Kasendorf
Geschichte 

Als Kasendorf noch Badeort war

Warum der ehemalige Braumeister Eberhard Maisel seinem Heimatort eine Badeanstalt stiftete.
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Auch die zweite Badeanstalt ist längst geschlossen. Das Bild zeigt links das Schwimmbecken, daneben die Ruhefläche aus Holz und im Hintergrund die Umkleidekabinen.  Foto: Friedmann
Auch die zweite Badeanstalt ist längst geschlossen. Das Bild zeigt links das Schwimmbecken, daneben die Ruhefläche aus Holz und im Hintergrund die Umkleidekabinen. Foto: Friedmann
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Er war sehr wohlhabend, Eberhard Maisel aus Kasendorf. Als ehemaliger Brauereibesitzer und nun Privatier stammte er aus der aus der Maisel-Dynastie, die neben dem Stammhaus in Obernsees noch Braustätten in Bayreuth, Bamberg, Ansbach und Wendelstein bei Nürnberg unterhielt. 1898 übergab er seine Brauerei, die spätere Magnusbräu, an seinen Sohn Otto. Jetzt, auf dem Altenteil und vom Müßiggang geplagt, kam er zu dem Entschluss, etwas Gutes für seinen Heimatort zu tun.
Man darf die Badekultur von heute nicht mit der vor 120 Jahren vergleichen. In jener Zeit und auch noch später war, wenn überhaupt, der späte Samstag Wochenbadetag und zwar für die ganze Familie, wo man sich den Holzzuber oder die Zinkbadewanne meist mit demselben Wasser teilte. Sein Brauerkollege Plank aus Kulmbach, der das Plank'sche Volksbad stiftete, hatte ihn inspiriert.
Eberhard Maisel, seit 1865 in Kasendorf beheimatet, fühlte sich seinem Wohnort verpflichtet. Als ehemaliger Geschäftsmann hatte er alles geplant, dem Gemeinderat Skizzen und Pläne vorgelegt und auch den Standort des Badevergnügens selbst ausgesucht. In einem romantischen Winkel, wo sich der Friesenbach teilt, sollte die Badeanstalt entstehen, im "Weidig" nahe der Hirschenmühle. Dabei legte er Wert darauf, dass das Bauwerk nicht mit dem kalten Wasser des Friesenbaches, sondern mit dem der Pfarrquelle gespeist wurde.


Ein schmucker Bau

Die Badeanstalt repräsentierte sich eindrucksvoll in ihrem weißen Mauerwerk und grünen Läden als ein properer und schmucker Bau.
Jetzt darf man das damalige Badeensemble nicht mit einem Spaßbad der heutigen Zeit vergleichen. Die Innenräumlichkeiten bestanden aus zwei Bassins zum Schwimmen für Erwachsene und Kinder, einem Dampfbad, einer Schaukelbadewanne und einem Wannenbad. Dazu waren die Badeabteilungen mit kalten und warmen Duschen versehen. Es gab auch keine Liegewiese. Die Badezeiten waren streng geregelt, Männlein und Weiblein zusammen - das ging gar nicht.
Nachmittags durften die Knaben beginnen, dann folgten die Mädchen, die Damen und schließlich die Herren, die sich zwei Stunden im feuchten Element vergnügen durften. Arbeiter, die im Zeichen der Sechzig-Stunden-Woche ihr Werkzeug erst spät zur Seite legen konnten, war der Abend vorbehalten.


Moderate Eintrittspreise

Die Eintrittspreise waren moderat. Erwachsene zahlten zehn Pfennige, für ein Duschbad war die gleiche Münze zu entrichten. Schuljugend und Arbeiter mussten gar nur fünf Pfennige berappen. Der Preis für ein Jahresabo betrug drei Mark, für Schuljugend und Arbeiter die Hälfte.
Bereits 1906 wurden die Preise neu geregelt. Für ein Abo für vierzig Wannenbäder mit Bedienung mussten fortan 16 Mark entrichtet werden. Das Kombiangebot, bestehend aus sieben Wannen- und einem Dampfbad, kostete vier Mark.
Ob die Honoratioren der Marktgemeinde ihre weiße Haut jemals in der neuen Badeanstalt benässt haben, ist nicht bekannt. Für sie war das "Stiftungsfest der Badeanstalt in Kasendorf" das Wichtigste. Am Sonntag, 2. August 1903, war der ganze Ort auf den Beinen. Bereits um 11 Uhr setzte sich der Festzug in Bewegung, angeführt von der vollständigen Kapelle des königlichen 6. Chev.-Regiments aus Bayreuth, dem Gesangverein Liederkranz, dem Veteranenverein, der Feuerwehr und der kostümierten Festjugend. Der Zug umkreiste den Marktbrunnen und bewegte sich dann zur Badeanstalt am Weidig.


Ehrengast aus Thurnau

Ehrengast war neben dem Stifter der Anlage auch "Seine Durchlaucht" Franz Friedrich Graf von Giech aus Thurnau. Höhepunkt der Zeremonie war die Überreichung der Ehrenbürgerrechts-Urkunde an Eberhard Maisel durch Bürgermeister Konrad Eschenbacher. Zugleich wurde eine Stiftungs-Gedenktafel am Einweihungsobjekt enthüllt. Recht bald löste sich die Versammlung auf, musste sich der Festzug bald nach dem Frühschoppen schon wieder in Bewegung setzen. Diesmal in die andere Richtung zum traditionellen Kellerfest, das seit eh und je am ersten Sonntag im August gefeiert wird.
Schon nach wenigen Wochen war sie zu Ende, die erste Badesaison in Kasendorf. Am 30. September wurde die Anlage geschlossen. Die "Kulmbacher Nachrichten" bescheinigten der Badeanstalt "einen fleißigen Besuch". Besonders sei die Benützung der verschiedenen Wannenbäder "als höchst befriedigend zu bezeichnen".
Der Stifter Eberhard Maisel war ein weitsichtiger Mann. So erwarb er für die Anstalt einen Pfandbrief über 1000 Mark. Der jährliche Zinsertrag davon sollte zur Erhaltung der Badeanstalt Verwendung finden. Das waren jeweils 40 Mark. Erste Reparaturen wurden bereits 1906 und 1909 vorgenommen. Vermutlich wurde das Bad während des Ersten Weltkrieges geschlossen.
Im Zuge der Volksertüchtigung erhielt die Marktgemeinde zwischen den Weltkriegen ein neues Bad am gleichen Standort. Diesmal mit großem Schwimmbecken und Liegeflächen. Rainer Friedmann erinnert sich, wie er im Sportunterricht als schmächtiger Pimpf fröstelnd vor dem Bassin stand, das nun mit dem eiskalten Wasser des Friesenbaches gespeist wurde. Auch diese Badeeinrichtung in Kasendorf wurde aufgelassen; diesmal in den 1970er Jahren.
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