Strickliesel übergibt die Nadeln

Die Neustadter Strickgruppenleiterin Dorothea Reichenbacher legt im November die Verantwortung in die Hände von Karin Knauer. Die schönen Artikel, die die Gruppe erstellt, sind mittlerweile bekannt und begehrt.
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Dorothea Reichenbacher stammt aus Schleswig-Holstein. Der Liebe wegen kam sie im Jahr 2011 nach Neustadt und begann mit dem Stricken.
Unter dem Namen "Neustadter Strickliesel" postete sie auf Facebook, was sie für Neugeborene angefertigt hat, und suchte Gleichgesinnte. "Mit meiner Schwiegermutter Eleonore und Karin Knauer aus Neustadt habe ich vor fünf Jahren mit dem Sockenstricken begonnen", erinnert sich die 48-Jährige. Seitdem organisiert Reichenbacher eine Gruppe von Frauen und Männern, die fleißig Strickerzeugnisse für gemeinnützige Zwecke anfertigen.
Aus gesundheitlichen Gründen muss Reichenbacher aber nun das Zepter abgeben. Ende Oktober verlässt sie Neustadt und zieht an die Nordsee. Ihre Nachfolgerin wird die 57-jährige Neustadterin Karin Knauer.


"Ich kann dich unterstützen"

Karin Knauer wurde früh auf die Facebook-Seite von Dorothea Reichenbacher aufmerksam. "Ich habe Dorothea gesagt, ich säße ohnehin zu Hause rum, ich kann helfen und dich unterstützen", erklärt sie.
Und so nahm eine Handarbeitsgruppe ihren Anfang, die heute rund 50 Mitglieder hat. Junge und ältere Damen und auch Männer klappern emsig mit den Stricknadeln, nähen und häkeln fleißig Strümpfe, Mützen, Schals, Decken, Sterne, Herzen und Puk-Säckchen für Babys, Sternenkinder und Frühgeborene. "Ich bin damals von einer Freundin angesprochen worden, die ihr Kind in der 22. Woche verloren hat", sagt Dorothea Reichenbacher. "Sie hat mich gefragt, ob ich nicht etwas für ihr Baby stricken könnte, damit es nicht unbekleidet über den Regenbogen geht." Dorothea Reichenbacher ist selbst betroffen. Sie hat zwei Kinder verloren. Sie zögerte nicht, ihrer Bekannten zu helfen. Mit deren Einverständnis postete sie die Strickerzeugnisse auf Facebook und bekam großen Zuspruch. "Ich habe gemerkt, dass ganz viel Bedarf da ist", sagt die Strickliesel.
Sie holte weitere Informationen ein und nahm Kontakt mit einer Hebamme auf.
Auch Karin Knauer hat ein Kind verloren. "Viele unserer Helfer haben eigene Erfahrung damit, entweder weil sie selbst betroffen sind, die Familie, Freunde oder Bekannte", erläutern die beiden Frauen. Handarbeit helfe dabei, die Trauer zu bewältigen. "Viele wollen einfach etwas Sinnvolles tun", sagt Karin Knauer. "Oder haben wie ich das mittlerweile wohl 1000. Paar Socken für die Familie gestrickt und freuen sich, nun auch mal etwas für Babys stricken zu dürfen." Beide Frauen haben Rheuma in den Fingern und sind sich auch da einig: "Das Stricken hilft, die Finger beweglich zu halten."
Regelmäßig einmal im Monat trifft sich die Gruppe, die sich auf Facebook "Handarbeiten für Neugeborene, Frühchen und Sternenchen in und um NEC" nennt, in der Thüringer Begegnungsstätte am Schützenplatz. "Da bringt jeder seine Sachen mit", erklärt Reichenbacher, "es wird gestrickt und gehäkelt." Karin Knauer ergänzt: "Wir handwerken nicht nur, wir tauschen uns aus." Und fährt fort: "Da ist viel mehr draus entstanden, als am Anfang gedacht war."


Begeisterter Stricker

Mit seinen 79 Jahren ist Gerhard Schulz das älteste Mitglied. Er fertigt Puk-Säckchen und Mützen für neugeborene Babys und Frühchen an. "Manche von ihnen brauchen eine Öffnung für die lebenswichtige Versorgung der Frühgeborenen", erklärt er. Seine Ehefrau Ellen Schulz habe ihm zum Stricken geraten.
Dagmar Niman häkelt seit kurzem Herzchen, die die Neugeborenen auf der Welt willkommen heißen. Zudem fertigt sie Sterne, die die Mutter eines verstorbenen Babys als Erinnerung erhält. "Manche Mütter nehmen ihren Stern überall mit hin", weiß Reichenbacher, "sie helfen ihnen, den Schmerz zu verkraften."


Victoria macht Werbung

Victoria Klinkowski ist die Tochter von Karin Knauer. Sie hat das jüngste Mitglied der Gruppe dabei, den einjährigen Finn. "Im Moment komme ich zwar nicht so zum Handarbeiten", sagt die junge Frau und lacht, "aber ich treffe mich viel mit Müttern und ihren Kindern. Da rühre ich auch gern mal die Werbetrommel."
Die Gruppe ist kein eingetragener Verein, arbeitet aber rein gemeinnützig. Alle handgearbeiteten Stücke werden an Kliniken im eigenen und in den benachbarten Landkreisen verteilt. Auch andere gemeinnützige Organisationen freuen sich über die Handarbeiten. Die Gruppe freut sich immer über Spenden in Form von Geschenkgutscheinen für Wolle. Denn verarbeitet werden nur bestimmte Qualitäten: "Die Wolle muss waschbar sein, eine 60 Grad Wäsche überleben und bestimmten Hygienestandards entsprechen", erläutert Reichenbacher und fügt hinzu: "Sachen für Frühchen werden vom Hygieneinstitut Bamberg überprüft."
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