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Zwischen Bühne, Promis und Verhaftungen

Der Lindenhof Salem hat derzeit einen hochkarätigen Gast: Barbara Rütting macht in Stadtsteinach eine Augenkur. Sie vergnügt sich bei Lama-Wanderungen, hat sichtlich Spaß daran, die Tiere zu führen. Und natürlich findet die politische Aktivistin die bevorstehende Schließung der touristischen Einrichtung "furchtbar".
 
von SONNY ADAM
Barbara Rütting ist nicht nur Menschen, die sich mit gesunder Ernährung auseinandersetzen, ein Begriff: Bis heute gilt sie als Revoluzzerin und unermüdliche Kämpferin für gesunde, vegetarische Ernährung. Selbst im Supermarkt gibt es das Barbara-Rütting-Vollkornbrot heute. Aktuell weilt Barbara Rütting zu einem Kuraufenthalt in Stadtsteinach. Sie hat ihren Hund Lola dabei, sammelt bei Lama-Wanderungen neue Erfahrungen - und natürlich kämpft sie auch gegen die Umgehung, die direkt bei Salem vorbeiführen soll.

Sie haben bei der Pressekonferenz bei Salem, bei dem offiziell die Schließung der touristischen Einrichtungen verkündet worden sind, keinen Hehl daraus gemacht, dass ihnen das widerstrebt. Warum - Sie sind doch bald wieder weg?
Barbara Rütting: Ich habe zufällig erfahren, dass die Umgehungsstraße direkt an Salem vorbei führen soll - mitten durch die Natur. Aber der Bau der Straße ist wieder einmal nur die Bekämpfung von Symptomen. Man müsste sich dafür einsetzen, dass mehr Lastwagen auf die Schiene kommen, man müsste dafür sorgen, dass Bahnhöfe nicht stillgelegt, sondern ausgebaut werden. Und warum soll es nicht möglich sein, Tempo 30 in Stadtsteinach einzuführen und die Lkw, die keine Maut zahlen und die durch den Ort fahren, auf diese Art und Weise auszuperren? Alles ist möglich, da muss ich der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner absolut widersprechen. Es hängt doch immer nur am Geld. Man muss dafür kämpfen und darf nicht immer nur Straßen bauen.

Was würde Ihnen für Salem vorschweben?
Hier ist es so schön. Die Natur ist nicht zu ersetzen. Meine Vision wäre es, dass man dort eine Augenklinik aufbaut. Die Voraussetzungen wären ideal. Ich bin ja auch wegen der Behandlung einer Makula-Degeneration hier.

Für etwas einzutreten und für etwas zu kämpfen, ist bis heute Ihr Lebensmotto, oder?
Eigentlich möchte ich nicht kämpfen, sondern eher überzeugen. Das habe ich schon immer versucht. Bei ganz verschiedenen Themen.

Wird man mit 90 nicht langsam müde?
Nein, vielleicht liegt das daran, dass ich Skorpion bin und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben. Ich engagiere mich ja auch politisch.
Bei welcher Partei - Sie sind doch bei den Grünen ausgetreten?
Ja, ich bin bei der V-Partei 3 gelandet. Das V steht für "Vereint Visionen Verwirklichen, für Veränderung, Verantwortung, Vernunft. Ich bin auf Platz 2 der Bundesliste. Die haben mich gefragt, ich wollte erst nicht. Aber dann habe ich gesagt, wenn ihr wirklich so eine Alte wollt, dann mache ich's. Wenn ich Pech habe, werde ich noch Bundeskanzlerin. Wir sind in fast allen Bundesländern vertreten, haben schnell die nötigen Unterstützerunterschriften zusammen.

