Geist- und pointenreich zugleich

Mal feinsinnig, mal derb und oft mit Selbstironie: Oti Schmelzer begeisterte in Pfaffendorf mit einem Feuerwerk an Gags.
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Oti Schmelzer bei seinem Kabarettabend in Pfaffendorf in voller Aktion Foto: Klemens Albert
Oti Schmelzer bei seinem Kabarettabend in Pfaffendorf in voller Aktion Foto: Klemens Albert
Klemens Albert

Wollte man in der oft doppeldeutigen Sprache von Oti Schmelzer sprechen, würde man sagen: Er hat den Saal vollgemacht. Schon lange vor Beginn des humoristischen Abends mit dem Unikum aus Oberschwappach im Freizeitsaal des Dominikus-Savio-Heimes waren alle Eintrittskarten weg. Die Blaskapelle Pfaffendorf hatte zu diesem Ereignis im Rahmen ihres 70-jährigen Vereinsbestehens eingeladen. Deren Vorsitzender Rainer Nöller musiziert mit Oti auf dessen "Bescheuerter Weindunst-Bühne" in Oberschwappach und hatte ihn für einen Auftritt im nördlichen Landkreis gewinnen können.
"Seine Gaudi, seine Show; den will ich mal original sehen", so oder ähnlich lauteten viele Kommentare von Besuchern auf die Frage, was sie an Oti Schmelzer so anziehend finden. Jeder kannte ihn von seinen Auftritten bei der Fränkischen Fasnacht in Veitshöchheim, und "wenn der schon mal nach Pfaffendorf kommt, muss man doch hin", so ein einheimischer Besucher.


Zwei Stunden Lachen am Stück

"Auf jede Bühne gehört ein schöner Mensch. - Und da bin ich." Mit dieser Ankündigung zu Beginn hatte Oti bereits die Lacher auf seine Seite gebracht, und das Lachen hörte für mehr als zwei Stunden nicht mehr auf. Von Beginn an machte er deutlich, wie er sich selbst immer wieder auf die Schippe nahm. Er erklärte auch gleich sein Motto: "Wer nicht lacht, der söll sich a Blumestöckle käff, auf en Friedhof geh und wart, bis er dro is." So konnte sich bewahrheiten, was er einmal einem Pfarrer gesagt haben will: "Im Vergleich zu deiner Predigt schläft bei mir keiner ein!" Doch schränkte er auch gleich ein: "Ich geh zu Text und Inhalt meines Vortrags voll auf Distanz."
Pointe um Pointe, alle Lebensbereiche betreffend, auch die Politik, so manche schon gehört, aber wie Oti sie bringt, das geht aufs Zwerchfell. Daraus einige Kostproben: Das fränkische Wort für Orgasmus heißt "passt scho". Oder der Zugschaffner, der die Fahrkarte gegen den Willen des Reisenden lochen will, begründet: "Ich muss ein Loch rein machen, weil man ohne Loch keinen fahren lassen kann."
Seine Erklärung, warum auf dem Bundestagsgebäude eine Kuppel ist: "Jeder Zirkus hat doch eine Kuppel." Über seinen Herkunftsort wusste er zu berichten: "Wir sind so schwarz, dass wir sogar im Kohlenkeller Schatten werfen." Und selbst den Papst wollte er schon einmal im Nürnberger Fußballstation gesehen haben, denn der "geht dahin, wo die Not am größten ist." War es früher ein Lehnstuhl und eine Zigarre, so bekämen heute Opas einen geländegängigen Kinderwagen in die Hand gedrückt.


Wider den Nationalpark

Auch eine Erklärung für den Widerstand gegen einen Nationalpark Steigerwald hatte Oti Schmelzer parat: Dann wird dort viel mehr kontrolliert, "und wo klauste dann dei Holz?" Wortspielereien, meist feiner, gelegentlich auch derb-fränkischer Humor, Männer gleichermaßen wie Frauen als Zielscheibe seiner Witze, und wenn er mal gar zu einseitig eingedroschen hatte, kam halt ein "Fraueneinschleimlied". Oti zeigte sich sogar einsichtig, denn "Männer brauchen ihre Frauen als Grenzwertgeber". Sogar moralisch wurde er an einer Stelle im Blick auf ein seit 60 Jahren verheiratetes Ehepaar: "Damals hat man noch alles repariert und nicht gleich wechgschmissen." Seine Darbietungen, ob Gesang oder Sprachvorträge untermalte Oti stets mit seiner virtuosen "Quetschen", sprich Ziehharmonika. Immer wieder bezog er das Publikum zum Mitsingen mit ein, es ging natürlich angeregt mit. Und dazwischen immer wieder seine schlagfertige spontane Situationskomik, das alles begeisterte die Besucher.
Zusätzlich umrahmte den Abend ein Quintett der Blaskapelle Pfaffendorf unter Leitung von Rainer Nöller mit fränkischen Volksweisen.
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