Marienweiher
Geistliches Konzert

Eine Brücke zwischen Mensch und Gott geschlagen

Ein geistliches Konzert mit einem Song von Cyndi Lauper zu beginnen, ist sicher unerwartet - machte jedoch Sinn am Fuss einer musikalischen? "Reise auf dem ...
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Eine "Reise auf dem Regenbogen des Lebens" stellte der NordhalbenerSingkreis "GemeinSangkeit" in der Basilika Marienweiher in Wort und Musik aller Genres und Epochen dar. Foto: Klaus Klaschka
Eine "Reise auf dem Regenbogen des Lebens" stellte der NordhalbenerSingkreis "GemeinSangkeit" in der Basilika Marienweiher in Wort und Musik aller Genres und Epochen dar. Foto: Klaus Klaschka
Ein geistliches Konzert mit einem Song von Cyndi Lauper zu beginnen, ist sicher unerwartet - machte jedoch Sinn am Fuss einer musikalischen? "Reise auf dem Regenbogen des Lebens", die der Nordhalbener Chor "GemeinSangkeit" am Sonntag in der Wallfahrtsbasilika Marienweiher machte. Cyndi Laupers "True Colors" war denn auch der Auftakt eines symbolischen Farbenbogens für die göttlichen Erscheinungen und gleichzeitig für die menschlichen Emotionen, die Brücke zwischen Mensch und Gott.
Gott selbst wurde dargestellt durch die Farbe weiß, musikalisch mit Edvard Griegs "Ave maris stella" und Bachs Choral "Wie soll ich dich empfangen" aus dem Weihnachtsoratorium; in der Mitte des Konzerts noch einmal durch den Hymnus "O God Beyond All Praising" zu einem Text des anglikanischen Priesters Michael Perry, vertont von Gustav Holst; ein Stück, das in England nicht selten vor oder anstelle der Nationalhymne mit Inbrunst zu hören ist.
Das Erscheinen und die Kraft des Göttlichen wurde dargestellt durch die Farben Gelb-orange-rot und musikalisch durch zwei Neue Geistliche Lieder, "Beginne du all meine Tage" und "Neues wagen", sowie einen motettischen Satz "Veni Sancte Spiritus" aus dem 13. Jahrhundert. Dieses dritte Stück sang der Chor a cappella aus dem seitlichen Chorraum der Basilika, ein Effekt, der die Erwartung des heiligen Geistes auch optisch verstärkte. Hoffnungen, Vorstellungen, aber auch Zweifel und Hoffnung - die Farbe violett. Zunächst wieder ein unerwartetes Stück aus dem Kinderfilm "Willy Wonka and the Chocolate Factory", danach Bachs Choral "O große Lieb'" aus der Johannespassion und zwei Vertonungen des 42. Psalms "Wie der Hirsch schreit", zunächst die Motette von Mendelssohn Bartholdy und danach als Satz von Palestrina; schließlich das empfindsame "Pie Jesu" von Gabriel Faure. Schließlich die Farbe Grün, die landläufig für Hoffnung, auch Vertrauen steht.
Mit seinem Lied "Ich bin bei dir" komprimiert der Komponist Udo David Zimmermann eine wahre Geschichte: Das Team Hoyt aus Massachusetts (Vater und Sohn) nehmen gemeinsam an Marathons, Triathlons und anderen athletischen Herausforderungen teil. Allerdings leidet der Sohn an einer Zerebralparese, kann im Endeffekt seine Bewegungen nicht koordinieren. Bei den sportlichen Wettbewerben trägt, zieht oder schiebt der Vater deshalb seinen gelähmten Sohn in speziellen Rädern, Rollstühlen oder Schlauchbooten mit sich. Eine gar nicht theologische, allerdings sehr hautnahe Veranschaulichung eines helfenden und beschützenden Gottes.
Damit endete der musikalische und Farbenkreis des Konzertes eigentlich wieder im Anfang, denn die Farbe weiß als Symbol für Gott beinhaltet in sich sämtliche Farben des Spektrums des Regenbogens. Genau wie Gott das gesamte Spektrum des Lebens und der Welt darstellt. Die Zugabe des gesamten Ensembles, John Rutters "Look at the World", war hierzu noch das letzte Tüpfelchen auf dem i.
Der Nordhalbener Liederkreis "Gemeinsangkeit" hatte damit einen großen theologischen wie auch musikalischen Bogen ausgebreitet. Ohne stereotype Kategorien und unter bewusster Missachtung von musikalischen Genres. Der Chor probte für dieses Themenkonzert über ein Jahr mit hohem Aufwand. 29 Sänger in Begleitung von elf Instrumentalisten boten ein breites Spektrum von mittelalterlichem Sakralgesang, Barock, Romantik, über Neues Geistliches Lied bis Pop.
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