Herzogenaurach
Wahrzeichen 

Puma-Brücke als "Tor zur Stadt"

Das war der Brückenbau bei Puma: Er brachte am Freitag Wind, am Samstag wurde eine Hochzeit gefeiert und alle freuten sich am Sonntag über einen perfekten Ablauf.
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Blick in den Gang  Fotos: Rauhtäschlein
Blick in den Gang Fotos: Rauhtäschlein
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Bernhard Panzer

Am Sonntagvormittag strahlte der Mann, der beim Auftraggeber Puma das Projekt Brückenbau koordiniert hatte, mit der Sonne um die Wette. Die Puma-Bridge, wie sie genannt wird, war tags zuvor vollendet worden, der vierte und letzte Teil war angedockt. Die Sportartikelfirma mit dem Emblem der Raubkatze bezeichnet die Verbindung zwischen den beiden Verwaltungsgebäuden gerne als "Tor zur Stadt".
Am Sonntag wurde es für Jörg Rauhtäschlein und alle Beteiligten auf der Baustelle dann eher gemütlich, das Feintuning ging zügig voran. Man lag nicht nur im Zeitplan, sondern war sogar etwas schneller. Da rechneten die Verantwortlichen damit, dass die Sperrung der Nordumgehung nicht erst um 21 Uhr, sondern schon am frühen Abend aufgehoben werden konnte.
An diesem letzten von drei Tagen liefen die restlichen Arbeiten zur Fertigstellung auf Hochtouren. Viele kleine Aufgaben waren noch abzuarbeiten, berichtet der Koordinator. Die sechs fehlenden Glasscheiben an den Stößen der Brückensegmente mussten noch eingesetzt, Dach und Fassade abgedichtet werden, bevor die Fassade endgültig geschlossen wurde. Der Fokus lag dabei laut Rauhtäschlein auf dem Stoß direkt über der Staatsstraße, da hier nicht mehr gearbeitet werden darf, sobald der Verkehr rollt.
Die Bauarbeiten an der Puma-Brücke werden indes noch mehrere Wochen andauern. Es wird der Fassadenanschluss an die beiden Gebäude fertiggestellt. Der Innenausbau soll dann nach dem Pfingstwochenende beginnen. Auch die sogenannte Eiszapfen-Heizung wird noch installiert. Die verhindert, dass im Winter an der Fassadenwand herablaufendes Wasser zu Zapfen gefriert, die dann auf die Straße fallen könnten.
Rauhtäschlein war am Sonntag zum Schluss fast ein bisschen nervös, weil der Brückenbau "komplett ohne Auffälligkeiten" verlief, wie er im FT-Gespräch sagte. Es musste nicht mal ein Schneidbrenner zum Einsatz kommen, was die Stahlbauer doch so gerne tun, schmunzelte er. Meist kommt dann zum Schluss noch irgendwas Unvorgesehenes, doch in diesem Fall sei alles perfekt gelaufen.
Dabei schien das zum Auftakt am Freitag noch nicht garantiert, denn da gab es Windwarnungen. Starke Böen waren angekündigt. Und die kamen dann auch am Freitagabend, wenn auch verspätet. Zu diesem Zeitpunkt konnten sie der Montage des dritten Teils der Puma-Fußgängerbrücke schon nichts mehr anhaben. Denn die Brücke war schon teilweise verschraubt, so dass der Großteil der Windlast abgefangen wurde und nicht auf die Kräne wirken konnte, sagte Rauhtäschlein.
Außerdem sei die Windstärke ohnehin noch im Toleranzbereich gewesen. Wären die Böen aber früher gekommen, hätte man auf Plan B zurückgegriffen. Dann wäre das dritte Brückenteil eben erst in der Nacht eingehängt worden. Der Puma-Koordinator war beeindruckt von der Souveränität der Fachleute der Stahlbaufirma Lamparter, die den Brückenschlag durchführte. "Je mehr der Wind geblasen hat, umso ruhiger wurden sie", sagte Rauhtäschlein.


Alles unsicher

Am Samstag wurde dann das vierte und letzte Teil der Brücke eingehoben und "Hochzeit" gefeiert. Als solches wird bei den Beteiligten das Zusammenfügen der Brückenteile bezeichnet. "Verheiratet" sind die einzelnen Segmente, wenn sie zueinanderpassen und zum Abschluss noch auf den letzten Zentimetern zusammengesetzt werden.
Seit exakt 16.12 Uhr am Samstag trug sich die Brücke dann selbst. Das bedeutet, dass das Hilfsgerüst entfernt werden konnte. Seither wird das komplette Gewicht der Brücke vom Pylon respektive den zwölf Stahlseilen gehalten, die ihn mit der Konstruktion verbinden. Das größte Seil ist 37,30 Meter lang und es wirkt ein Druck von 165 Bar. Das ist der 80-fache Druck eines Autoreifens.
Projektkoordinator Jörg Rauhtäschlein war einer der Ersten, der die 85 Meter lange Verbindung in voller Länge durchschreiten durfte. Ein buchstäblich erhebendes Gefühl für den 42-Jährigen. Schließlich liegt dieser Fußgängersteg aus Stahl und viel Glas doch in achteinhalb Metern Höhe und führt quer über die Nordumgehung.
Muss man da schwindelfrei sein? "Nein, eigentlich nicht", meint Rauhtäschlein. Die Streben und die Breite der Brücke würden es "sehr angenehm" machen. Allerdings bewege sich die Brücke bei Wind oder wenn viele Menschen sie benutzen. Aber das sei bei Seilbrücken einfach so. Man müsse schon darauf achten, damit man es merkt.
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