Bamberg
Bierkeller

Entspannen bei Bier und Ziebeleskäs

Die Augen des Vaters leuchten, der Schritt wird beschwingter, gleich ist das Ziel erreicht - der Bierkeller. Er trägt den Brotzeitkorb, die Mutter zieht die Kinder hinter sich her. "Wann simmer denn do?" quengelt es schon geraume Zeit.
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Foto: Ronald Rinklef
Foto: Ronald Rinklef
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Endlich lichtet sich des Waldes Dickicht - das Ziel ist erreicht. Was vorher in einer Tour maulte, ist in Sekundenschnelle auf dem kellereigenen Spielplatz verschwunden. Erst einmal Aufatmen. Aber: Allenthalben Toben und Gekreische von gut zwei Dutzend Kindern. Vater und Mutter platzieren sich möglichst weit weg.

Jetzt braucht's erst mal Ruhe. "Zwa Seidla und zwa Schabeso," ordert das Familienoberhaupt und packt schon mal den Brotzeitkorb aus. Die Lieblingswurst für die Kinder, während sich Vater und Mutter bei der Bedienung lieber "an Bressagg und an Ziebeleskäs" bestellen.

Wunderbar, das Bier kommt. Der erste Schluck nach dem langen Fußmarsch ist immer noch der beste. Herrlich frisch, fränkisch ungespundet. Am Nachbartisch wird es zwischenzeitlich etwas lauter. "Ja hundsverrägg, so a Mistviech," ärgert sich der Tischnachbar über einen wohlgesetzten Schnakenstich mitten auf seine Nase.

Er rudert mit der Hand als wollte er das Insekt noch im Nachhinein erschlagen - natürlich vergeblich. Ein Bierfilzla auf dem Krug soll dafür sorgen, dass wenigstens das edle Gebräu unbehelligt bleibt. Wenngleich der Gerstensaft dann gelegentlich "a weng nach Babbädäggl" schmeckt. Inzwischen hat die Bedienung auch den Pressack und den Ziebeleskäse gebracht.

Fehlen nur noch die Kinder. Während sich die Mutter auf die Suche nach dem Nachwuchs macht, ordert der Vater in aller Ruhe noch a Seidla. Zum Trinken kommt er nicht. Der alarmierend schrille Ton in der Stimme seiner Frau lässt ihn hochschnellen. "Die Kinnä sin wech." Auch das noch. Wo könnten die Beiden nur sein? Der Vater sieht in Richtung Wald einen kleinen Bachlauf. Wo Wasser ist, da könnten auch die Kinder sein. Also nix wie hin.

Vom Nachwuchs jedoch keine Spur. Da bleibt nichts anderes übrig, als dem Bachverlauf zu folgen. Und da, tatsächlich, da, wo ein höherer Hang das Rutschen sinnvoll macht, vergnügt sich der Nachwuchs und unterzieht den Hosenboden einem echten Härtetest. Immer auf dem Allerwertesten schön in den Bach gerutscht.

Eine Riesengaudi. Für die Kinder. Die Mutter schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. "Wie seht ihr denn aus? Oh Gott, oh Gott.""Raus aus dem Wasser mit euch. Und zwar schnell." Die Kinder gehorchen, der Tonfall scheint gefährlich. Es geht zurück zur Brotzeit auf den Keller. Auf dem Pressack tummelt sich inzwischen allerlei Getier, das Bier hat seinen Schaum verloren, und die Mutter hat alle Hände voll mit Reinigungsarbeiten zu tun.

Das Bier - es schmeckt noch - der Pressack ist schnell von Mücken befreit, endlich kann's losgehen mit der Brotzeit. Während sich die Kinder mit notdürftig gereinigten Händen ihre Lieblingswurst in den Mund stopfen, genießt der Vater den vorzüglich gewürzten Pressack und die Mutter den Ziebeleskäs, der so ist, wie er sein sollte. "A weng grieselich" und gut mit Zwiebeln belegt. Nachdem die Teller geleert sind, lehnt sich der Vater zufrieden zurück. "Gud wors, nächsta Wochn kumma mä widdä."

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