Oberschleichach
Projekt 

Kinder dürfen Vögel beringen

Beim Umweltbildungszentrum in Oberschleichach beginnt eine Veranstaltungsreihe, die Kindern und Erwachsenen die einheimischen Vögel nahebringen will. Acht Prozent der Kinder haben keine Ahnung, wie eine Meise aussieht.
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Beim Umweltbildungszentrum kommen Kinder im Herbst in den direkten Kontakt mit Vögel.n. Zum Beispiel, indem sie wie hier Vogelnetze aufstellen, die Tiere dann vorsichtig aufnehmen und beringen. Foto: Ubiz
Beim Umweltbildungszentrum kommen Kinder im Herbst in den direkten Kontakt mit Vögel.n. Zum Beispiel, indem sie wie hier Vogelnetze aufstellen, die Tiere dann vorsichtig aufnehmen und beringen. Foto: Ubiz
Es war kein gutes Jahr vor allem für die Singvögel. Ornithologe Dietmar Will, aktiv für den Landesbund für Vogelschutz im Landkreis Haßberge, erklärt, dass wegen der ungünstigen klimatischen Bedingungen in diesem Jahr die Singvögel bei der Jungenaufzucht "unter die Räder gekommen sind". Sprich: Es gab späte Fröste, dann stellte sich Trockenheit ein, was dazu führte, dass das Nahrungsangebot für die Tiere zu gering war. Momentan stellt Will fest, dass die Greifvögel mit ihrer Brut sehr spät dran sind, auch da kann es dann sein, dass es nur wenige Tiere schaffen.
Die klimatischen Bedingungen sind aus der Sicht des Haßberge-Ornithologen der kurzfristige Faktor, der langfristige Trend besteht in den Lebensbedingungen durch die Landwirtschaft: Der Einsatz von Insektiziden und Pflanzenschutzmitteln (Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel) räumt die Flur aus, die Tiere finden immer weniger Nahrung. Ein Beispiel ist die Feldlerche: Sie braucht Feldgehölze in der Flur, um hier geschützt zu sein und nisten zu können, und sie braucht Großinsekten wie Heuschrecken als Nahrung. Beides fehlt auch im Landkreis Haßberge. "Die Feldlerche war früher ein Allerweltsvogel", heute ist auch im Landkreis Haßberge der Bestand um ein Drittel eingebrochen.
Auch aus diesem Grund begrüßt Will die Initiative, die vom Umweltbildungszentrum ausgeht, das dieser Tage ein besonderes Projekt startet. Es soll Arten greifbar und Artenschutz begreifbar machen. Die "HochZeit für Vögel" soll Jung und Alt für die heimische Vogelwelt begeistern, Artenkenntnis vermitteln und bei der Jugend die Motivation steigern, sich im ehrenamtlichen Naturschutz zu engagieren. Vor allem die Artenkenntnis der heimischen Vogelwelt ist laut einer Studie der Fachhochschule Weihenstephan in Freising bei bayerischen Kindern sehr gering: acht Prozent erkennen keinen einzigen der zwölf häufigsten Gartenvögel, Amsel, Buchfink, Buntspecht, Elster, Gimpel, Grünfink, Haussperling, Kleiber, Kohlmeise, Rotkehlchen, Star und Zaunkönig. Ziel des Projekts "HochZeit für Vögel - Vogelberingung zum Mitmachen" ist nach Mitteilung des Umweltbildungszentrums (Ubiz), dass sich junge Menschen für Natur- und Artenschutz begeistern, und zwar mit Naturerlebnissen.


Veranstaltungen zur Vogelkunde

Wissenschaftliche Einblicke in die Ornithologie, Vogelforschung, gibt es bei drei Veranstaltungen: An zwei Vormittagen können Interessierte praxisnah an Vogelberingungen teilnehmen, denn am Samstag, 16. September, 9 bis 11 Uhr ("Warum braucht der Vogel einen Ring?" für Kinder von sechs bis zwölf Jahren), und am Samstag, 16. Dezember, 10 bis 12 Uhr ("Catch me if you can! - Winterfang und Beringung von Futterhausgästen"), finden Vogelfänge mit Beringung statt. Die Biologin Christine Thorn erklärt, warum und wie Ornithologen Vögel fangen und beantwortet Fragen rund um die einheimische Singvogelwelt.
Am Montag, 16. Oktober, hält Viktoria Mader den Vortrag "Catch me if you can!", in dem sie die wissenschaftliche Vogelberingung anhand verschiedener weltweiter Projekte und Beispiele vorstellt.


Hinaus in den Wald

Auch Exkursionen werden angeboten: Am Samstag, 7. Oktober, geht es von 8 Uhr ab der Ortsmitte von Fabrikschleichach bis 10 Uhr bei einer "Herbstlichen Vogelwanderung" mit Simon Thorn in die Wälder. Der "Herbstliche Vogelzug in den Mainauen von Haßfurt" kann am Sonntag, 22. Oktober, von 14 bis 16 Uhr mit Dittmar Will beobachtet werden, hier ist der Treffpunkt der Parkplatz am Flughafen in Haßfurt. Für die Kleinen zwischen sechs und zwölf Jahren gibt es zwei handwerkliche Veranstaltungen: Am Samstag, 14. Oktober, können von 15 bis 17 Uhr mit Reiner Lang und Christine Thorn in der "Werkstatt der Gartenvögel" eigene Holzvögel und -eulen gebastelt werden. Und am Donnerstag, 2. November, können bei "Jetzt tun wir was für Vögel" von 12 bis 16 Uhr eigene Futterhäuschen gebaut werden. Kursort ist die Ausbildungsstätte der Bayerischen Staatsforsten in Hummelmarter.


So arbeitet ein Falkner

Ein Erlebnis für die Familie ist die "Faszination Falknerei" auf dem Steigerwald-Erlebnishof in Neuhof von Familie Pfister. Am Samstag, 28. Oktober, können von 14.30 bis 17 Uhr bei der Falknerei-Vorführung die Flugkünste von Greifvögeln beobachtet werden.
All diese Projektteile, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene ansprechen, sollen durch die direkte Naturerfahrung während der Beringungen und kreative Auseinandersetzung mit verschiedenen Vögeln zu mehr Kenntnis einheimischer Brutvogelarten führen und das Engagement im Natur- und Artenschutz nachhaltig beeinflussen.
Das Projekt wie auch ein Großteil der Veranstaltungen wird vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz gefördert. Im Umweltbildungszentrum bittet man um Anmeldung unter der Rufnummer 09529/92220. kra
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