Grafengehaig

Entschuldigung stößt auf taube Ohren

Ein unüberlegter Facebook-Eintrag hatte für eine 58-Jährige aus dem Landkreis Kulmbach ein bitteres Nachspiel. Nachdem im Frühjahr ein Schulungsraum einer F...
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Ein unüberlegter Facebook-Eintrag hatte für eine 58-Jährige aus dem Landkreis Kulmbach ein bitteres Nachspiel.
Nachdem im Frühjahr ein Schulungsraum einer Feuerwehr im Landkreis Kulmbach aufgrund eines technischen Defekts gebrannt hatte, ließ sich die Angeklagte zu einer folgenschweren Äußerung auf dem sozialen Netzwerk hinreißen: "Ist das nicht super? Unsere Feuerwehr lässt ihr Haus abbrennen", postete sie im Internet.
Bei den Feuerwehrmännern stieß diese Äußerung natürlich auf wenig Begeisterung - es folgte eine Anzeige.
"Ich habe mich unglücklich ausgedrückt. Was ich eigentlich sagen wollte, war: Wenn es schon bei der Feuerwehr brennt - und die hat ja die besten Mittel zum Löschen - was ist dann, wenn der Brand weiter weg ist?", erklärte die Angeklagte ihren Gedankengang.
Sie habe nie behauptet, dass die Feuerwehr ihr eigenes Haus angezündet hat. Und auch nicht, dass sie es nicht löschen würde. Vor allem nach ihrer schriftlichen Entschuldigung sei sie davon ausgegangen, dass ihr die ehrenamtlichen Wehrleute den Facebook-Eintrag verzeihen werden, erklärte die Frau vor Gericht.
"Da sollte man vielleicht in Zukunft besser aufpassen und nicht posten, was einem gerade in den Kopf kommt", mahnte Richterin Sieglinde Tettmann die 58-Jährige. Und sie erklärte weiter: "Es ist nichts Neues, dass man zu Hause allein in seinem Kämmerchen unüberlegte Kommentare ins Internet stellt, die man niemals jemandem ins Gesicht sagen würde."
Der Kommandant der Feuerwehr war als Zeuge geladen. Er schilderte den Brand: "Vier Leute sind ausgerückt, und wir hatten das Feuer meiner Meinung nach schnell unter Kontrolle. Diesen gehässigen Kommentar auf Facebook kann ich nicht nachvollziehen."
Ein Kollege hatte ihm den Post gezeigt. Er legte den Internetbeitrag als Vorwurf aus und verstand ihn so, dass die Feuerwehrleute zu langsam wären und ihren Dienst vernachlässigt hätten.
Das Entschuldigungsschreiben der Angeklagten ist in den Augen des 54-jährigen Zeugen fast noch schlimmer als ihre vorherige Aussage im Netz. Denn darin habe die Frau geschrieben, dass ihr Handy manche Worte verändert hätte und dadurch ihr Beitrags teilweise einen anderen Sinn erhalten habe.


Angeklagte bereits vorbestraft

Staatsanwältin Daniela Häusner fasste sowohl die Punkte zusammen, die zu Gunsten der Angeklagten sprachen als auch die Gegenargumente: "Wegen Diebstahl in zwei Fällen ist die Angeklagte vorbestraft und war zur Tatzeit noch auf Bewährung. Gegen sie spricht auch, dass sie die Auswirkungen ihres Beitrags gekannt haben muss und genau wusste, dass das im Dorf Konsequenzen haben würde."
Zum Positiven: "Zu ihren Gunsten spricht, dass sie die Tat eingeräumt hat und versuchte, sich zu entschuldigen. Eine Geldstrafe sollte daher ausreichend sein", so die Staatsanwältin.
Häusner forderte 50 Tagessätze zu je 27 Euro.
Richterin Tettmann erklärte, dass die Geldstrafe wegen der Vorstrafe höher ausfallen müsse als im Normalfall, blieb in ihrem Urteil aber etwas unter der Forderung von Staatsanwältin Häusner. Ihr Urteil: 50 Tagessätze zu je 25 Euro.
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