LKR Haßberge

Kreistag sagt "ja" zur Fusion

Die Sparkasse Ostunterfranken will mit der Sparkasse Schweinfurt fusionieren. Dazu müssen mehrere kommunale Gremien zustimmen. Der Kreistag des Landkreises Haßberge gab gestern grünes Licht.
Artikel einbetten
Die Zentrale der Sparkasse Ostunterfranken in Haßfurt. Foto: Andreas Lösch
Die Zentrale der Sparkasse Ostunterfranken in Haßfurt. Foto: Andreas Lösch
Andreas Lösch

Die Fusionspläne der eigenständigen Sparkassen Ostunterfranken und Schweinfurt schreiten weiter voran. Am Freitagnachmittag stimmte der Kreistag Haßberge in einer nichtöffentlichen Sitzung dem Zusammenschluss der beiden Kredithäuser zu. Das genaue Abstimmungsergebnis wurde nicht bekanntgegeben, seitens der Presseabteilung des Landratsamtes in Haßfurt hieß es, dass die Abstimmung mit klarer Mehrheit zugunsten der Fusion ausfiel.
Die Kreistagsmitglieder hätten mit einem "Nein" die Fusion verhindern können, da der Landkreis Haßberge (83 Prozent) zusammen mit der Stadt Königsberg (17 Prozent) sämtliche Anteile an der Sparkasse Ostunterfranken hält - das Geldhaus ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts und über einen Zweckverband den Kommunen zugeordnet. Am kommenden Dienstag (14. November) stimmt der Stadtrat Königsberg in einer Sitzung über die Fusion ab. Das Stimmrecht und die Anteile der Stadt Königsberg rühren daher, dass einst die eigenständige Stadtsparkasse Königsberg in der Sparkasse Ostunterfranken aufgegangen ist.


Kritik "von außen": verpufft

In einem öffentlichen Teil der Sitzung des Kreistages hatte Peter Schleich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Ostunterfranken, erneut über die Fusionspläne und -gründe informiert und Fragen der Kreisräte beantwortet. Dabei wurde auch vor der nichtöffentlichen Abstimmung recht deutlich, dass der Kreistag hinter der geplanten Fusion steht. Weder wurden Proteste gegen den Zusammenschluss laut, noch schossen sich die Kreisräte darauf ein, was Anfang der Woche der Betriebswirt und bekannte Sparkassenfusionsgegner Rainer Gottwald bei einem Vortrag im Knetzgauer Ratssaal geäußert hatte: Nämlich, dass die Fusion der Kredithäuser besonders aus Sicht der Sparkasse Ostunterfranken unnötig sei, weil man sich mit der Sparkasse Schweinfurt einen kränkelnden Partner an die Seite hole, und dass die Fusion in erster Linie den Vorständen sowie den Verwaltungsräten der beiden Banken nütze, weil dadurch deren Bezüge steigen.
Zu letzterem Aspekt äußerte sich Landrat Wilhelm Schneider sehr konkret, der auch Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse Ostunterfranken ist. Der Verwaltungsrat besteht überwiegend aus kommunalen Verantwortungsträgern, darunter etwa die Bürgermeister Wolfgang Borst (Hofheim) und Bernhard Ruß (Sand) oder der ehemalige Zeiler Bürgermeister Christoph Winkler. "Dass eine Fusion nur vorangetrieben wird, damit die Vorstände und Verwaltungsräte mehr Geld bekommen, das ist etwas kurz gesprungen", sagte Landrat Schneider. Betriebswirt Gottwald hatte am Dienstag vorgerechnet, dass der Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse Ostunterfranken monatlich rund 1370 Euro für seinen Posten bezieht, sein Stellvertreter rund 1030 Euro sowie die einfachen Mitglieder rund 685 Euro monatlich.


Höhere Bezüge

Nach der Fusion mit Schweinfurt würden sich die Bezüge je nach Posten um etwa 300 bis 800 Euro monatlich erhöhen. Allerdings: Nachdem die Verwaltungsratsmitglieder über die Fusion beraten und diese befürwortet hatten, hatten diese auch klar vor Augen, dass mit dem Zusammenschluss der Sparkassen auch einige Verwaltungsratssitze verloren gingen, was den Vorwurf, man habe das nur des Geldes wegen getan, durchaus entkräftet: Einige der Mitglieder, die jetzt Bezüge haben, werden nach der Fusion nämlich gar keine mehr bekommen. Kreisrat Wolfgang Borst unterstrich dies noch einmal: "Wir haben das entschieden, weil es um die Sache ging". "Die Sache", das ist der Erhalt des Filialnetz-Infrastruktur, die auf absehbare Zeit ohne die Fusion wegen der Bedingungen am Markt (Zinsumfeld) hätte weiter ausgedünnt werden müssen.
Landrat Schneider (der bei einer Fusion seinen Vorsitz voraussichtlich verlieren würde, aber wohl als Stellvertreter im Gremium bliebe) sagte: "Wir müssen unsere Einrichtungen, für die wir zuständig sind, zukunftsfähig machen" und "entscheidend ist unsere Filialstruktur". Einsparmöglichkeiten ergeben sich durch den Zusammenschluss, indem man "zentrale Bereiche zusammenlegt", während die Filialen in der Fläche besser erhalten werden können. "Wir haben sie schon einmal ausgedünnt (im vergangenen Jahr wurden acht kleine Filialen im Kreis Haßberge geschlossen, die Red.) und wir wollen sie nicht gleich schon wieder ausdünnen", sagte der Landrat.


Kränkelnder Partner? Nein!

Dass man in der Sparkasse Schweinfurt einen kränkelnden Partner gefunden habe, das wies der Vorstandsvorsitzende Peter Schleich zurück: Die Fusion biete beiden Häusern gute Chancen in einem schwierigen Niedrigzinsumfeld. Weil auch die Wirtschaftsräume der Bereiche Haßberge und Schweinfurt verstärkt zusammenwachsen, sei es der richtige Schritt, Schweinfurt sei ein starker Partner: "Die Wirtschaftskraft in Schweinfurt ist um ein Vielfaches höher als bei uns", sagte Schleich. Zum Vergleich: Bemessen am Bruttoinlandsprodukt liegt sie im Kreis Haßberge bei 27 507 Euro pro Einwohner und in Schweinfurt bei 116 470 Euro je Einwohner.
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren