Herzogenaurach
Vortrag

Ein Kämpfer für die Nächstenliebe

Passend zur Martinikirchweih referierte Domkapitular Norbert Jung beim Herzogenauracher Heimatverein über den heiligen Martin. Zwischen Aurach und Regnitz g...
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Passend zur Martinikirchweih referierte Domkapitular Norbert Jung beim Herzogenauracher Heimatverein über den heiligen Martin. Zwischen Aurach und Regnitz gab und gibt es eine Reihe von Martinskirchen, die meistens aus dem 7. und 8. Jahrhundert stammen (Bamberg, Eggolsheim, Forchheim). Die Verehrung des einstigen römischen Offiziers wurde auch in Herzogenaurachs Pfarrkirche gepflegt, schließlich soll sie einst dem heiligen Martin gegolten haben.
Jung stellte den Heiligen dar im Spannungsfeld zwischen seinem heidnischen Soldatenberuf und dem christlichen Pazifismus, den er nach dem Ausscheiden aus der römischen Armee pflegte. Gemäß den Aussagen Christi "Selig, die Frieden stiften!" oder "Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen", lebte Martin echten Pazifismus: befreite Gefangene aus den Kerkern, ermöglichte Verbannten die Heimkehr und half, ihre eingezogenen Güter zurückzugewinnen. Er identifizierte sich mit den Leidenden und Armen, so wie es das derzeitige Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, tut.


Kirchen und Klöster

Martin blieb auch nach seiner Wahl zum Bischof das, was er immer war: authentisch. Wenn es um das Christentum ging, war er anfangs alles andere als tolerant. Er ging mit Gewalt gegen Einrichtungen der alten Religion vor und setzte sich gegen die ungetaufte Landbevölkerung durch. Er fällte eine kultisch verehrte Kiefer und gewann durch seine überzeugenden Auftritte großen Einfluss. Wo immer er heidnische Heiligtümer zerstörte, errichtete er christliche Kirchen oder Klöster. Und gerade das war es, was seine Anhänger, aber auch die Gegner überzeugte. Dabei setzte er sich aber stets für Toleranz und Verständnis füreinander ein, was heute für alle Christen selbstverständlich sein sollte.
Martin ist und war noch vor Benedikt von Nursia, dem "Vater des abendländischen Mönchtums", der eigentliche Begründer dieser mönchischen Einrichtungen. Sein erstes Kloster, Ligugé bei Poitiers, kann als das älteste Kloster Galliens gelten, und Marmoutier, der Rückzugsort, den er bei seiner Bischofsstadt Tours für sich errichtete, hatte eine überragende Bedeutung als Ausbildungszentrum, das schließlich in das ganze Land ausstrahlte.
Auf seinem Totenbett ließ Martin keinen Augenblick vom Gebet ab. Als er sich auf Bitten der Ärzte auf eine Seite umdrehen sollte, entgegnete er: "Lasst mich Brüder, lasst mich lieber zum Himmel als zur Erde blicken, damit mein Geist, der sich schon anschickt, zum Herrn zu gehen, die Richtung einhalte."
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