Berufswelt

Arbeitgeber Start-up?

Wie ist es eigentlich, in einem Start-up zu arbeiten, in dem wenig Kapital vorhanden ist? Eine Mitarbeiterin gibt uns exklusiven Einblick.
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Startup-Gründer Andreas Ritter (von links) mit den Grafikern Roman, Marcus und Linda.
Startup-Gründer Andreas Ritter (von links) mit den Grafikern Roman, Marcus und Linda.
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Was haben Zalando, Airbnb und Snapchat gemeinsam? Die milliardenschweren Unternehmen waren alle mal Startups. So nennt man Firmen, die mit einer innovativen Geschäftsidee, aber wenig Kapital gegründet werden und schnell wachsen sollen. Startups gelten als cool, weil sie oft in trendigen digitalen Geschäftsfeldern unterwegs sind. Doch wie arbeitet es sich bei einem Startup? Linda Luitz, die als Illustratorin beim Nürnberger Startup Kartenmachen.de beschäftigt ist, erzählt.

Ein Job bei einem Internet-Startup: Das war nicht das Ziel, als Linda ihr Design-Studium mit Schwerpunkt Film und Animation an der Technischen Hochschule Nürnberg aufnahm. Sie träumte davon, Animationsfilme mitzugestalten. Dass sie dafür begabt war, erkannten auch andere: Mit ihrem Abschlussfilm wurde sie 2015 zum Filmfestival nach Cannes eingeladen.
Nach ihrem Bachelor-Abschluss 2014 war kein Job beim Film in Sicht. Linda arbeitete freiberuflich und behielt die Jobbörsen im Auge. Und tatsächlich: Kurz vor Weihnachten 2015 stolperte sie über eine Anzeige des Nürnberger Startups Kartenmachen.de. Gesucht wurde eine Illustratorin. Linda bewarb sich und vier Tage später hatte sie ihren ersten festen Job in der Tasche - bei einem Startup.


Typisches Unternehmen

Das junge Nürnberger Unternehmen, bei dem Linda anheuerte, ist typisch für die Startup-Szene: Bei der Gründung war wenig Kapital im Spiel; dennoch hat das Geschäftsmodell großes Wachstumspotenzial. Im Onlineshop können gedruckte Gruß- oder Einladungskarten in vielen Designs bestellt werden. Diese Designs sind individualisierbar: Der Besteller schreibt einen persönlichen Text; die Grafiker von Kartenmachen.de integrieren ihn anschließend ins Layout der Karte. Mit diesem Geschäftsmodell hat Kartenmachen.de ins Schwarze getroffen: Es gibt laufend neue Produkte und aufgrund des Erfolgs wächst das erst 2014 gegründete Unternehmen stetig.
Auch wenn Lindas Traum vom Film zunächst nicht in Erfüllung gegangen ist: Als Illustratorin kann sie bei Kartenmachen.de ihre Kreativität ausleben.
"Ich arbeite ziemlich frei und entwickle neue Gestaltungsideen. Weil ich die unterschiedlichsten Motive in den unterschiedlichsten Stilen zeichne, ist meine Arbeit sehr abwechslungsreich - für mich der pure Luxus. Dass ich zwischendurch auch mal Formulare anpasse oder mit Kunden kommuniziere, empfinde ich als Vorteil: Wenn ich mich an einem Design festgehakt habe, kriege ich so den Kopf wieder frei."


Stetige Anpassung

Lindas Arbeitstag unterscheidet sich von dem ihrer Freunde, die in Traditionsunternehmen beschäftigt sind: "Viele beschweren sich darüber, dass sie nichts lernen und alles nach Schema F abläuft." Bei Kartenmachen.de ist das anders. "Wenn ich morgens in Büro komme, weiß ich nicht, wie der Tag läuft. Alles ist ständig im Wandel. Wir entwickeln neue Produkte, wir gewinnen mehr Kunden, die Anzahl der Mitarbeiter wächst. Unsere Art zu arbeiten müssen wir deshalb laufend anpassen."
Bei einem Startup arbeiten, heißt früh Verantwortung übernehmen. Das bestätigt auch Andreas Ritter, Gründer und Geschäftsführer von Kartenmachen.de. "Zeugnisse werden überschätzt. Natürlich müssen Bewerber Qualifikationen nachweisen können - aber wo genau sie die erworben haben, ist sekundär. Wichtig ist, dass sie unser Geschäft verstehen und sich wirklich einbringen wollen."
Linda genießt es, dass sie viel ausprobieren kann und innerhalb kurzer Zeit eine Menge lernt. Im Lebenslauf macht sich das gut. Arbeiten bei einem Startup birgt aber auch Risiken, wie Linda weiß: "Junge Unternehmen können scheitern. Und dann ist man seine Arbeit schnell los. Andererseits: Wo gibt es heute noch Jobs, die bis zur Rente sicher sind - und wer will das überhaupt?"
Sophie Binder
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