Bischofsheim
70 Jahre FT 

Im Nebel kommt der Tod

Im März 1991 stürzte nahe dem kleinen Zeiler Stadtteil Bischofsheim ein Flugzeug ab. Sechs Menschen starben, ein Passagier überlebte mit schweren Verletzungen. Der Pilot fand wegen der schlechten Sicht den Landeplatz in Haßfurt nicht.
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Völlig zertrümmert wurde die zweimotorige Cessna bei dem Absturz im Bischofsheimer Wald. In dem Wrack starben sechs Menschen.  Foto: dpa/Archiv
Völlig zertrümmert wurde die zweimotorige Cessna bei dem Absturz im Bischofsheimer Wald. In dem Wrack starben sechs Menschen. Foto: dpa/Archiv
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Klaus Schmitt

Peter Hegemann war noch nicht lange als Kreisbrandinspektor bei der Feuerwehr ehrenamtlich tätig, da wurde er zu einem Einsatz gerufen, den er bis heute nicht vergessen hat. Hegemann kam an die Absturzstelle eines Flugzeugs. Bei dem Unglück in der Nähe von Zeil hatten sechs Menschen ihr Leben verloren, ein siebter Insasse der zweimotorigen Maschine überlebte schwer verletzt. "Der erste Anblick war nicht so einfach. Das war schon heftig", erinnert sich Peter Hegemann an den Einsatz vor 25 Jahren.
Der Kreisbrandinspektor, der heute noch in dem Amt tätig und für den Raum Hofheim/Maroldsweisach im Kreis Haßberge zuständig ist, weiß noch genau, dass die Feuerwehr damals vor allem mit dem schwierigen Gelände zu kämpfen hatte. Geräte mussten teilweise per Hand an die Unfallstelle getragen werden, die in einem Wald nahe dem kleinen Zeiler Stadtteil Bischofsheim auf den Höhen der Haßberge lag. Ein größerer Brand brach bei dem Absturz nicht aus. Laut Untersuchungsbericht des Luftfahrtbundesamtes (Braunschweig) entstand zwar an einem der beiden Triebwerke ein Feuer. Das erlosch aber wieder von selbst.
Es ist der 11. März 1991, ein Montag. Im niedersächsischen Nordhorn-Klausheide startet die Cessna 402 B. Das Ziel der sieben Insassen ist der Flugplatz in Haßfurt, der normalerweise an Montagen geschlossen ist, aber an diesem Montag wegen der zwei Tage zuvor angekündigten Landung der zweimotorigen Maschine geöffnet und mit Personal besetzt wird.
Das Flugzeug steuert ein 29-jähriger Pilot, der bereits als Kopilot in einem Jumbo-Jet (Boeing 747) Erfahrungen gesammelt hat. Mit an der Bord sind vier Sparkassen-Mitarbeiter sowie zwei Architekten, die an einer Konferenz in Kitzingen teilnehmen wollen. In Haßfurt soll das Flugzeug landen; von dort soll es im Auto für die sechs Passagiere nach Kitzingen gehen.
Etwa eineinhalb Stunden nach dem Start taucht die Cessna über dem Haßfurter Flugplatz in den Mainauen auf. Das Problem: Über dem Maintal liegt dichter Nebel, der eine Landung des Flugzeugs verhindert. Haßfurt kann damals nur nach Sicht angeflogen werden (nicht im Instrumentenflugbetrieb, wie es heute möglich ist). Der Pilot entschließt sich weiterzufliegen. Er fliegt in einem Bogen an Bamberg vorbei und kehrt in etwa auf der Linie der Landkreisgrenze Bamberg/Forchheim in Richtung Haßfurt zurück. Mit der Hilfe des Funkfeuers Erlangen, einer elektronischen Navigationshilfe, will der 29-Jährige die Haßfurter Landebahn anfliegen. Das klappt aber nicht, vermutlich weil die Reichweite des Erlangener Funkfeuers zu gering ist.
Im Laufe des Vormittags wird das Flugzeug, das mit acht bis zehn Sitzen und zwei 300 PS starken Propeller-Triebwerken ausgestattet ist, vermisst. Die Suchmaßnahmen laufen an. Gegen Mittag meldet sich ein Bauer aus dem Königsberger Stadtteil Kottenbrunn, der eine Explosion im Wald bei Bischofsheim gehört hat. Eine Polizeistreife fährt zu der Stelle und findet einen blutüberströmten Mann. Es ist der einzige Überlebende aus der Maschine. Er hat sich etwa einen Kilometer von der Absturzstelle weggeschleppt. Mit schweren Verletzungen wird er mit einem Hubschrauber in eine Klinik gebracht.
Die Suchmannschaften finden das Flugzeugwrack. Es liegt knapp sieben Kilometer östlich des Haßfurter Landeplatzes und rund 700 Meter von Bischofsheim entfernt in einem Waldstück, nicht einmal 100 Meter vom Waldrand weg. In der völlig zerstörten Cessna entdecken die Einsatzkräfte sechs Tote, den Piloten und fünf Passagiere.
Das Flugzeug hatte laut Untersuchungsbericht im Tiefflug die Baumspitzen des Waldes erfasst. Es kappte die Wipfel einiger Bäume, prallte auf den Boden und blieb nach 145 Metern an einem Baumstamm stehen. "Bereits bei den ersten Baumberührungen wurde der vordere Bereich des Rumpfes auseinandergerissen", heißt es im Untersuchungsbericht.
Der Überlebende muss in den Eingangsbereich des Flugzeugs geschleudert worden sein. Das war laut Untersuchungsbericht offenbar die einzige Stelle des Flugzeugs, die nicht ganz zerstört worden war. Von dort gelangte der Mann, der sich danach nicht an das tragische Geschehen erinnern konnte, ins Freie. Die anderen Insassen hatten keine Chance.
Der Untersuchungsbericht, der unserer Zeitung vorliegt, schließt eine technische Ursache für das Unglück aus. Die Maschine arbeitete störungsfrei bis zum Moment des Absturzes. Die Unfallexperten sehen den Fehler beim Piloten, der offenbar trotz der schlechten Sicht ohne die Unterstützung technischer Hilfsmittel versuchte, den Flugplatz in Haßfurt zu finden. Laienhaft ausgedrückt: Auf der Suche nach der Landebahn ging er tiefer und erfasste dabei mit der Cessna die Bäume des Bischofsheimer Waldes, der in den Haßbergen wesentlich höher liegt als der Flugplatz im Maintal.
Bei dem Absturz im Wald blieben Teile der Maschine und sogar Kleidungsstücke in den Bäumen hängen. Einige Tage nach dem Unglück bat die Polizei den Forstwirt Rudolf Fischer, die Kleidungsstücke von den Bäumen zu holen. Die Polizei wollte verhindern, dass sich Souvenirjäger die Kleidung aneignen. Rudolf Fischer kam der Bitte der Beamten nach. Allerdings kletterte er nicht auf die Bäume, sondern fällte sie. Gefällt wurden auch die Stämme, deren Spitzen vom Flugzeug abgerissen worden waren.
Rudolf Fischer war in zweifachem Auftrag an die Unglücksstelle gerufen worden: als Beauftragter der Forstverwaltung und als Vertreter der Feldgeschworenen (Siebener). Er war noch am Tag des Unglücks vor Ort. "Ich habe die Toten gesehen", schilderte der heute 69-Jährige aus Schönbach (Gemeinde Ebelsbach) unserer Zeitung.


Eine Szene

Das hat auch Peter Pfaff. Der Zeiler war damals 35 Jahre alt und wirkte bei der Zeiler Feuerwehr mit. Er war noch nicht lange als Kreisbrandmeister tätig. Eine Szene hat sich ihm eingeprägt: Pfaff, der heute 60 Jahre alt ist und sich als Kreisbrandinspektor bei der Feuerwehr engagiert, erblickte einen Toten, der nach der Bergung aus der Unglücksmaschine an einem Baum sitzend lehnte und so aussah, als ob er sich ausruhen würde. Peter Pfaff: "Das Bild habe ich heute noch vor Augen."
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