Ebermannstadt

Ebermannstadter überlisten Schweden

Im Dreißigjährigen Krieg, der vor 400 Jahren begann, stand das kleine Wiesentstädtchen mehrmals zwischen den Fronten. Die Einwohner halfen den Kroaten und schnitten die Steigbügel der Soldatenpferde ab. Doch die Rache der Schweden ließ nicht auf sich warten.
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Ein Stich von Ebermannstadt um 1625 - also noch vor der Zerstörung durch die Schweden. Besonderheit: Anstatt einer massiven Stadtmauer sieht man hier einen Zaun um den Ort gezogen. Der hat vermutlich sogar gereicht, denn der Ort lag wie bei einer Insel zwischen den beiden Armen der Wiesent. Nur über Brücken, die man im Notfall schnell abmontieren konnte, gelangte man damals in den Ort. Repro: Reinhard Löwisch
Ein Stich von Ebermannstadt um 1625 - also noch vor der Zerstörung durch die Schweden. Besonderheit: Anstatt einer massiven Stadtmauer sieht man hier einen Zaun um den Ort gezogen. Der hat vermutlich sogar gereicht, denn der Ort lag wie bei einer Insel zwischen den beiden Armen der Wiesent. Nur über Brücken, die man im Notfall schnell abmontieren konnte, gelangte man damals in den Ort. Repro: Reinhard Löwisch
Auch das kleine Städtchen Ebermannstadt im unteren Tal der Wiesent litt wie viele andere Orte in der Region an den Folgen des Dreißigjährigen Krieges, dessen Beginn sich 2018 zum 400. Mal jährt und der die Trennung der katholischen von den evangelischen Christen zementierte. Die Angriffe auf die Stadt führten bis zur totalen Zerstörung und Brandstiftung.
Doch die Ebermannstadter machten es den Kriegern nicht leicht, wie in den Chroniken der Stadt nachzulesen ist. Das Unheil begann mit der ersten Eroberung der Stadt Bamberg am 22. Februar 1632. In der Folge schwärmten die Schweden unter König Gustav Adolf II. im gesamten Bereich des Bistums Bamberg aus und besetzten alle größeren Orte und Städte. Mit einer Ausnahme: Forchheim widersetzte sich während des gesamten Kriegszeitraumes erfolgreich den Schweden. Ja, sie rückten sogar aus, um Bamberg wieder von den Schweden zu befreien.


Von der Union besetzt

Wann genau Ebermannstadt das erste Mal von der evangelischen Union besetzt wurde, ist nicht überliefert. Bekannt ist aber, dass der Ort am 6. Juli 1632 von katholischen Reitern zurückerobert wurde. Die Bürger der Stadt hatten an der Vertreibung der Schweden sogar einen größeren Anteil: Sie schlossen alle Stadttore bis auf eines und dort standen die Kroaten bereit, die Schweden zu empfangen. Die Chronik berichtet darüber in holprigen Worten: "... sind sie unserm volck in die hent gelauffen, welche unsser volck alle nidter gemacht hat".
Mit dem Tode des Schwedenkönigs Gustav Adolf wird Herzog Bernhard von Weimar oberster Befehlshaber der Schwedenkrieger. Er strebte ein Herzogtum Franken an, weshalb die Schweden 1633 erneut ins Hochstift einfielen. Am 8. Februar besetzten sie wieder Bamberg und kurz darauf den Rest des Bistums - wieder mit Ausnahme Forchheims, das sich erfolgreich widersetzte.
Der Herzog sammelte Truppen um Ebermannstadt und Pretzfeld, um über das Trubachtal einen Vorstoß in die Oberpfalz zu unternehmen. Doch es kam nicht soweit. Die Chronik berichtet, dass "beim Tagesgrauen des 5. März ein überraschender Überfall des "Schwarzen Hans" auf die Schweden erfolgte; mit verheerenden Folgen.


Legendärer Krieger

Jan van Wert heißt der legendäre Krieger, den die Schweden ob seiner wehenden schwarzen Haarpracht respektvoll den "schwarzen Hans" nannten, weil er ihnen schon viele Niederlagen beigebracht hatte. Auch dieses Mal nutzte der Oberst das Überraschungsmoment seiner kurbayerischen Reiter, um die Schweden vernichtend zu schlagen. Er kam in einem Nachtritt von Auerbach, in der Meinung, das schwedische Kriegsvolk sei schon Richtung Creußen unterwegs. Selber überrascht, sie noch in Pretzfeld vorzufinden, entschloss er sich zu einem sofortigen Überraschungsangriff und vernichtete dort zwei Regimenter "bis auf sechs oder sieben zu Pferde", wie die Chronik weiter vermerkt. Mit 200 berittenen Musketieren erreichte er bald Ebermannstadt. Bei dem anschließenden Gefecht halfen wieder die Ebermannstadter Bürger, die Schweden zu verjagen. Sie schnitten kurzerhand die Steigbügel der Soldatenpferde ab, so dass die Reiter nicht aufsteigen konnten. Im Tagebuch der Nonne Junius ist festgehalten: "... haben den schweden ihren pferdten die stegreif abgeschniden, dass keiner auff sein pferdt hat schnell kumen könen". Die Verwirrung, die durch den dreisten Überfall entstand, war so groß, dass zwei Regimenter Schweden, die bei Gasseldorf lagen, Hals über Kopf die Flucht ergriffen. Der Gewinn war überaus groß, berichtet die Chronik weiter: ein Rittmeister, zwei Leutnants, die man gegen Lösegeld wieder verkaufte, außerdem 1800 Pferde, "die ganze Bagage, darunter viele vornehme Weiber", wie man die mitreisenden Familienangehörigen der Krieger bezeichnete.


Sie kommen zurück

Der "schwarze Hans" hielt sich nicht lange auf und verschwand Richtung Auerbach, wo er am 8. März bereits wieder gesichtet wurde. Die Rache der Schweden ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem sie erfuhren, dass der "schwarze Hans" wieder in der Oberpfalz ist, kamen sie zurück und brannten Ebermannstadt nieder. Die Chronik berichtet darüber: "Als aber die schwedten solches gewar wordten, haben sie sich auf ewermannstatt wiederumb gewendt und das selbige von grundt hin weg gebrandt." An die 80 Häuser und Städel sollen dem Brand zum Opfer gefallen sein. 1634 waren die Schweden erneut in der Gegend, um Forchheim (wieder erfolglos) zu nehmen. Aus Frust darüber hat Oberst Graz der Anführer "alle bauern, so er noch zu pretzfeld antroffen, nider machen lassen". Von Ebermannstadt ist da keine Rede mehr.
Es wird wohl nicht mehr viel zu holen gewesen sein, mutmaßte der Chronist Anton Giersig.
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