Ansbach
Militär

So ist das Leben in einer US-Kaserne in der fränkischen Provinz

Ein Soldat gibt Einblicke. Und ein Veteran zeigt, dass man trotz Kriegserlebnisse über sich hinauswachsen kann.
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Captain Scott Hetzel und Veteran Kenneth E. Aungst begrüßen sich in der Kaserne Katterbach.Foto: Daniel Karmann/dpa
Captain Scott Hetzel und Veteran Kenneth E. Aungst begrüßen sich in der Kaserne Katterbach.Foto: Daniel Karmann/dpa
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Der Krieg klopft bei Kenneth Aungst auch nach Jahrzehnten noch an - gerade nachts. Dann plagen den US-Veteran die Erinnerungen an seine Einsätze in Vietnam. Wenn er überhaupt schlafen kann, hat er Alpträume. Von Todesschreien von Soldaten, vom Knattern des Geschützfeuers. "Ich bin durch die Hölle gegangen", sagt Aungst nüchtern. Und doch zieht es den 80-Jährigen mehrmals die Woche an den Ort, wo für den Krieg geübt wird.

Dann kann man Aungst am US-Stützpunkt Katterbach bei Ansbach antreffen. Er gehört als Ehrenamtlicher zu einer aus rund 155 Mitgliedern bestehenden Ortsgruppe der American Legion, einer US-Veteranenorganisation, bei der zahlreiche Ex-Soldaten in Städten wie Schweinfurt, Bamberg, Augsburg und Grafenwöhr zu Veranstaltungen einladen. Zudem unterstützen sie deutsche Witwen von Veteranen, wenn sie sich nach dem Tod ihrer Ehemänner um finanzielle Unterstützung durch die US-Behörden bemühten. Erst kürzlich habe er bei einem Fest für Kinder von Militärangehörigen am Grill gestanden, sagt Aungst.


Derzeit 3200 Soldaten

Neben dem Stützpunkt Katterbach gehört der nahe Kasernenstandort Illesheim zur Militärgemeinde US Army Garrison Ansbach. Dort landen und starten Kampfhubschrauber, was in Teilen der Bevölkerung zu Klagen über Lärmbelastung führt. Zuletzt wurden die Hubschrauber und damit die Zahl der Soldaten im Rahmen einer Verstärkung der Ostflanke der Nato aufgestockt. Aktuell sind nach Angaben von Armeesprecherin Cornelia Summers rund 3200 Soldaten vor Ort, davon sind ungefähr 980 fest stationiert. Der Rest gehöre einer Rotationseinheit an, die Teil der verstärkten Präsenz in Europa sei.

Wie sieht ein typischer Tag für einen Soldaten aus? Hauptmann Scott Hetzel lacht geheimnisvoll auf, ehe er antwortet. Schwer zu sagen, meint er. "Ein typischer Tag ist atypisch." Das tägliche gemeinsame Fitnesstraining um 6.30 Uhr gehöre zwar zum Standardprogramm für die Soldaten. Aber dann gebe es verschiedene Aufgaben. Ein Soldat gehe nach dem Frühstück zum Hangar, wo er Wartungsarbeiten an einem Hubschrauber vornehme oder die Maschine für eine Mission vorbereite. Und ein Pilot helfe mit und hebe wenige Stunden später ab. Wenn der Hubschrauber wieder zurück sei, kümmere sich ein Soldat um dessen Reinigung und mögliche Reparaturen.
Ein solcher Tag ende nie, da manche Piloten nachts für Übungsflüge unterwegs seien, sagt Hetzel. Und dann gebe es Militärpersonal, das frisch aus den USA ankommende Soldaten willkommen heiße. "Einige fassen nie einen Kampfflieger an, aber ohne sie würde die Einheit nicht funktionieren, wie sie sollte."


Schwieriger Start in die Ehe

Kenneth Aungst ging 1980 in Ruhestand - nach 26 Jahren in der Armee. 1955 wurde er nach Illesheim versetzt, dort lernte er kurz darauf auch eine Frau kennen, die er nach jahrelangem Widerstand heiraten durfte. Zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs habe es die US-Armeeführung nicht gerne gesehen, wenn sich Romanzen zwischen Soldaten und deutschen Frauen entwickelten, sagt Aungst. Auch die Mutter seiner Liebsten sei gegen die Beziehung gewesen. "Es war hart", sagt Aungst.

Wenn er könnte, würde er morgen wieder in die Armee eintreten. Das Leben in der Kaserne habe er genossen. Nicht aber den Krieg, räumt er ein. Dreimal war er im Vietnam-Krieg eingesetzt - in den Jahren 1962 und 1963, 1967 und 1968 sowie 1970 und 1971.

Aungst scheut sich nicht, auch von drastischen Kriegserlebnissen zu erzählen - und wirkt dabei erstaunlich gefasst. "Den Geruch des Todes und den Lärm des Geschützfeuers wird man im Leben nie wieder los." Viele traumatisierte Soldaten hätten sich nach ihrer Rückkehr aus dem Krieg in die Alkohol- oder Drogensucht geflüchtet. Ihn selbst habe seine Familie aufgefangen, erzählt Aungst. "Wir haben zwar nicht viel darüber gesprochen, aber sie waren immer da für mich."

Vor fünfeinhalb Jahren starb Aungsts Frau, seine Tochter lebt in der Nähe von Stuttgart. Wenn ihn die Erinnerungen an den Krieg einholen, könne er vor allem auf seine Veteranenfreunde zählen. "Die kümmern sich auch um mich", sagt Aungst.
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