Sie sind selbst Vegetarierin?
Ja. Inzwischen lebe ich sogar vegan. Ich bin jahrzehntelang Vegetarierin gewesen, habe aber noch Eier gegessen und Milch getrunken. Dann habe ich mein eigenes Brot auf den Markt gebracht. Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn man sein eigenes Brot überall kaufen kann. Wenn ich im Supermarkt Menschen treffe und die mir dann erzählen, dass sie 70 Jahre lang verstopft waren und jetzt - seitdem sie mein Brot essen - wieder eine gesunde Verdauung haben, dann ist das für mich schöner als jeder Theaterapplaus. Das macht mich glücklich.
Ich selbst bin inzwischen Veganerin. Ich musste einfach noch einen Schritt weitergehen. Bei der V-Partei 3 geht es aber nicht darum, dass jetzt alle Vegetarier werden sollen. Es geht darum, die Menschen aufzuklären, dass es wichtig ist, weniger Fleisch zu essen. In der Partei sind keine strickenden Männer wie anfangs bei den Grünen, sondern in der Partei sind viele aus der SPD, die schon früher etwas bewegt haben. Das gefällt mir.

Wie kamen Sie auf die Idee, Vegetarierin zu werden?
Daran erinnere ich mich noch ganz genau. Ich hatte 1970 mit meinem Freund in Österreich ein Bauernhaus. Wir sahen die Rehe vor dem Haus, sahen die Lämmchen vom Nachbarn Gustl. Und so kam es, dass wir uns nicht mehr vorstellen konnten, Gustls Lämmlein mit Bohnen zu essen. Dann bekamen wir auch noch einen Fasan geschenkt. Der wurde gerupft, gebraten, aber keiner von uns konnte ihn mehr essen. Den hat dann der Hund bekommen.

Sie haben bei den Grünen Ihr Mandat frühzeitig niedergelegt. Also hat Politik Ihnen doch offensichtlich nicht immer nur Freude gemacht?
Ich komme aus der Friedensbewegung, war bei so vielen Demonstrationen dabei, habe mich angekettet, wurde so oft festgenommen. Ich war gegen Atomkraft und habe für Frieden demonstriert. Vor drei Jahren - mit 87 - bin ich bei einer Demonstration von einem Lkw umgestoßen worden, bin rückwärts die Böschung hinuntergefallen. Seitdem habe ich Gleichgewichtsstörungen.

Aber das sind nicht die einzigen Blessuren, die Ihnen der stetige Kampf eingebracht hat?
Nein. Als ich im Landtag war, habe ich einen Antrag gegen das Schnabelkürzen von Hühnern eingebracht. Das ist so, als ob man Babys die Lippen abschneiden würde - das tut den Tieren genau so weh. Und man macht das alles nur, um die Massentierhaltung weiter zu betreiben. Damals habe ich - während ich den Antrag gestellt habe - Vorhofflimmern bekommen. Ein Tierarzt hat nur mit den Schultern gezuckt, als ich von diesen Schnabelkürzungen erzählt habe. Das Vorhofflimmern bleibt mir. Ich habe auch gegen das Schreddern von Küken gekämpft. Man kann die Eier mit Lampen durchleuchten, kann so feststellen, ob ein Hahn oder eine Henne schlüpfen wird. Das wird nur aus Kostengründen nicht gemacht. Manchmal verzweifle ich wegen solcher Dinge.

Sie sind aber nicht nur als Politikerin bekannt, sondern auch als Kämpferin und vor allem als Schauspielerin und Autorin?
Ja, ich habe zwanzig Bücher geschrieben. Ich stand auf der Theaterbühne, habe in vielen Filmen mitgespielt - auch mit namhaften Schauspielern. Mit 75 Jahren habe ich noch angefangen, mich in die Computerwelt einzuarbeiten. Für mich gab es nie einen Karriereknick. Bei mir hat sich immer eine Karriere an die nächste gereiht.

Sie haben sich Ihre schönen Haare zur Beendigung Ihrer Schauspielzeit abgeschnitten?
Ja, weil für Haarfärbemittel Tierversuche gemacht worden sind, aus Protest dagegen habe ich meine Haare ganz kurz abgeschnitten.

Und jetzt - was machen Sie, wenn die Kur in Stadtsteinach beendet ist?
Ich überarbeite gerade mein Kinderkochbuch. Die vegetarischen Rezepte werden vegan. Das macht viel Arbeit, denn am 10. Oktober soll das Kochbuch erscheinen. Es ist gleichzeitig ein Kochbuch für Eltern.

Das Gespräch führte Sonny Adam


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