Bamberg
Nachruf (I) 

Feurige Liebe zum Wort

Im Alter von 74 Jahren ist Heinz Gockel gestorben. Der Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft hat Generationen von Germanisten an der Uni Bamberg geprägt.
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Heinz Gockel Foto: Barbara Herbst
Heinz Gockel Foto: Barbara Herbst
Rolf-Bernhard Essig

Mit Hans Wollschläger und Uwe Timm war er befreundet, Doris Runge widmete ihm ein Gedicht, auf der Bühne des Brentano-Theaters machte er eine ebenso gute Figur wie auf der von Chapeau Claque, als Liebhaber der Orgel spielte er Studierenden aus aller Welt in Bamberger Kirchen vor, versiert war er als Chorsänger bei der Kantorei St. Stephan wie als Standardtänzer, spielte hochgeistig-komische Sketche beim Studentenfasching, gründete den Kulturverein "Palais Schrottenberg" (heute "Neues Palais") mit, veröffentlichte die Aphorismensammlung "Unverlogenheiten" - und das ist nur ein Teil jener künstlerisch-musischen Seite Heinz Gockels, der im Hauptberuf Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft in Bamberg war.
Er nahm ernst und lebte, was Goethe in seinen naturwissenschaftlichen Schriften so formulierte: "... daß Wissenschaft und Poesie vereinbar seyen ... beide sich wieder freundlich, zu beiderseitigem Vorteil, auf höherer Stelle, gar wohl wieder begegnen könnten."


Bamberg treu geblieben

In Worbis im Eichsfeld wurde Heinz Gockel am 23. September 1941 geboren, wuchs in der Nähe Paderborns auf, was man seinem Sprachduktus angenehm anhörte. Er studierte in Freiburg, Paderborn, Münster und legte dort 1971 mit seiner Doktorarbeit über Georg Christoph Lichtenberg ein Werk vor, das noch viele Jahre später als eins der originellsten über den genialen Aphoristiker bezeichnet wurde. Acht Jahre später habilitierte er sich mit einem neue Wege der Forschung eröffnenden Buch zum Mythosbegriff in der Frühromantik und wurde im selben Jahr Professor in Bamberg, dem er, abgesehen von einer Gastprofessur in Vermont, immer treu blieb.
Generationen von Germanisten lernten bei ihm eine unakademisch feurige Liebe zum Wort kennen. Gockel vermittelte außerdem, welchen Wert das Wissen über Philosophie, Naturwissenschaft, die bildenden Künste für das Verständnis von Wolfdietrich Schnurre, Günter Grass, Thomas Mann, Friedrich Schiller, Johann Wolfgang Goethe und andere besitzt. Er steckte mit dieser emphatischen Philologie viele an, die im weiten Feld des literarischen Lebens teils bedeutende Positionen erreichten.
Ein Herzensprojekt war Gockel der internationale Ferienkurs der Universität Bamberg, den er oft leitete, wobei er im Lauf der Zeit mehr als tausend Studierenden aus mehr als 40 Ländern neben exzellentem Fachwissen ein heiteres und liebenswertes Deutschland- und Bamberg-Bild vermittelte.
Im Ruhestand zog sich Gockel zunehmend zurück; er starb am 27. Dezember. Die Beerdigung findet am heutigen Freitag um 12.45 Uhr auf dem Bamberger Friedhof an der Hallstadter Straße statt.

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