Alles kommt auf den Tisch

Wann haben Sie Ihren Freunden eigentlich das letzte Mal so richtig die Meinung gesagt?
Artikel einbetten Artikel drucken
Clotilde und Pierre hecken aus, welche Freunde als erstes dran glauben sollen. Foto: Katharina Müller-Sanke
Clotilde und Pierre hecken aus, welche Freunde als erstes dran glauben sollen. Foto: Katharina Müller-Sanke
Katharina Müller-Sanke

Denken Sie mal nach: Wann haben Sie Ihren Freunden eigentlich das letzte Mal so richtig die Meinung gesagt? Hält das eine Freundschaft überhaupt aus? Was sind echte Freundschaften und was macht sie aus? All diese Fragen werden im neuen Stück des Schlosstheaters Thurnau in einer Ehrlichkeit behandelt, die beeindruckt.
Hinter dem vordergründig lustigen Thema "Abschiedsdinner" verbirgt sich - wie so oft im Schlosstheater Thurnau - eine wunderbare Tiefe. Das Stück ist lustig, mit Wortwitz und Charme, voller absurder Normalität. Es enthält die reine Wahrheit, und gerade das ist es, was berührt.
"Das Abschiedsdinner" handelt von einem letzten Festmahl, das ein Paar - Pierre und Clotilde - für seinen Freund Antoine bereitet.
Die Idee dahinter: Mit einem Abschiedsdinner wollen die beiden lästig gewordenen Freunden einen würdigen Abgang bereiten. Wie ein letztes Abendmahl - ein Leichenschmaus schon vor dem Tod. Ein Abend, der perfekt ist, und der aber der letzte sein soll. Um die Freundschaft in guter Erinnerung zu behalten.
Clotilde und Pierre bereiten also ein solches Abschiedsdinner für Antoine und Bea, mit denen Pierre zwar schon 30 Jahre lang befreundet ist, deren Freundschaft in den letzten Jahren aber nur noch aus Gewohnheiten bestand. Ein Essen hier, eine Einladung da. Das alles ist Pierre zu langweilig geworden, vor allem wenn er an die tollen Erlebnisse mit Antoine in früheren Zeiten denkt und wie viel Spaß sie hatten.
Nun ist die Freundschaft zur Zeitverschwendung geworden. Antoines nervige Eigenschaften, sein Kichern und seine besserwisserische Art, gehen dem alten Freund gehörig auf den Keks. Doch nicht nur Pierre ist es, der vom Freund genervt ist. Auch Antoine hat einiges auszusetzen.
Nachdem beide ihre Freundschaft im Laufe des Stücks beendet haben, wollen sie ihr doch noch eine letzte Chance geben und reden. Und weil sie nichts mehr zu verlieren haben, kommt alles auf den Tisch. Alle nervigen Eigenheiten und alles, was die beiden sonst noch aneinander stört. Nur durch dieses reinigende Gewitter finden beide wieder zueinander.
Und so entpuppt sich das Abschiedsdinner als beste Entscheidung überhaupt.
Ein unfassbar berührendes Stück, das nebenbei auch noch mit einer Unmenge an Wortwitz aufwartet. Kein Wunder: Die Schauspieler sind wie immer im Schlosstheater echte Könner ihres Fachs.
Barbara Trottmann aus Regensburg hat ihr Debut am Schlosstheater Thurnau gegeben und wird hoffentlich nicht zum letzten Mal hier gewesen sein. Frank Strobelt aus Nürnberg war bereits im letzten Jahr einmal auf der Schlosstheaterbühne. Und Wolfgang Krebs gehört ja ohnehin zum Inventar. Er ist Intendant, Schauspieler, Regisseur und Leiter des Theaters in einem.
Alle drei geben eine wunderbar harmonische, wenig überzeichnete und sehr authentische Vorstellung und lassen den Zuschauer wahrlich mitfühlen. Die Premiere war ausverkauft.
Für viele der weiteren Vorstellungen sind noch Karten zu haben.
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren