Erlangen
Ein Muss am Berg (8) 

Das Klohäuschen der guten Laune

Von wegen die Toilettenanlagen am Berg haben nichts mit guter Laune zu tun. Die Crew des Toilettenhäuschens am Aufgang auf Höhe der Feuerwehrstation kann da einiges erzählen. Hier muss man müssen!
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Kathi Hoffmann mit ihrer Mannschaft: Auch wenn es ein schwieriges Geschäft ist, zu lachen hat die Truppe immer etwas.  Foto: Michael Busch
Kathi Hoffmann mit ihrer Mannschaft: Auch wenn es ein schwieriges Geschäft ist, zu lachen hat die Truppe immer etwas. Foto: Michael Busch
Michael Busch

Kathi grinst zufrieden: "Müssen müssen die Leute immer. Und dann kommen die von ganz alleine zu uns!" Und sie kommen wieder. Das mag zum einen an der alten Weisheit liegen, dass derjenige, der einmal dem Drängen der Blase nachgegeben hat, immer wieder und vor allem in kürzeren Abständen müssen muss. Es mag aber auch daran liegen, dass zumindest bei dem Klohäuschen beim "Feuerwehraufgang" das Geschäft mit dem Geschäft nicht im Mittelpunkt steht.
Die Klodamen und auch -herren empfangen den Getränkegeplagten schon mal mit einem Lächeln im Gesicht. Allein das unterscheidet dieses spezielle Klohäuschen von den vielen anderen Aborts und Container-Doppelnullen an der Bergkirchweih.


Freundlichkeit zahlt sich aus

Dort sitzen oft in sich gekehrte Kassierer, die am Gast nicht wirklich interessiert sind. Da müssen die 50 Cent fließen, der Rest ist, um im Bild zu bleiben, einfach Wurscht.
Kathi und Nadine, die diese Einrichtung schon mehrere Jahre betreiben, haben da eine andere Philosophie. Gefragt, warum man auf alle Fälle dieses Klo besuchen muss, sagt Chefin Kathi: "Weil wir hier einfach das geilste Klo sind. Hier ist Stimmung und die Gäste spüren, dass wir hier mit Herz und Seele dabei sind."
Das spüren die Gäste nicht nur, sie sehen es auch. Denn wenn die Sitzgelegenheit, egal ob bei Männlein oder Weiblein, benutzt wurde, geht es mit Lappen und Spray an den Plastikring und es wird desinfiziert und sauber gewischt. Alexander Scherger, Gast aus Coburg, erklärt: "Hier bezahle ich die 50 Cent echt gerne, weil ich sehe, dass hier auch was gemacht wird." Vom "nur abkassieren" hält der 44-Jährige nichts.


Mythos: Frauen am Klo

Was den stillen Ort im Übrigen auch besonders macht, ist die Tatsache, dass alle Hintern letztlich gleichbehandelt werden. Die Dame auf den High Heels bewegt ihren Hintern an dieselbe Stelle, wie kurz zuvor der 17-jährige Student, die Punkerin, der Politiker. Der Professor an der Uni setzt sich auf den Platz, den kurz zuvor der Gammler aus der Fußgängerzone belegt hat. Nirgendwo sind die Menschen gleicher als auf dem stillen Örtchen, das einfach jeder, der den Berg besucht, früher oder später betreten wird.
Wobei die beiden Chefinnen Kathi und Nadine Hoffmann auch immer wieder sagen, dass es kein leicht verdientes Geld ist. "Wer glaubt, dass wir hier die Maschine zum Gelddrucken stehen haben, der irrt gewaltig", korrigieren sie die Meinung von vielen Berggängern, wenn die jene mit Münzen gefüllten Körbe sehen. Denn die bis zu sechs Hilfen wollen bezahlt werden. Ob das Geschäft mit dem Geschäft nun läuft oder nicht.
Und noch ein Geheimnis gibt es von den Profis vor Ort: "Männer sind in der Regel reinlicher, die Klos selten so massiv verschmutzt." Außerdem gehen Männer zeitsparend aufs Klo. "Es sei denn, es schläft mal einer ein!" Was die Frauen hinter verschlossenen Türen alles machen, überrasche die Chefin selbst immer mal. "Aber das bleibt unser Geheimnis!"
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