Weibersbrunn
Gaffer

Drei Tote bei Lkw-Unfall auf A3: Was darf die Feuerwehr im Kampf gegen Gaffer?

Am Donnerstag starben drei Menschen bei einem schweren Unfall auf der A3 bei Weibersbrunn. Die Feuerwehr bespritzte Gaffer mit Wasser. Darf sie das?
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Beim schweren Unfall auf der A3 am Donnerstag ging die Feuerwehr mit Wasser gegen Gaffer vor. Foto: NEWS5 / Merzbach
Beim schweren Unfall auf der A3 am Donnerstag ging die Feuerwehr mit Wasser gegen Gaffer vor. Foto: NEWS5 / Merzbach
Drei Tote, ein Verletzter - ein Unfall auf der A3 zwischen Frankfurt am Main und Würzburg hatte am Donnerstagmorgen katastrophale Folgen. Die Autobahn glich einem Trümmerfeld: Mehrere Stunden war sie komplett gesperrt, erst nach und nach konnten die Fahrstreifen freigegeben werden. Erst gegen 19.15 Uhr war die Autobahn wieder komplett frei.

Bei den mehrstündigen Bergungsarbeiten kam es zu massiven Problemen mit Gaffern: Während die Einsatzkräfte versuchten, die Leichen aus dem zerstörten Lkw zu bergen, filmten und fotografierten vorbeifahrende Personen die grausame Szenerie. Die Feuerwehr reagierte auf ihre Art und beschoss die passierenden Fahrzeuge mit Wasser aus einem C-Rohr. Dies führte zu einigen Diskussionen: War das Vorgehen der Einsatzkräfte gerechtfertigt?


Gefährlicher Eingriff in den Verkehr?

Grundsätzlich sei die Polizei dafür zuständig, das Fehlverhalten der Gaffer zu ahnten, erklärt Michael Zimmer vom Polizeipräsidium Unterfranken. Das Verhalten der Feuerwehr sei demnach in diesem Extremfall verständlich, dürfe jedoch keine Schule machen. Falls sich Fahrzeugführer durch das Spritzwasser behindert fühlten, müsse der Vorwurf selbstverständlich geprüft werden. Von einem gefährlichen Eingriff der Feuerwehr in den Straßenverkehr könne im konkreten Fall allerdings kaum gesprochen werden.


Vor Ort nahm die Polizei derweil die Personalien von mehreren Gaffern auf. Zur Zeit würden darüber hinaus Videoaufnahmen ausgewertet. Gaffen kann mit einem Bußgeld von 20 bis zu 1000 Euro geahndet werden. In Extremfällen kann das Fehlverhalten laut Bußgeldkatalog sogar mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft werden. Die juristischen Mittel sind also da - der Kampf gegen Gaffer hat aber für die Polizei keine Priorität. Schließlich gehe es zunächst darum, den Unfallort zu sichern, Verletzten zu helfen und den Verkehr zu steuern. Erst dann könnten sich die Polizisten vor Ort um Gaffer kümmern.


Problem mit Gaffern nimmt zu

Verständnis für das Verhalten der Gaffer hat Michael Zimmer nur begrenzt: Natürlich sind Menschen neugierig - jedoch verstoßen Video- und Bildaufnahmen nicht nur gegen das Persönlichkeitsrecht der Unfallopfer, sondern gefährden eben auch andere Verkehrsteilnehmer.

Dem Eindruck, dass das Problem mit Gaffern zunimmt, stimmt der Polizeihauptkommissar in Teilen zu: Zwar sei das Problem mit Gaffern ebenso wie jenes mit der Bildung der Rettungsgasse kein neues. Durch die technischen Möglichkeiten mit Smartphones und mobilem Internetzugang ist das Teilen von Bildern und Videos jedoch enorm vereinfacht worden. Sicherlich sei dadurch auch eine neue Kultur entstanden: Den eigenen Statuts in Echtzeit zu teilen, sei heute für viele Menschen eben völlig normal.
Dem Einsatz von Sichtschutzwänden an Unfallstellen, wie er zur Zeit in Bayern erprobt wird, steht Zimmer daher auch positiv gegenüber.
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