Kulmbach
Müllvermeidung 

Kulmbecher wartet auf den Kaffee

Aus der Idee von vier MGF-Schülern wird ein Geschäftsmodell: Die ersten 400 Mehrwegbecher werden verteilt.
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Nicolas Landgraf, Josias Neumüller, Katja Leinhos-Dittrich, die Chefin der "Kaffee-Plantage", Patrick Bär (von links) und Thomas Henning, der derzeit in den USA weilt, hatten die Idee, in Kulmbach ein Mehrwegbecher-System einzuführen. Fotos: Sonny Adam
Nicolas Landgraf, Josias Neumüller, Katja Leinhos-Dittrich, die Chefin der "Kaffee-Plantage", Patrick Bär (von links) und Thomas Henning, der derzeit in den USA weilt, hatten die Idee, in Kulmbach ein Mehrwegbecher-System einzuführen. Fotos: Sonny Adam
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Matthias Kohles fällt ein Stein vom Herzen. Vor über einem Jahr hatten seine Schüler Nicolas Landgraf, Josias Neumüller, Patrick Bär und Thomas Henning eine Idee, aus der jetzt tatsächlich ein Geschäftsmodell werden könnte. Die Gymnasiasten des MGF, an dem Kohles unterrichtet, hatten sich ein System ausgedacht, wie die Flut der Kaffeebecher in der Stadt und damit der Müll dezimiert werden könnten.
Diese Idee war simpel: Warum nicht einen Mehrwegbecher erfinden, den man in einem Café ausgehändigt bekommt und den man, sobald er leer ist, irgendwo in der Innenstadt wieder abgeben kann? Dort könnte er dann gespült und jederzeit wieder befüllt werden. Und weil zu einem guten Konzept auch ein pfiffiger Name gehört, nannten sie das Ganze Kulmbecher.
Für dieses Konzept erhielten die vier Schüler und ihr Lehrer Matthias Kohles sogar eine Auszeichnung des bayerischen Umweltministeriums.
Doch so einfach wie gedacht war die Umsetzung nicht. Detlef Zenk, Abfallberater am Kulmbacher Landratsamt, unterstützte die Jugendlichen. Noch heute steht ein gutes Dutzend Kaffeebecher auf seinem Schreibtisch. Die Prototypen sind aus Porzellan, Plastik oder Bambus und haben unterschiedliche Größen, Farben und Formen. Manche kommen mit Manschette daher, andere ganz schlicht. Manche sind trendy, andere eher unscheinbar.


Auch der Preis musste stimmen

"Es ist gar nicht so einfach gewesen, den richtigen Becher zu finden. Denn die Füllmenge musste stimmen, der Preis aber auch", erklärt Detlef Zenk.
"Wir haben zum Beispiel Porzellanbecher getestet. Die sind sehr hochwertig, aber sie gingen sehr schnell kaputt. Das wäre schlecht", sagt Katja Dittrich-Leinhos von der "Kaffee-Plantage" in Kulmbach und zeigt einen Becher nach dem Bruchtest.
Inzwischen haben sich die Schüler auf ein haltbares und zugleich erschwingliches Exemplar verständigt. "Wir haben uns für einen Becher aus Plastik entschieden. Und ein Logo haben wir auch schon", sagt Patrick Bär (17).
Die Jugendlichen haben es selbst entworfen: Es zeigt die Silhouette der Plassenburg.
"Anfangs hatten wir einen Becher mit einer Banderole drum im Auge, aber bei dem hat die Gummidichtung unangenehm gerochen. Deshalb konnten wir den nicht nehmen", erklärt Nicolas Landgraf (17).
Detlef Zenk hat den Jugendlichen auch dabei geholfen, Sponsoren zu finden. So hat ihnen die Sparkasse Kulmbach-Kronach bei der Anschaffung der ersten Becher unter die Arme gegriffen. Am kommenden Dienstag sollen die Kulmbecher allen Cafébesitzern in der Stadt vorgestellt werden. Denn die Markteinführung soll so schnell wie möglich stattfinden, sagt Matthias Kohles.


Pfandmarken im Tausch

Wer seinen leeren Becher abgibt, soll im Gegenzug eine Pfandmarke erhalten. "Somit hat man immer einen Becher oder eine Marke in den Händen", erklärt Detlef Zenk das Prinzip. "Wir haben jetzt erst einmal 400 Exemplare angeschafft." Sie sollen für fünf Euro das Stück verkauft werden. Wenn die erste Charge weg sei, könnten die Cafébesitzer jederzeit nachbestellen.
Bei der Veranstaltung am 18. Juli um 19 Uhr im Landratsamt können sich alle Interessierten über das System informieren. "Wir hoffen natürlich, dass möglichst viele Cafés mitmachen. Und wir hoffen, dass es uns gelingt, möglichst viele Menschen von dem System zu begeistern", sagt Matthias Kohles.
Als kleines Extra für die Kunden könnte sich der Lehrer vorstellen, dass sie als Kulmbecher-Besitzer einen kleinen Rabatt bekommen. "Aber das können wir denen, die mitmachen, natürlich nicht vorschreiben", so Kohles.
Die Schüler jedenfalls sind vom Erfolg der Aktion überzeugt. Sie rechnen damit, dass sich durch das Mehrwegsystem täglich in der Kulmbacher Innenstadt 250 Kaffeebecher einsparen ließen.
Der Ökobilanz der Stadt würde das gut tun.
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