Zeil am Main
Sternfahrt 

118 E-Autos im Kreis

Politik und Bürger befassten sich im Zeiler Kino mit der Energiewende.
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Die weiteste Anfahrt hatte Elke Bouillon. Dafür bekam sie von Landrat Wilhelm Schneider (rechts) einen Kinogutschein. Mit auf dem Bild (von links) Kinobetreiber Bruno Schneyer, Stadtwerkeleiter Günter Bier und Energieberater Günter Lieberth (von links). Fotos: Peter Schmieder
Die weiteste Anfahrt hatte Elke Bouillon. Dafür bekam sie von Landrat Wilhelm Schneider (rechts) einen Kinogutschein. Mit auf dem Bild (von links) Kinobetreiber Bruno Schneyer, Stadtwerkeleiter Günter Bier und Energieberater Günter Lieberth (von links). Fotos: Peter Schmieder
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Großes Interesse rief die Landkreis-Premiere des Kinofilms "Power to Chance - Die Energierevolution" im Zeiler Kino hervor. Da sich der Dokumentarfilm mit dem Thema Energiewende beschäftigt, gab es zuvor unter dem Motto "Lautlos ins Kino" eine Sternfahrt nach Zeil mit Elektrofahrzeugen, an der auch Vertreter der Kommunalpolitik teilnahmen. Nach der Vorführung bestand außerdem die Gelegenheit zur Diskussion mit Regisseur Carl-A. Fechner.


Aus allen Himmelsrichtungen

"Normalerweise sind Dokumentarfilme im Kino nicht so der Kassenknüller", sagte Energieberater Günter Lieberth. Allerdings könnten Aktionen wie die Sternfahrt zum Kino dazu beitragen, auch solche Projekte zu bewerben. "Die Leute kommen aus allen Himmelsrichtungen", freute er sich über die zahlreiche Teilnahme.
"Man kann die Leute ja leider noch als Pioniere bezeichnen", sagte Landrat Wilhelm Schneider (CSU) über die Nutzer von Elektrofahrzeugen und berichtete, dass der Landkreis 2012 erstmals ein E-Auto angeschafft hat. Mittlerweile gehören drei Stück davon zu den Dienstwagen des Landratsamtes. Mit der Gemeinde Knetzgau, der Stadt Zeil, der Verwaltungsgemeinschaft Ebern und dem Haßfurter Stadtwerk gibt es mittlerweile einige Kommunen, die auf ihren Dienstfahrten teilweise elektrisch unterwegs sind.
Insgesamt sind im Landkreis Haßberge derzeit 118 Elektroautos zugelassen, damit liegt die Region über dem bundesdeutschen Durchschnitt. "Nach Schweinfurt geht's noch, nach Würzburg zur Regierung würde es nicht reichen", sagte der Eberner Bürgermeister Jürgen Hennemann über die Reichweite der Elektroautos. Zumindest nicht, wenn er wieder zurückfahren müsste, ohne dort das Auto neu aufzuladen. Hier liegt in der Praxis eine der Schwachstellen im Gegensatz zum Verbrennungsmotor: Die Reichweiten der Elektroautos sind geringer, und das Aufladen dauert um einiges länger als ein einfacher Tankvorgang. Bisher wurde zudem oft das mangelhafte Netz an Stromtankstellen kritisiert. Mit 33 Anschlüssen an 14 Standorten ist der Kreis Haßberge in dieser Hinsicht recht gut aufgestellt.
Die weiteste Anfahrt nach Zeil hatte Elke Bouillon aus Ilmenau mit 110 Kilometern. Bei ihrer Ankunft an der Stromtankstelle am Zeiler Altstadtparkplatz zeigte ihr Fahrzeug an, sie könne noch 45 Kilometer fahren. "Elektromobilität ist der Schlüssel zur umweltverträglichen Mobilität", zeigte sich der Zeiler Stadtwerksleiter Günter Bier überzeugt. "Wir Zeiler haben nicht lange diskutiert, sondern sind gleich tätig geworden", erklärte er.
Der Film "Power to Change", der anschließend im Capitol-Theater gezeigt wurde, beschäftigt sich mit der Energiewende. Regisseur Fechner stellte Unternehmer und Aktivisten vor, die sich für saubere Möglichkeiten einsetzen, Verbrennungs- und Kernkraftwerke zu ersetzen.
In der Diskussion mit dem Regisseur, dem Haßfurter Stadtwerkleiter Norbert Zösch, Energieberater Günter Lieberth und dem Vorstandsvorsitzenden der Bürgerenergiegenossenschaft, Siegmund Kerker, kam eine kritische Stimme zu Wort. Windkraftgegner Reiner Pracht stand auf und sagte: "Man muss auch die Gegenseite hören. Es gibt mehr als 100 Bürgerinitiativen, die dagegen sind."


Vorwurf: Halbwahrheiten

Er warf den Befürwortern der Windkraftanlagen vor, mit Halbwahrheiten zu arbeiten. Von einer Filmszene, in der das Verhalten von Windkraftgegnern kritisiert wurde, habe er sich diffamiert gefühlt.
Auf die Frage aus dem Publikum, ob der Protest gegen die regenerativen Energien insgesamt eher zu- oder abnehme, bezeichnete Fechner die Gegner als "kleine radikale Minderheit, die aber doch das Ganze verlangsamt." Insgesamt stehe die Bevölkerung aber hinter der Energiewende. "Die Technik ist da. Wir müssen es nur tun", widersprach Norbert Zösch den Aussagen von Kritikern der Energiewende, die Strommenge aus regenerativen Energien reiche nicht aus. Dieser Aussage pflichtete Andreas Lipphardt von IBC-Solar bei. Der Mitarbeiter eines Unternehmens, das an Möglichkeiten zur Energiespeicherung arbeitet, widersprach der Aussage, die Versorgung mit Wind- und Solarenergie scheitere an mangelnden Möglichkeiten zum Stromversorgen in Zeiten ohne Wind und Sonne. "Es ist oft anstrengend, sich die politische Diskussion darüber anzuhören", sagte er.
Ein Kinobesucher fragte den CSU-Politiker Siegmund Kerker, wie er zu der von seiner Partei stammenden 10-H-Regelung stehe, durch die in Bayern ein sehr großer Abstand zwischen Windkraftanlagen und Wohngebieten nötig wurde. "Es ist in der Tat ein Problem. Sie ist der Grund, warum Projekte scheitern", sagte Kerker, betonte aber auch, man müsse alle Anlieger ernst nehmen.


Angst vor den Konzernen?

Kritik am Film kam nicht nur von Kritikern der Energiewende, sondern auch von Befürwortern. So hieß es unter anderem, Regisseur Fechner sei zu sanft mit großen Konzernen umgegangen, möglicherweise, um sich keine mächtigen Feinde zu machen. Regisseur Fechner entgegnete darauf: "Über den Vorwurf, ich will mich nicht mit großen Konzernen anlegen, kann ich nur lachen."


Gesellschaft lässt sich verändern

Weiter sprach er darüber, wie auch kleine Schritte viel verändern können. "Fünf Prozent einer Gesellschaft können die Gesellschaft verändern. Das habe ich in der Friedensbewegung gelernt", sagte er. Auch in Anspielung auf seine früheren kritischen Reportagen sagte er: "Ich habe schon öfter blockiert. Das tut gut, es befreit."
"Es ist richtig und mutig, dass Sie solche Filme machen. Bleiben Sie kritisch", sagte der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann zum Abschluss.
Eine weitere Vorführung des Films mit Diskussion ist für den Samstag, 7. Mai, um 16 Uhr geplant. Diese moderiert Martin Sage. Als Teilnehmer haben sich Gunter Häckner von der Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte, kurz GUT, sowie der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell von den Grünen, der auch zu den Protagonisten des Films gehört, angekündigt.
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