Renovieren - Modernisieren

Das autarke Haus

Mit einem autarken Haus lässt sich kräftig Geld sparen. Allerdings sprechen Experten derzeit von einem durchschnittlichen Autarkiegrad von 50 - 70 %.
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Ein energieautarkes Haus - wie das von Timo Leukefeld vom Sonnenhaus-Institut - versorgt sich selbst mit Energie aus Photovoltaik- und Thermieanlagen, die die Sonnenstrahlen einfangen.  Foto: Timo Leukefeld
Ein energieautarkes Haus - wie das von Timo Leukefeld vom Sonnenhaus-Institut - versorgt sich selbst mit Energie aus Photovoltaik- und Thermieanlagen, die die Sonnenstrahlen einfangen. Foto: Timo Leukefeld
Ein Haus ohne Strom, Gas oder Öl - das ist kein Zukunftstraum mehr. Timo Leukefeld vom Sonnenhaus-Institut in Straubing wohnt selbst in einem energieautarken Haus und ist sich sicher: "Der Durchbruch steht unmittelbar bevor."
Die Technologie ist so ausgereift, sagt er, dass fast jeder Bauherr auf fossile Brennstoffe verzichten kann. Jedenfalls zu einem großen Teil. "Der Schlüssel ist die Sonne", sagt Leukefeld. "Die reicht selbst in unseren Breiten, wo sie im Winter eher wenig scheint, für Heizung und Strom - und zwar ganzjährig."


50 bis 70 Prozent Autarkiegrad normal

Stefan Materne vom Verbraucherzentrale Bundesverband ist nicht ganz so optimistisch: "Es ist ein richtiger Weg, und je mehr Leute ihn mitgehen, desto besser", sagt er zwar, allerdings seien energieautarke Häuser immer noch zu teuer für die Masse.
Für einen möglichst hohen Autarkiegrad des Hauses müssen viele Faktoren zusammenkommen. Kernstück ist die Verknüpfung von Solarthermie und Photovoltaik. Die Anlagen müssen so angebracht werden, dass sie die Sonnenenergie maximal nutzen können, erklärt Leukefeld. Das Haus sollte nach Süden ausgerichtet sein und ein möglichst steiles Dach haben, um auch die tief stehende Sonne im Winterhalbjahr auszunutzen. Für die sonnenlose Zeit muss es einen guten Energiespeicher geben, gegen Wärmeverlust eine gute Dämmung.
Nicht nur Neubauten können unabhängig von externer Energie werden, auch Häuser im Bestand lassen sich nachrüsten. So können die recht voluminösen Wärmespeicher Platz am Standort des Öltanks finden, erklärt David Wedepohl vom Bundesverband Solarwirtschaft.
Doch selbst viel Sonnenschein deckt in der Regel nicht den Verbrauch eines durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalts von 4500 Kilowattstunden im Jahr. "Bei guter Planung lässt sich der Verbrauch aber locker auf 2000 Kilowattstunden pro Jahr absenken", sagt Leukefeld. Das kann eine Photovoltaikanlage mit Akku schaffen. Die hundertprozentige Unabhängigkeit von externen Energiequellen ist ein Ideal, das ohnehin für die wenigsten Bauherren machbar ist. Oft geben die Lage der Immobilie, Dachneigung und Sonneneinstrahlung das einfach nicht her. "50 bis 70 Prozent Autarkiegrad sind für den Massenmarkt schon ein gutes Ergebnis", betont Leukefeld.


Schnee blockiert

Und auch das Wetter hat einen großen Einfluss. "Liegt im Winter mal vier Wochen lang Schnee auf den Solarmodulen, kommt eben keine Sonnenenergie rein. Dann muss auch ich zusätzlich heizen." Leukefeld nutzt einen Holzofen, aber auch Öl und Gas sind natürlich möglich.
Ein schlüsselfertiges, etwa 160 Quadratmeter großes Haus kostet laut Leukefeld aktuell zwischen 350 000 Euro bei 50 Prozent Autarkiegrad und
450 000 Euro bei 90 bis 100 Prozent Autarkiegrad. "Es lohnt sich, Kosten und Nutzen für das eigene Haus durchzurechnen", rät Wedepohl. "Immerhin lassen sich je nach Autarkiegrad zwischen 2000 und 4000 Euro Energiekosten im Jahr sparen."
dpa-mag
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