Tipps für die Sommerferien

Eine Zeitreise in die Vergangenheit

Die Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" auf der Veste Coburg ist nicht nur in den Sommerferien einen Besuch wert.
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Höfisches Wesen und ritterliche Reit- und Kampfkunst sind im August auf der Veste Coburg zu erleben.  Foto: Stadt Sankt Wendel
Höfisches Wesen und ritterliche Reit- und Kampfkunst sind im August auf der Veste Coburg zu erleben. Foto: Stadt Sankt Wendel
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Die Veste Coburg ist immer eine Reise wert. Jetzt besonders, würde sicherlich das Haus der Bayerischen Geschichte, das die Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" organisiert hat, hinzufügen. Die Veste beherbergt die Ausstellung nicht nur. Sie ist der wesentliche Mosaikstein, gewissermaßen das größte Exponat der Ausstellung.
Abwechslungsreich ist der Rundgang von der Lutherkapelle über den prächtigen gotischen Festsaal "Große Hofstube" zu den "Lutherzimmern". Hinzu kommen die Außenbereiche der Veste, der Weg in die Stadt und die evangelisch-lutherische Kirche St. Moriz, die die Landesausstellung zum Gesamterlebnis werden lassen.
Anfang des 16. Jahrhunderts, das war eine bewegte Zeit. Martin Luther veröffentlicht 1517 seine Thesen zum Ablasshandel, Start der Reformation, was uns heute, 500 Jahre später, veranlasst, das Luther-Jahr zu feiern. 1530 findet der Augsburger Reichstag statt, wo über das künftige Verhältnis der Religionen verhandelt wird. Selbst dort anwesend zu sein, wäre für den unter Reichsacht stehenden Luther zu gefährlich gewesen. Deshalb verfolgt er von der sicheren Veste Coburg aus, unter dem Schutz des sächsischen Kurfürsts Johann des Beständigen, das Geschehen in Augsburg.


Ordnungen zerbrechen

Ein halbes Jahr lang dauert sein Aufenthalt, währenddessen er sieben Mal in St. Moriz predigt. Doch die bewegte Zeit wird nicht nur an der Person Luthers deutlich. Amerika wird entdeckt, das Bild von der Erde als Scheibe wurde zerstört. Das Druckverfahren ermöglicht es, Bücher und Flugschriften in großen Mengen zu produzieren. Städte und ihre Bürger gewinnen an Einfluss, die Ritter haben ausgedient, alte Ordnungen zerbrechen.
Kern der Ausstellung sind die beiden Räume neben der "Großen Hofstube", die Luther bewohnte. Präsentiert werden originale Briefe und Werke des Reformators. Doch bleibt die Landesaustellung, wie ihr Titel schon andeutet, nicht beim Aufenthalt Luthers in Coburg stehen. Kostbare Originale aus der Zeit, etwa Kunstwerke von Albrecht Dürer und Lucas Cranach d. Ä., beleuchten die sozialen, wirtschaftlichen, politischen und künstlerischen Umbrüche. Themen sind die "Medienrevolution", ausgelöst durch das Druckverfahren, die ländliche Gesellschaft, die bereits von Vielfalt geprägt war, und die Wirklichkeit der Reichsritter und des landsässigen Adels, die von Bedeutungslosigkeit bedroht war.


Luther-Reliquie

Wem das sehr abstrakt vorkommt, sei beruhigt. Mitmachstationen laden zur Betätigung ein. Selbst Kinder dürften an der Ausstellung Gefallen finden, denn sie werden mit der Lebenswirklichkeit der Menschen vor 500 Jahren konfrontiert. Im "Kinderbogen" zum Beispiel ist zu erraten, wie schwer das Rennzeug für ein Turnier war. Das war, soviel sei gesagt, wirklich unglaublich schwer. Und aufgeräumt wird mit der Mär vom Luther-Bett. Das ausgestellte Bett ist sehr wahrscheinlich erst im 17. Jahrhundert entstanden, eine Art Reliquie, von der sich Zeitgenossen etwas versprachen: die Befreiung von Zahnschmerzen dank aus dem Bett herausgebrochener Zahnstocher.


Bis 5. November

Die Ausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" dauert bis zum 5. November. Ausstellungsorte sind die Veste Coburg sowie die Stadtkirche St. Moriz. Geöffnet ist die Ausstellung täglich von 9 bis 18 Uhr. Die Eintrittspreise betragen 12 Euro, ermäßigt 10 Euro für Erwachsene, 2 Euro für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren. Karten vor Ort oder online unter hdbg.de, Menüpunkt "Shop". Zum Begleitprogramm gehören musikalische Darbietungen jeden Mittwoch um 18 Uhr in der Morizkirche. Die Welt des späten Mittelalters wird bei "Un Paso honroso - Ein ehrenvoller Gang" Wirklichkeit. Im Burghof der Veste präsentieren bewährte Akteure ritterlicher Kampfkunst den Tjost, den turniermäßigen Kampf zu Pferde authentisch mit ungeschwächten Lanzen. Hinzu kommen rund 70 Mitwirkende, die das spätmittelalterliche Leben in all seinen Facetten darstellen. Die Aufführungen können am 9., 10., 12. und 13. August, jeweils 17 bis 20 Uhr (Einlass 16.30 Uhr), verfolgt werden. Tickets im Vorverkauf gibt's bei der Tourist Information Coburg und bei den Kunstsammlungen der Veste Coburg. Am 9. September findet die Museumsnacht unter dem Motto "Luther, Lieder, Lästermäuler" statt, u. a. in der Veste, Landesbibliothek und Ehrenburg. Die "Sieger-Songs" des Song-Contest "Luther rockt" werden am 31. Oktober im Coburger Kongresshaus präsentiert.
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