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Fest

Blick in die Heimatgeschichte

Weißenbach feiert sein 700-jähriges Jubiläum. Zur Auftaktveranstaltung gab es eine historische Schulstunde.
Auf alten Schulbildern erkannte sich so mancher Weißenbacher wieder.  Fotos: Stephanie Elm
 
von STEPHANIE ELM
Das 700-Jahre-Jubiläumsjahr hat mit der Auftaktveranstaltung im Steinernen Wirtshaus einen vielversprechenden Anfang genommen. Karola und Stefan Helfrich führten durch den Abend und öffneten "ein Fenster in die Geschichte von Weißenbach".
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr Weißenbach, wie viele andere Dörfer auch, einen Kulturumbruch. Bis dahin war das Leben geprägt von einem engen menschlichen Zusammenhalt. Man arbeitete zusammen und feierte zusammen. Kirche, Schule, Wirtshaus und Dorfladen bildeten das dörfliche Zentrum. Der Alltag war karg und entbehrungsreich, statt technischer Hilfsmittel waren viele Helfer zur Stelle. Heute beherrscht der technische Fortschritt auch Weißenbach, trotzdem ist auch hier eine Rückbesinnung auf die alten Werte zu sehen.
Stefan Helfrich bemerkte, dass im Publikum auch viele junge Besucher saßen. "Heimat prägt uns, Heimat lässt uns nie los, Heimat ist ein Sehnsuchtsort" fasste Karola Helfrich die Vielfalt an Bildern zusammen, die an dem Abend auf die Zuschauer wirkten und Anlass zu Erinnerungen und Gesprächen gaben.
So war die historische Unterrichtsstunde, die Karola Helfrich alias "Schulfräulein Emilie" gab, auch Wiederholungsunterricht für das Publikum. Sie zeigte "einen gewöhnlichen Schultag, anno 1947 im Spätsommer", so Stefan Helfrich. Damals wurden alle Schüler in einem Raum unterrichtet, der Boden war aus rauen Brettern gefertigt, auf den harten Schulbänken waren Jungen und Mädchen getrennt. Heizmaterial wurde von zuhause mitgebracht, ebenso die Schiefertafel, ein Schulbuch und der vom Schuster gefertigte Schulranzen. Lehrer und Schulfräulein genossen "allerhöchste Autorität", auch an körperlichen Züchtigungen nahm niemand Anstoß. Die Besoldung der Lehrer war dürftig, üblich waren zusätzliche Einkünfte in Form von Naturalien. Die erste Schule wurde in Weißenbach 1850 gebaut, davor mussten die Kinder den beschwerlichen Schulweg nach Detter nehmen.


Mit strenger Miene

Schon beim Einzug der Schüler gab es euphorischen Beifall, ein von Karola Helfrich lebhaft ausgearbeitetes "Drehbuch" sorgte für Begeisterung. Nach dem gemeinsamen Morgengebet ging es an die Kontrolle der - nicht immer - sauberen Fingernägel. Ölige Finger wurden entschuldigt, weil man dem Opa beim Schmieren der Wagenräder hatte helfen müssen. Mit strenger Miene ermahnte Schulfräulein Emilie, am folgenden Tag mit sauberen Fingern zu erscheinen. Schüler-Kommentar: "Immer noch besser, als vom Opa gewatscht worden." Kontrolliert wurde die Hausaufgabe auf der Schiefertafel sowie die Sitzhaltung, die regelmäßig eingeschärft wurde: "Aufrecht sitzen, nach vorne blicken!"
Im Heimatunterricht wurde geklärt, wo genau zwischen Nordsee und Mittelmeer Weißenbach liegt, die Thüngen'sche Cent aus dem 14. Jahrhundert wurde abgefragt und der Dreißigjährige Krieg mit seinen Auswirkungen auf das dörfliche Leben erläutert. Von der Bedeutung der Flurnamen spannte Schulfräulein Emilie den Bogen zu der "Sage der Wurmig" und zu deren Botschaft, dass ehrliche Arbeit der höchste Lohn sei, oder in Schülerworten: "Wir haben keine Lust, so schnell und mühelos reich zu werden."


Alte Fotos gesammelt

Auch beim Sprachunterricht, der die Herkunft von Redewendungen zum Thema hatte, lernte das Publikum mit und freute sich mit den Schülern über ein "Ganz recht, fein!" vom Schulfräulein. Zu spätes Erscheinen im Unterricht, freche Antworten, das allseits bekannte Necken und Ärgern waren den Zuschauern ebenso bekannt, wie Einträge ins Klassenbuch oder Fleißkärtchen für gute schulische Leistungen.
Stefan Helfrich hatte bereits im vergangenen Jahr einen Aufruf zur Mithilfe gestartet, die Resonanz war groß. Von der Fülle an Fotografien, Grußkarten und Zeichnungen konnte nur eine Auswahl gezeigt werden. Auch zu kleinen Details wusste Stefan Helfrich historische Informationen. So erfuhr man, dass die Kirchenglocken seit ihrer Stiftung 1748 zunächst 83 Jahre lang im Blauen Turm hingen, weil die Kirche einsturzgefährdet war. Dennoch wurden dort weiter Gottesdienste abgehalten, bevor die Kirche saniert wurde und 1831 endlich die Glocken dort aufgehängt wurden. Sogar auf Schulbildern aus dem Jahr 1896 erkannten Zuschauer die Abgebildeten. Bilder von einer Erntetagfeier aus dem Dritten Reich präsentiere Stefan Helfrich ebenso wie Fotos vom Wasserleitungsbau 1938 oder dem "legendären Eishockey-Sieg von 1974" mit dem Ergebnis 15:1 gegen Rossbach. Auch Zeichnungen vom Kirchweihfest, die Theatergruppe von 1930, einer historischen Feuerwehrübung, Schlossbedienstete um 1915 und alte Dorfansichten sowie Familienfotos sorgten für kurzweilige Unterhaltung, was dem großen Engagement von Karola und Stefan Helfrich geschuldet ist.
Die musikalische Begleitung war gesichert durch den Gesangverein Weißenbach, dem Blechbläserensemble und der Gesangsgruppe Gunkel. Ausdrücklicher Dank ging an das Dekorationsteam und das Technikteam. Man darf auf die weiteren Jubiläumsveranstaltungen in Weißenbach gespannt sein.
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