Wahl 2017

Bundestagswahl 2017: Das etwas andere Wahl-ABC

Wer ist der jüngste Wahlhelfer der AfD? Wo greift Donald Trump jetzt schon wieder hin? Und was findet Christian Lindner rührend? Hier wird's verraten.
Das etwas andere Wahl-ABC. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
 
Bundestagswahl 2017: Prognosen, Ergebnisse, Reaktionen, Wahlbeteiligung

Das etwas andere ABC zur Bundestagswahl:

A wie Ausschließeritis: Beliebte Disziplin im Wahlkampf-Mehrkampf. Kurz vor der Wahl wird verkündet, mit wem man alles nicht will: FDP nicht mit den Grünen, CDU nicht mit der Linken, niemand mit der AfD.

B wie Bürgermeister Heiko Senking: Hängte in seiner Gemeinde in der Lüneburger Heide aus Protest ein AfD-Plakat erst ab, dann - drei Tage später und eine Laterne weiter - wieder auf. Wäe ein Fall für S wie strafbar.

C wie Chulz: Von der Satirepartei Die Partei gern benutztes Synonym für den SPD-Kandidaten. Martin Schulz selbst weiß um seine "mittelrheinische Konsonanten-Schwäche", will sie aber nicht ablegen.

D wie Die Partei: Bitterböse Plakate und Guerilla-Aktionen auf Facebook: Wahlkampf hart an und über der Schmerzgrenze.

E wie entsorgen: Nach "Barbaren" und "Kanzlerdiktatorin" neuester Hit aus dem Wörterbuch von Alexander Gauland (AfD). Hier: Synonym für "eine Deutsche aus dem Land schmeißen". War natürlich alles ganz anders gemeint, beziehungsweise doch nicht, aber halt schon.

F wie Ferdinand: Kaum geboren, schon jüngster Plakat-Wahlkämpfer der AfD, auf dem Arm seiner Mutter Frauke Petry. Viel Geschrei! Auch in der eigenen Partei über das Plakat.

G wie Greifen: Akute Sorge von Martin Schulz, im TV-Duell geäußert: Man wisse nie, wann Trump wieder "zum Tweet greift". Verständlich - greift Trump doch gerne dort hin, wo es andere nicht wollen.

H wie "handfeste Halbnazis": Spezies, die Sahra Wagenknecht in der AfD gesichtet haben will.

I wie Irreführung: Die FDP übertrieb bei den Steuer-Mehreinnahmen, die AfD nahm es bei Zuwanderer-Kriminalität nicht so genau. SPD-Wahlplakate lagen bei der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen daneben. In solchen Fällen gilt: Siehe Q wie Quellen checken!

J wie Jubelbefehl: Schulz gab im März in Würzburg den Anheizer in eigener Sache: "Fangt doch mal an zu rufen! Martin rufen!" Nach dem Warm-up kam das Cool-down.

K wie Karl-Theodor zu Guttenberg: He's back. Laut CSU-Chef Horst Seehofer sogar für einen Ministerposten geeignet, im Bund wie im Land. Er kam, sprach - und kofferte gegen Altkanzler Gerhard Schröder: "Alte Liebe rosneft nicht." Schon wieder ein Plagiat! Sagt jedenfalls die "FAZ".

L wie #lindnersprüche: Grüne twitterten gefälschte Lindner-Zitate. Hätten sie mal vorher die eigene Selbstverpflichtung gelesen. Dort heißt es sinngemäß: Das Verbreiten falscher Zitate lehnen wir ab.

M wie Merkels Wahlplakate: An der A2 im Maxi-Format gesichtet, aber nur mickrige 224 Quadratmeter groß. Eindeutiger Rückschritt nach der Mega-Raute 2013 (fast 2400 Quadratmeter, Berlin).

N wie Niemals geht man so ganz: Erika Steinbach, Volker Beck, Wolfgang Bosbach, Norbert Lammert - ihr erster Kanzler im Parlament hieß noch Helmut. Jetzt sind sie nicht mehr im Bundestag dabei. Manche mit Konfetti verabschiedet (Beck), andere mit Rüffel vom Parlamentspräsidenten (Steinbach). So long! Man sieht sich vielleicht in der nächsten Bundesversammlung.

O wie Obergrenze: Seehofers Leib- und Magenthema, bei anderen eher geschwürfördernd. War lange unverzichtbar für eine Koalition mit der CSU, dann wieder nicht, dann nur de jure, aber nicht de facto. Siehe Z wie Zurückrudern.

P wie Populismus: "Volksverräter", "Regime", "Nazis", "Lügenpresse", "Lügenpartei" - politischer Diskurs im Deutschland des Jahres 2017. Ach, so ein bisschen verbale Abrüstung ... - na, man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Q wie Quellen checken: Jedem Wähler dringend empfohlen, der die Parteislogans im Wahlkampf hört und liest. Die Fakten sind oft nur einen Mausklick entfernt.

R wie Russische Einflussnahme: Die Behörden warnten, aber Aufsehenerregendes passierte bisher nicht. Momentan offenbar eher Sleepy als Fancy Bear.

S wie Schlandkette: Blieb beim TV-Duell diesmal, anders als 2013, in Merkels Schmuckkästchen.

T
wie #thermilindner: Kurzzeit-Hype auf Twitter. Fotos von FDP-Chef Lindner, mit Thermomix-Verkäufersprüchen unterlegt: "Und alle Teile können in die Spülmaschine!" Einfach rührend.

U wie Unterschrift auf dem Wahlzettel: Prinzipiell gut, wenn man auch persönlich zu seiner Wahl steht. Aber Vorsicht: Das Autogramm macht den Wahlzettel ungültig.

V wie Verlass mich nicht: Sorge von Talkshow-Moderatorinnen, die Gäste könnten davonlaufen. Nach Bosbach- und Weidel-Abgängen nicht unberechtigt.

W wie "Wir können nicht allen helfen": Buch von Tübingens OB und Grünen-Außenstürmer Boris Palmer, kurz vor der Wahl erschienen. Einige Parteikollegen verlängerten den Titel in Gedanken mit "und dir auch nicht mehr, Boris".

X wie Kreuzchen auf dem Wahlzettel setzen: Muss nicht unbedingt sein. Den Kreis ausmalen geht auch.

Y wie Bundeswehr-Kennzeichen: Soldaten im Auslandseinsatz geben ihre Stimme per Briefwahl ab: mit Feldpost hin, mit Feldpost zurück.

Z wie Zurückrudern: Neben A wie Ausschließeritis weitere Disziplin im Wahlkampf-Mehrkampf. Die Medaillen machen die AfD und Horst Seehofer unter sich aus.
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