Der Storchenexperte vom Bund Naturschutz (BN) und der einzige unterfränkische Beringer fuhren am Samstag mit der Feuerwehr-Drehleiter zum Nest auf dem Mönchsturm hoch. Von unten beobachteten rund 70 Interessierte die Aktion in luftiger Höhe mit sorgenvollem Blick. Ob wohl alles gut geht?
"Da kann eigentlich nicht viel schief gehen. Die Gefahr, dass die Jungtiere aus dem Nest springen, besteht in diesem Alter nicht mehr. Und man wird auch von den Altvögeln nicht attackiert. Sie fliegen weg, wenn die Leiter sich nähert", erklärt Daniel Scheffler, der schon im vorigen Jahr den Hammelburger Storchennachwuchs beringt hat.
Die Jungtiere verfielen - wie erwartet - in eine Art Schockstarre, als die Männer am Nest auftauchten. Außerdem legte Scheffler ein großes Tuch über sie. "Es beruhigt die Tiere, wenn sie im Dunkeln sind", erklärt der 33-Jährige, der kürzlich für sein Engagement im Tierschutz mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet wurde (siehe unten stehenden Beitrag).

R steht für Radolfzell


Die Ringe werden über dem Kniegelenk angebracht. Dafür müssen die Tiere aber schon eine gewisse Größe haben. "Vier bis viereinhalb Wochen nach dem Schlüpfen ist der richtige Zeitpunkt", erklärt Jochen Willecke. Dann sind sie in der Regel schon groß genug, können aber noch nicht fliegen und damit flüchten.
Im vergangenen Jahr war das "Nesthäkchen" der vier Jungtiere noch zu klein für eine Beringung. Heuer ist aber selbst der Nachzügler groß genug gewesen. Die Ringe sind aus Teflon, früher waren sie aus Zink. "Das Material wurde gewechselt, weil so keine Entzündungen mehr durch herabfallenden Kot entstehen können, der an den Ringen hängen blieb", erklärt der Experte.
Die Ringe tragen eine Buchstaben- und Zahlenkombination. Die Störche vom Mönchsturm haben ein DER auf ihren Ring, wobei DE für Deutschland steht und R für Radolfzell. Hier befindet sich eine der drei deutschen Vogelwarten. Die beiden anderen sind auf Helgoland und in Hiddensee. Weiter geht es mit den Buchstaben AH, welche die Größe des Rings und damit auch die Vogelart bezeichnen. Schließlich folgt noch eine Zahl zur fortlaufenden Nummerierung. Die Hammelburger Jungstörche erhielten die Nummern 285 bis 289.

Vater stammt aus Rheinland-Pfalz


Der Storchenvater ist 2007 beringt worden in Offenbach-Hundheim in Rheinland-Pfalz. Das Weibchen trägt keinen Ring. Die drei Jungstörche, die 2011 in Hammelburg gekennzeichnet wurden, werden nach Einschätzung von Jochen Willecke im kommenden Frühjahr erstmals nach Deutschland zurückkehren - wenn sie überlebt haben. Wo sie sich niederlassen, um eine eigene Familie zu gründen, ist offen, obwohl sie Hammelburg wiederfinden würden.
Ein Mangel an Heimstätten wäre auf jeden Fall nicht das Problem, sind doch vorsorglich schon Nester in Obererthal sowie in Westheim gebaut worden. "Das Thulbatal ist wegen der Lage und des Nahrungsangebotes auf jeden Fall geeignet für ein weiteres Storchenpaar", meint Willecke.
Ihre ersten Flugversuche werden die fünf Jungtiere voraussichtlich Mitte Juli absolvieren. Dann soll es auch wieder ein Storchenfest geben, kündigte Jochen Willecke an. Der Naturschützer appellierte aber auch jetzt schon an die Hundehalter, ihre Vierbeiner dann auf jeden Fall an die Leine zu nehmen, wenn sie in den Saalewiesen unterwegs sind. Die Familie Adebar muss schließlich noch eine Menge futtern und zu Kräften kommen, bevor sie sich auf den langen Weg in Richtung Süden macht.