlitten wurde - "Liebe, Treue und Verrat" war eine Operngala, die trotzdem Spaß machen konnte. Das lag natürlich am Personal, der Mezzosopranistin und "artist in residence" Vesselina Kasarova und dem Tenor Ramón Vargas, und das lag am Münchner Rundfunkorchester, das unter der Leitung von Francesco Ivan Ciampa so gut war wie schon lange nicht mehr.
Und es lag am Programm: Da war kein Kramen im Bauchladen der beliebtesten Arien der Welt, keine flüchtige Träne oder durchdrehende Lucia, kein eiskaltes Händchen oder Mondbesingen. Nicht einmal Verdi. Stattdessen seltener gespielte Opern wie Rossinis "Tancredi", Bellinis "I Capulti e i Montecchi und dann Donizetti: "Roberto Devereux", "Il Duca d'Alba" und "La Favorite". Man hatte ihnen Zeit gelassen, nicht nur punktuell Arien ausgesucht, sondern ganze Szenen, die Entwicklung gestatteten. Und die das Programm nicht unnötig in die Länge zogen.
Bei Vesselina Kasarova wusste man, dass sie immer ein bisschen Zeit braucht, bis sich ihr Stimmsitz gelockert hat, bis sie vom "Buchstabieren" und abrupten Wechsel zum freien Singen kommt. Aber dann ... Sie ist eine Sängerin mit einem unglaublichem Tonumfang, der in die untere Tenorlage hineinreicht, und sie ist eine Sängerin, die ihre reichen Klangfarben einsetzt, um authentisch zu gestalten sie zu spielen, die die Situationen eines Tancredi, Romeo oder einer frustrierten Léonor tiefgründig verständlich zu machen, die stark psychologisieren kann. Das waren Auftritte, die lange nachklingen.
Ramón Vargas überzeugte zunächst einmal mit seiner stimmlichen Stabilität, mit seiner Unverdrossenheit - ganz abgesehen davon, dass Tenöre, die so durchgehend richtig singen wie er, nicht oft zu finden sind. Er hat nicht die Subtilität von Vesselina Kasarova. Dafür kann er seine Emotionen mit Stimmdruck zeigen. Das ist sein Problem bei den Rezitativen. Da singt er deklamierend, als würde er den Text vorlesen, da wirken seine Begegnungen in den Duetten ein bisschen desinteressiert - auch wenn sie es nicht sind. Aber vielleicht liegt das nur an der konzertanten Situation. vielleicht ist er auf der Bühne ganz anders, vielleicht spielt er da wirklich.
Eine Entdeckung war der junge süditalienische Dirigent Francesco Ivan Ciampa, der nicht nur die beiden Solisten ausgezeichnet führte, sondern vor allem das Orchester. Er ist ein Freund flotter Tempi und kräftiger Farben, so dass die Ouvertüren genüssliche Eigenständigkeit bekamen. Aber er stellte immer wieder Verbindungen und Dialogsituationen zwischen den Solisten und Stimmen aus dem bestens disponierten Orchester her. Und er wusste genau, wie weit er in den Arien und Rezitativen dynamisch gehen konnte, um die Stimmen nicht zuzudecken, sie aber auch nicht zu unterfordern.
Interessant war Vesselina Kasarovas textile Dramaturgie vom hochgeschlossenen Schwarzen über das durchlöcherte Schwarze zum knallroten oder teuflisch roten Offenherzigen am Ende. Kein Wunder, dass es ihr so nicht gelang , ihren geliebten Fernand aus dem Kloster loszueisen. Da blieb ihr nur noch Verröcheln.
Und eine Zugabe: Bizets Carmen mit ihrer genüsslich gespielten "Habanera". Auch Ramón Vargas musste noch einmal an die Rampe: mit Rossinis "La danza". Mit 2:58 Minuten unterbot er seinen Kollegen Enrico Caruso um 12 Sekunden. Dafür war die Tarantella auch ein bisschen vernuschelt.

zum Thema "Kissinger Sommer"

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