Weiterbildung

Digitales Lernen

Die Digitalisierung ist auch im Bereich des Lernens angekommen. Was bedeutet dies für unsere Bildung?
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Immer auf dem neusten Stand: E-Learning zum Beispiel mit Hilfe von Tablets bietet viele Vorteile.  Foto: Fotolia
Immer auf dem neusten Stand: E-Learning zum Beispiel mit Hilfe von Tablets bietet viele Vorteile. Foto: Fotolia
Estland entwickelt bereits Mitte der 90er Jahre eine staatliche Strategie für digitales Lernen - und setzt sie erfolgreich um. In den USA gibt es Schulen, in denen Zentralrechner jedem Schüler einen individuellen Lernplan für den nächsten Tag zusammenstellen. Und Schüler in Asien lernen nur das Neueste, da sich ihre digitalen Bücher auf mobilen Endgeräten ständig aktualisieren. Im internationalen Vergleich steht Deutschland in puncto digitaler Bildung noch ganz am Anfang. Tausende Bildungseinrichtungen landesweit, von der Schule über die Hochschulen bis hin zu Aus- und Weiterbildung, müssen an die Digitalisierung herangeführt werden.
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen", lautet ein chinesisches Sprichwort. Dies trifft auch im Falle der Digitalisierung zu, die Nutzung durch Lehrkräfte fällt recht unterschiedlich aus. Während die einen der Innovation verschlossen gegenüber stehen, betreiben die anderen Pionierarbeit, die auf Eigeninitiative beruht.
Nicht nur fehlende Ressourcen sind das Problem, auch Orientierungsberatung zum Umgang mit den neuen Technologien fehlt häufig. "Die Rolle des Lehrers wird sich vom Leitenden zum Begleitenden wandeln - deshalb ist auch die Frage nach einer neuen Didaktik relevant", ergänzt Jaap Pasmans, Direktor der 2014 neugegründeten "iPad"-Grundschule De Ontplooiing Amsterdam.


Viele Möglichkeiten

"Eine Schule kann Technologie heutzutage nicht ignorieren. Sie bietet unbegrenzt viele Möglichkeiten, ist motivierend, adaptionsfähig, personalisiert, handlich. Die Effektivität wird gewaltig gesteigert", argumentiert Pasmans. Neue Technologien können Lehrkräfte im Arbeitsalltag vielseitig unterstützen, sei es um einzelne Lernfortschritte zu überwachen oder Zeit bei Korrekturarbeit zu sparen.
Noch größere Chancen stecken im persönlich zugeschnittenen Lernen: Durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnik gibt es mehr und unterschiedlichere Arten, Zugang zu Informationen zu bekommen - nicht nur von Seiten der Lehrenden, sondern auch via Filmclip. Die Schüler profitieren von vielerlei Vorteilen, gefördert werden unter anderem Verantwortungsbewusstsein und Autonomie.
Auch die Chancengleichheit, die sich neben Flexibilität und Mobilität aus der Digitalisierung ergibt, gilt als Schritt nach vorne.
"Digitales Lernen ist viel mehr als Tablets und Whiteboards. Am sichtbarsten ist die Demokratisierung der Bildung, also der günstige und einfache Zugang für Hochmotivierte in aller Welt", erklärt Digitalisierungs-Experte Ralph Müller-Eiselt.
Von der Entwicklung bleibt der Arbeitsmarkt nicht ausgeschlossen. Gefordert sind Vielfalt und Spezialisierung von Wissen. Gelernt werden muss, rasch mit wechselnden Aufgabenstellungen umzugehen. Digitalisierung kann in vielerlei Hinsicht eingesetzt werden, zum Beispiel um die Qualität der Arbeit zu steigern.


Fluch oder Segen

Gunter Dueck, Mathematiker und ehemaliger Chief Technology Officer bei IBM Deutschland, kritisiert: "Wir haben 20 Jahre Internet und nach 20 Jahren fängt die Öffentlichkeit jetzt an zu diskutieren, ob es Fluch oder Segen ist. Das geht so nicht - das ist unsere neue Welt, die ist nun mal da. Jetzt denken wir immer noch darüber nach: wollen wir das, was wir schon seit 20 Jahren haben?" Die Richtung stimmt - aber der Weg ist noch weit. Weitere Infos unter www.arbeitenviernull.de und www.bmz.de Laura Krug


Glossar

Industrie 4.0: Die Digitalisierung wird oftmals als vierte industrielle Revolution bezeichnet.
Open education: Bezieht sich auf das bildungspolitische Anliegen, Bildung frei verfügbar für alle zu machen.
Massive Open Online Courses (MOOCs): Kostenlose und offene Massen-Online-Kurse.
Mobile learning: Ortsunabhängiges Lernen durch mobilen Wissenspool.
Edutainment: Verbindet Lehrinhalte und Unterhaltung, beispielsweise in Videos.
Blended Learning: Lernform, die eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung von traditionellen Präsenzveranstaltungen und modernen Formen von E-Learning nutzt.
Rich Media: Inhalte, die optisch und akustisch beispielsweise durch Video, Audio und Animation angereichert werden.
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