Sonnefeld
Verdruss 

45 Dezibel in der Nacht erlaubt

Bürger sehen sich um ihre Nachtruhe gebracht, weil die Rotoren ihrer Meinung nach zu viel Lärm machen. Messungen bezüglich des Geräuschpegels rund um den Windpark Kraiberg laufen.
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Der Windpark auf dem Kraiberg ärgert Bewohner der umliegenden Ortschaften. Foto: Rainer Lutz
Der Windpark auf dem Kraiberg ärgert Bewohner der umliegenden Ortschaften. Foto: Rainer Lutz
"Eine derartige Lärmbelästigung hatten wir im Vorfeld nicht erwartet. Wir hatten uns ja schließlich extra informiert und auch andere Windparks besichtigt. Dennoch hatten wir dem Landratsamt gegenüber unsere Bedenken bezüglich des Baus der Windräder am Kraiberg geäußert. Eine Rückmeldung dazu haben wir leider nie bekommen", schildert Henner Fohrbeck. Doch jetzt stehen die Windräder und sind im Betrieb. Die Bewohner der sieben umliegenden Dörfer, von denen einige weniger als 800 Meter von den Windrädern entfernt sind, müssen den Lärm der Rotoren sowie den Schattenwurf und die Lichtreflexe der Anlage vorerst hinnehmen. Vor allem abends und nachts ist der Lärm für die Anwohner ein Störfaktor. "Gemäß der Technischen Anleitung Lärm (TA Lärm) dürfen von 22 Uhr bis sechs Uhr morgens die 45 Dezibel nicht überschritten werden. Dies ist allerdings schon bei 12 Umdrehungen pro Minute der Fall. Dabei sind wir doch alle extra aufs Land gezogen, um Ruhe zu haben", erklärt Henner Fohrbeck. Aufgrund dieser Verordnung wollen nun auch mindestens fünf der betroffenen Anwohner eine Unterlassungsklage einreichen. "Eine Überschreitung der 45 Dezibel bei Nacht ist schließlich schädlich für die Gesundheit", betont Henner Fohrbeck. Er und andere Betroffene haben sich längst zusammengeschlossen, um gegen die Lautstärke vorzugehen: "Die Anwohner wussten zunächst gar nicht, an wen sie sich wenden sollen. Mehrmals wurde sogar die Polizei und das Gesundheitsamt angerufen. Wir haben dann Zettel in den einzelnen Briefkästen verteilt mit dem Kontakt der Emissionsschutzstelle. Da die Beschwerden sich dann gehäuft haben, wurde das Landratsamt aktiv. Ein Umweltvertreter des Landratsamts war sogar vor Ort und hat mehrfach Lärmmessungen durchgeführt und unsere Bedenken bestätigt", sagt er.
Der Bürgermeister der Gemeinde Sonnefeld, Michael Keilich (CSU), sowie der Gemeinderat stehen definitiv hinter den betroffenen Bürgern. "Der Abstand der Windräder zu den Wohngebieten wird derzeit durch das Landratsamt geprüft und wir stehen im ständigen Austausch zueinander. Wenn bestimmte Normen überschritten werden, müssen die Windräder natürlich nachgebessert werden. Maßnahmen hierfür wären beispielsweise eine Teilabschaltung oder das Zurücknehmen der Drehzahlen", so Michael Keilich. Was den Bau des Windparks betrifft, so hatte die Gemeinde Sonnefeld nicht die Möglichkeit, mit zu entscheiden. "Die Genehmigung zum Bau wurde durch das Landratsamt erteilt. Das einzige was wir hätten machen können, wäre die Nutzung unserer Feldwege für das Bauvorhaben zu verbieten - aber selbst die Nutzung der Feldwege hätte erzwungen werden können", erklärt Michael Keilich.
Darüber, wie es soweit kommen konnte, dass die Anwohner sich von den Rotorengeräuschen derartig belästigt fühlen, kann Naturstrom, das Unternehmen welches für den Bau der Windräder zuständig war, nur mutmaßen. "Möglicherweise ergibt sich ein scharfer Kontrast zur vorherigen Situation: Es gab bisher keinen uns bekannten Geräuschpegel in der Gegend durch Gewerbe, Industrieansiedlungen oder Straßenverkehr. Daher kann es sein, dass auch im Vergleich relativ leise Geräusche wie durch einen Windpark verursacht, von den Anwohnern wahrgenommen werden", so Lisa Badum, Pressesprecherin von Naturstrom. Die andere Möglichkeit bestände darin, dass der erzeugte Geräuschpegel tatsächlich zu laut sei. Die Beschwerden aus den umliegenden Dörfern des Windparks Kraiberg nimmt Naturstrom nach ihren Worten sehr ernst. "In Abstimmung mit unserem Unternehmen hat das Landratsamt Coburg eine Schallmessung veranlasst. Diese wird sowohl eine Emissionsmessung (Messung der Schallemission an der Anlage) als auch Immissionsmessungen an repräsentativen Punkten der umliegenden Ortschaften umfassen", sagt Lisa Badum. Das Unternehmen fühle sich allen Bürgern rund um den Windpark verpflichtet und bittet um etwas Geduld. "Im Moment liegt unser Schwerpunkt darin, festzustellen, wo die Ursache des Problems liegt. Sind die ersten Ergebnisse bekannt, werden wir mit dem Landratsamt und dem Gutachter entsprechende Maßnahmen erörtern", erklärt Lisa Badum.
Für heute, Montag, ist jedenfalls ein Bürgergespräch in der Domäne Sonnefeld angesetzt. "Eine Firma aus Nordrhein-Westfahlen hat kürzlich eine umfassende Untersuchung beim Windpark Kraiberg durchgeführt. Diese dauerte mehrere Tage lang an.


Heute Bürgergespräch

Die Ergebnisse dieser aussagekräftigen Untersuchung werden der Gegenstand des Bürgergesprächs am Montag sein", so Dieter Pillmann, Pressesprecher des Landratsamtes Coburg. "Beim Bau der Windräder konnte nur von den Werten aus Gutachten anderer Windparks ausgegangen werden. Der Genehmigungsbescheid für den Windpark ist dennoch mit bestimmten Auflagen verbunden, die eingehalten werden müssen. Sollte dies beim Windpark auf dem Kraiberg nicht der Fall sein, dann müssen diverse technische Möglichkeiten zur Anpassung durchgeführt werden", erklärt Dieter Pillmann.
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