Haßfurt
Energiewende 

Na gut, dann halt keine Windkraft

Der Umweltausschuss des Kreistages hat ein Verfahren zur Herausnahme von Flächen aus dem Naturpark Haßberge eingestellt. Dort sollten Windräder entstehen. Zähneknirschend zwar, aber einstimmig fiel der Beschluss.
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Die Proteste gegen mögliche Windkraftanlagen am Tonberg waren weithin sichtbar, hier bei Eichelberg. Foto: Ralf Kestel
Die Proteste gegen mögliche Windkraftanlagen am Tonberg waren weithin sichtbar, hier bei Eichelberg. Foto: Ralf Kestel
Andreas Lösch

Die Zukunft voraussagen ist manchmal ziemlich einfach. Zum Beispiel, dass der Umweltausschuss des Kreistages Haßberge bei seiner gestrigen Sitzung ein Verfahren stoppen würde, das den Bau von Windrädern im Naturpark Haßberge betrifft - das war auch schon die Tage zuvor klar.
In den Sitzungssaal kommen, abstimmen, wieder heimgehen, in fünf Minuten erledigt. Aber: "Weil das Ganze ja sehr stark in der öffentlichen Diskussion stand", wie Landrat Wilhelm Schneider (CSU) zu Beginn sagte, wolle man noch einmal darüber sprechen. Außerdem war da noch etwas in Hinblick auf die höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Unterfranken klarzustellen, dazu später mehr.
In der Sache ging es um mehrere geplante Windrad-Projekte im Naturpark Haßberge auf Gebieten der Gemeinden Untermerzbach und Pfarrweisach sowie im Bereich der Stadt Ebern auf dem Tonberg. Beim Stichwort "Tonberg" schrillen in Kirchlauter sofort die Alarmglocken, denn in Eberns Nachbargemeinde formierte sich massiver Bürger-Protest, als die "Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte" (GUT) als kommunaler Projektentwickler im März dieses Jahres erklärte, möglicherweise vier Windräder bauen zu lassen: Auf dem Gebiet der Stadt Ebern zwar, aber direkt vor die Nase der Kirchlauterer.
Die kommenden Wochen ging es rund, organisierte Windkraftgegner machten mächtig Stimmung, und es kam zu vielen Debatten, die nicht immer sachlich geführt worden waren, wie etwa der Sander Kreisrat Paul Hümmer (SPD) gestern bemängelte: "Kein vernünftiger Mensch wird den Klimawandel bestreiten. Wir brauchen Alternativen zu fossilen Brennstoffen. Deswegen brauchen wir die Windkraft", erklärte er. Nun habe sich der Landkreis die lokale Energiewende zur Aufgabe gemacht, dafür eigens mit all seinen Kommunen die GUT gegründet und damit begonnen, entsprechende Projekte zu planen. Wenn dann von Gegnern Sätze skandiert werden wie "Das hat nichts mehr mit Demokratie zu tun" oder "Windkraft macht krank", habe man die sachliche Ebene verlassen. "Das halte ich für bedenklich." Auch die GUT als ,profitgieriges Unternehmen' zu bezeichnen oder ,kapitalistische Heuschrecke' zu nennen, "das ist nicht in Ordnung".


Tiefe Gräben

Auch Landrat Schneider fand es irritierend, dass bei dem geplanten Vorhaben so schnell so tiefe Gräben zwischen den Lagern aufgerissen worden waren. "Weil wir ein Verfahren eingeleitet haben, sind wir in der Öffentlichkeit stark kritisiert worden", sagte er. Dabei sie das Verfahren ja dazu da, um die verschiedenen Interessen abzuwägen und dann eine entsprechende Entscheidung zu treffen.
Und die Entscheidung gibt es jetzt: Die GUT verfolgt wegen bauplanungsrechtlicher und artenschutzrechtlicher Belange die geplanten Maßnahmen nicht mehr weiter. Wirtschaftlich sei das Risiko zu hoch, die Bearbeitung fortzusetzen. Die Herausnahme der vorgesehenen Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet (LSG) des Naturparks Haßberge erscheint nach einer Absage der höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Unterfranken nur schwer realisierbar.
Unter anderem Schwarzstorch, Wespenbussard und Wildkatze gibt es in dem Gebiet (siehe dazu auch Seite 12). Wie die Regierung die Absage jedoch formulierte, damit zeigte sich der Umweltausschuss nicht einverstanden. "Es fehlt eine stichhaltige Begründung für die Notwendigkeit der Herausnahme aus dem LSG", schreibt die höhere Naturschützbehörde. Und dann der Knackpunkt: "Allein vorliegende Windkraftplanungen können hierfür nicht ausreichen, da der Regionalplan Flächen für Windkraft im Landkreis außerhalb der LSG ausweist, die bislang noch nicht genutzt werden. Es gibt also Alternative Standorte (...) für die keine Schutzgebiete in Anspruch genommen werden müssen."


Sehr wohl Alternativen geprüft

Das klingt gerade so, als hätte der Landkreis Haßberge seine Hausaufgaben nicht gemacht, und diese Schelte wollte Landrat Schneider nicht auf seiner Behörde sitzen lassen: "Das können wir natürlich so nicht stehen lassen. Wir haben sämtliche Standorte außerhalb des Landschaftsschutzgebiets geprüft", sagte er. Ergebnis: Dort ist eine Wirtschaftlichkeit der Windräder nicht zu erwarten. Diese Sache werde man gegenüber der Regierung von Unterfranken noch klarstellen.
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