Michael Mence, Leiter des Arbeitskreises "Letzte Spuren bewahren", stellte im Stadtrat jetzt die Pläne für eine Gedenkstätte vor. Er betonte, dass es auch darum gehe, das Engagement des früheren Bürgermeisters Arnold Zeller fortzusetzen.

Findling mit Tafel


Ein Findling soll aufgestellt werden inmitten des Seelhausplatzes. Auf dem großen Stein ist eine Metalltafel vorgesehen mit folgenden Worten: In Erinnerung an die vertriebenen, verschleppten und ermordeten jüdischen BürgerInnen und all die namenlos gebliebenen.
Ferner ist eine Auflistung von 33 Namen geplant mit dem jeweiligen Geburtsjahr und dem Ort, wo die Menschen ums Leben gekommen sind, zum Beispiel Dachau, Auschwitz oder Theresienstadt.
Darüber hinaus wird ein Zitat des französischen Regisseurs Claude Lanzmann über "die Vernichtung" zu lesen sein. Lanzmann hat den neunstündigen Dokumentarfilm "Shoah" über die Erinnerung an den Holocaust gedreht. Neben den Plänen für die Gedenkstätte hat der Arbeitskreis auch eine Dokumentation erstellt mit den wichtigsten Daten der Biographien der 33 genannten jüdischen Mitbürger.

Bei der Standortsuche sei auch über Samuel-Sichel-Platz, jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen, Rathaus, Kellereischloss, Schabbesgärtchen und Hammelburger Friedhof geredet worden, so Mence. Über "Stolpersteine" mit den Namen der Betroffenen, die ins Pflaster eingelassen werden, als eine andere Form des Gedenkens habe der Arbeitskreis ebenfalls diskutiert.

Wichtigste Kriterien für die Wahl des Standorts seien die Nähe zu einer ehemaligen jüdischen Einrichtung gewesen und eine öffentliche Zugänglichkeit rund um die Uhr.


Diese Bedingungen erfülle der Seelhausplatz, auch sei es dort "ruhig und etwas verträumt". Ein gewichtiges Argument sei natürlich ebenso gewesen, dass dort, wo früher die Synagoge stand, seit vielen Jahren die jährlichen Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht stattfinden.
Was die Form des Gedenkens angeht, "wollten wir etwas finden, was zu uns und Hammelburg passt, zu der Altstadt mit ihren Höfen und Gärten und zu den Weinbergen. Etwas, das die Nähe zu Natur und Scholle ausdrückt", umschrieb Mence. Ein Findling mit einer Metalltafel erfülle diese Voraussetzungen, er sei "unprätentiös und zurückhaltend, und fest verankert im Boden". Aufgestellt werden solle er mitten auf dem Platz, damit er eine Alleinstellung erhalte und "in den Fokus von Besuchern und Passanten rückt."
Zudem empfiehlt der Arbeitskreis, eine Broschüre in Deutsch und Englisch zu erstellen, die nicht nur die Zeit des Holocausts beschreibt, sondern die gesamte Spanne des Zusammenlebens von Christen und Juden seit dem 13. Jahrhundert.
"Die Broschüren könnten in einem Metallbehälter vor Ort ausgelegt werden und Interessierten zusätzliche Informationen bieten", regte Michael Mence an. Doch das sei noch "Zukunftsmusik". Zunächst sollten die Gedenkstätten errichtet werden, außer in Hammelburg noch in Untererthal und Westheim, die eigene jüdische Gemeinden hatten.

"Nicht überfrachten"


Stadträtin Annemarie Fell (BfU/Grüne) schlug vor, auf der Tafel den Ort des Todes mit einem Hinweis wie KZ zu ergänzen, für den Fall, dass in nachfolgenden Generationen das Wissen um Auschwitz oder Dachau schwinde. SPD-Fraktionssprecher Reinhard Schaupp entgegnete, Gedenktafeln sollten mit Informationen nicht überfrachtet werden. "So sind sie eher ein Anstoß zum Nachdenken. Wer sich wirklich interessiert, kann den Namen auch googeln", meinte Schaupp.
Bürgermeister Ernst Stross (SPD) begrüßte das Projekt und sagte die Unterstützung der Stadt zu. Der Bauhof könne sicher bei der Umsetzung helfen.
Bereits am Dienstag, 2. August, wird sich der Arbeitskreis das nächste Mal treffen, und zwar um 18 Uhr im Westheimer GeFiGa-Heim im Raum des Filmclubs. "Alle Ortsbürger und andere Interessierte sind hierzu willkommen und können sich bei der Gestaltung der Westheimer Gedenkstätte einbringen", unterstrich Mence.