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"In der Perspektive christlicher Ethik steht der Friede, nicht Krieg und Gewalt"

Vierzehnheiligen — Die Vollversammlung des Katholikenrates und der Bundeskonferenz der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) tagte am Dienstag im Diözesanhaus in Vierzehnheilige...
Franz-Josef Overbeck Foto: Andy Welz
 
Vierzehnheiligen — Die Vollversammlung des Katholikenrates und der Bundeskonferenz der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) tagte am Dienstag im Diözesanhaus in Vierzehnheiligen. Militärbischof Franz-Josef Overbeck stand für ein Interview zur Verfügung. Das aktuelle Thema war die Neufassung des Weißbuchs zur deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Weißbücher dienen der Orientierung und Selbstverortung staatlicher Sicherheits- und Außenpolitik und bedürfen einer regelmäßigen Fortschreibung und Neuausrichtung angesichts sich ständig wandelnder Risiken und Bedrohungen.

Etwa 3000 deutsche Soldaten und Soldatinnen sind derzeit rund um den Globus im Einsatz und oft extremen Anforderungen ausgesetzt. Sie werden mit Situationen konfrontiert, bei denen sie körperlich und seelisch an ihre Grenzen gehen müssen. Werden sie von der katholischen Militärseelsorge betreut? Franz-Josef Overbeck: Für uns als katholische Seelsorger zählt es mit zu den vornehmsten Aufgaben, Soldatinnen und Soldaten in den von Ihnen beschriebenen Situationen beizustehen und sie zu betreuen. Dies geschieht in vielfältiger Weise. Während des Dienstes sind vertrauensvolle seelsorgliche Gespräche zwischen Seelsorgern und Soldaten gängige Praxis.

Am 3. September waren Sie Teilnehmer beim Weißbuch-Workshop in Berlin. Das Thema lautete "Bundeswehr in der Gesellschaft". Welche Herausforderungen ergeben sich aus Ihrer Sicht für die Bundeswehr aus dem gesellschaftlichen, dem demografischen und dem technologischen Wandel?
In den vergangenen Jahren haben wir deutschen Bischöfe wiederholt zu friedensethischen, gesellschaftspolitischen sowie streitkräfteinternen Fragen Stellung genommen: Im Jahr 2000 mit "Gerechter Friede", 2005 mit "Soldaten als Diener des Friedens" und 2011 mit "Terrorismus als ethische Herausforderung". Aus der Vielzahl der Herausforderungen, die auf die deutsche Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik und mithin auf das staatliche Instrumentarium "Streitkräfte" zukommen, habe ich mich bei dem von Ihnen genannten Weißbuch-Workshop auf friedensethische Herausforderungen konzentriert.
Die religiös motivierte Gewalt von Terroristen steht im klaren Widerspruch zur Friedensethik des christlichen Glaubens. Gibt es demnach für Christen überhaupt einen "gerechten Krieg"?
In der Perspektive christlicher Ethik steht der Friede, nicht Krieg und Gewalt. Dieser Satz provoziert Widerspruch nicht erst in Zeiten religiös motivierter, terroristischer Gewalt, die im säkularen Westen den Dauerverdacht nährt, alle Gewalt sei religiös begründet. Der Erfahrungen zweier Weltkriege, die Entwicklung neuer Waffensysteme wie zum Beispiel der Atomwaffen, deren Wirkung die Unterscheidung von Kombattanten und Nichtkombattanten überflüssig erscheinen lassen, sowie nicht zuletzt der offenkundige Missbrauch der Lehre vom gerechten Krieg für nichtmoralische Zwecke haben zumindest in Europa die Lehre vom sogenannten "gerechten Krieg" in Misskredit gebracht. Im Mittelpunkt unserer friedensethischen Perspektive steht der "gerechte Friede". In der friedensethischen Tradition der Kirche wird seit dem 19. Jahrhundert der Mangel an effizienten Mitteln zur Durchsetzung des Völkerrechts beklagt. Hinzu kommt, dass sich nicht erst seit dem Völkermord in Ruanda und in Srebrenica neue Fragen nach einer internationalen Schutzverantwortung zur Verhinderung schwerster Menschenrechtsverletzungen stellen. Auch hier muss hinzugefügt werden, dass aus dem Gebot "Du sollst nicht töten" auch das Gebot entsteht: "Du sollst nicht töten lassen". Die Fragen sind also vielschichtiger, als sich dabei auf die Frage nach einem "gerechten Krieg" engführen zu lassen.
Am 11. Januar 2000 entschied der Europäische Gerichtshof, dass Frauen Dienst mit der Waffe leisten dürfen. Heute, 15 Jahre nach dem Luxemburger Urteil, sind Frauen ganz normal Teil der Truppe. Aus wenigen Hundert sind inzwischen knapp 19 000 geworden. Wie stehen Sie zu dem Thema "Frauen und Dienst mit der Waffe"?
Ob Frauen in deutschen Streitkräften Dienst mit der Waffe leisten dürfen, war lange Zeit umstritten. Zum einen gilt in Erinnerung zu rufen, dass von der Allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland, im Gegensatz beispielsweise zu Israel, Frauen ausgenommen waren. Mithin stellt sich die Frage nach einem Dienst von Frauen in deutschen Streitkräften ausschließlich aus der Sicht eines freiwilligen Dienstes von Frauen. Jetzt, nachdem die Allgemeine Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt ist, entfällt generell die staatliche Pflicht, Wehrdienst zu leisten. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21. Juni 2005 zur Gewissensfreiheit des Soldaten bekräftigte dies ausdrücklich. Mithin vertrete ich die Auffassung, dass der Dienst von Frauen mit der Waffe unter Beachtung der Gewissensfreiheit grundsätzlich möglich sein muss und als solcher nicht zu beanstanden ist. Frauen in Deutschland sind nicht verpflichtet, Dienst in den Streitkräften zu leisten. Leisten sie ihn freiwillig, steht er - mit Blick auf den Waffendienst - unter Gewissensvorbehalt.
Im Landkreis Lichtenfels haben wir viele aktive Reservisten-Kameradschaften. Einige Kameraden und Kameradinnen melden sich freiwillig zu Auslandseinsätzen. Wie werden sie von der Katholischen Militärseelsorge auf den Einsatz vorbereitet und am Einsatzort betreut?
Von einer Vorbereitung durch die katholische Militärseelsorge mit Blick auf einen Auslandseinsatz kann eigentlich nicht die Rede sein. Dies leisten die Streitkräfte selbst. Sie bilden dafür eigens in einer Vielzahl von Lehrgängen und Übungen aus. Die seelsorgliche Betreuung am Einsatzort erfolgt durch Militärseelsorger, die mit den Soldatinnen und Soldaten zusammen "in der Lage leben". Sie teilen mit den Einsatzsoldaten, in der Regel über die gesamte Dauer des Kontingenteinsatzes, "sowohl Freud als auch Leid" und gewinnen auf diese Art und Weise das Vertrauen der Soldatinnen und Soldaten, welches Voraussetzung und Basis für eine erfolgreiche Pastoral am Einsatzort ist.

Das Interview führte unser Mitarbeiter Andreas Welz


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