Rhetorik-Serie Teil 1: Der Vortrag

Rhetorik: Sprichst du nur oder performst du schon?

Für Politiker ist das strukturierte Argumentieren selbstverständlich, für Führungskräfte essentiell und für Studenten oftmals ein unbekanntes Terrain. Dabei ist Rhetorik die Geheimwaffe schlechthin und Gegenstand der vierteiligen Serie „Rhetorik: Sprichst du nur oder performst du schon?“.
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Vortrag
Ein Vortrag bedeutet nicht immer gleich, dass dieser auch gut ist. Denn um die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen, braucht es mehr als ein spannendes Thema.

„Die Rhetorik sei also als Fähigkeit definiert, das Überzeugende, das jeder Sache innewohnt, zu erkennen.“ Dieser Satz stammt von Aristoteles, dem berühmten griechischen Philosophen. Überzeugen – das wollen auch wir. Doch meist kommt uns etwas dazwischen. Panikattacken und Angstzustände sind für viele das, was sie verspüren, wenn sie vor Publikum sprechen müssen, sei es vor den Kommilitonen, den Kollegen oder gar dem Chef. Dabei ist das, was hinter einem guten Vortrag steckt, schon vorher planbar. Im ersten Teil unserer Serie „Rhetorik: Sprichst du nur oder performst du schon?“ dreht sich alles um den richtigen Aufbau eines solchen. Und dann heißt es: Lassen Sie sich nicht einschüchtern! Sie haben das Ass namens Rhetorik im Ärmel.

Der Einstieg
Ein Zitat, eine provokative These oder ein kurzer Film – der Beginn einer Rede sollte spannend gestaltet sein und zum Thema hinführen. Nach diesem Intro umreißen Sie kurz den Gegenstand Ihrer Rede und geben einen groben Überblick. Tipp: Ein herausfordernder oder gar heiterer Satz (je nach Themengebiet und Vortragsort) erhöht die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Jedoch sollte sich der Gebrauch solcher Sätze in Maßen halten!


Der bekannte rote Faden
Dass der Inhalt bei jedem Vortrag entscheidend ist, ist keine neue Erkenntnis. Dass der Aufbau und die Struktur einer Rede jedoch ebenso wichtig sind, wird oft vernachlässigt. Jeder weiß zwar, was man unter einem roten Faden versteht, dennoch werden viele Präsentationen und Vorträge gehalten, denen genau dieser fehlt. Dabei ist er wichtig, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu sichern und seinen Argumenten die volle Kraft zu verleihen. Dazu müssen Sie sich ein Ziel setzen, auf das Ihre Rede zusteuert. Vergleichen Sie den roten Faden mit der Treppe zu ihrer Wohnung. Um diese zu erreichen, müssen Sie einen Fuß vor den nächsten setzen, eine Stufe nach der anderen überwinden – und das kontinuierlich, ohne dabei wieder zurückzugehen. Auch in Ihrer Rede springen Sie bitte nicht von Stufe fünf zu Stufe drei. Das verwirrt die Zuhörer nur. Und Verwirrung aufgrund ihres Vortrags ist ein absolutes No-Go.

Rhetorische Mittel sind die Zutaten der guten Rede
Metapher, Ironie, Klimax, Vergleich oder Hyperbel – bestimmte Stilmittel kennt jeder von uns. Doch können Sie auch etwas mit Anapher, Allusion, Correctio oder Litotes anfangen? Nein? Dann hier eine kurze Erklärung:

Anapher Wort-/Satzwiederholung aufeinanderfolgender Sätze/Strophen/Verse
Allusion Anspielung
Correctio Verbesserung z.B. eines gesagten Wortes (meist Austausch dessen durch einen aussagekräftigeren Begriff)
Litotes doppelte Verneinung

Das sind natürlich nur ein paar wenige Beispiele. Wichtig ist, es mit den sprachlichen Mitteln nicht zu übertreiben, denn Sie sollten immer darum bemüht sein, Ihre Rede verständlich, klar und einfach zu halten. Deshalb sind auch Schachtelsätze tabu! Fragen Sie sich bei der Verwendung von Redefiguren immer, inwieweit die Nutzung derer Ihr Ziel positiv beeinflusst.

Der Schluss
Herzlichen Glückwunsch, Sie haben Ihr (Rede-) Ziel erreicht! Hoffentlich zumindest. Denn mit dem Beenden Ihrer Rede verhält es sich wie mit dem Einstieg: Wenn Sie hier patzen, bleibt das im Gedächtnis der Zuhörer verankert. Fassen Sie Ihre wichtigsten Argumente noch einmal (kurz!) zusammen und schließen Sie die bekannte Klammer. Das bedeutet, dass Sie im besten Fall noch einmal auf Ihren Einstieg Bezug nehmen können. Doch Vorsicht: Niemand möchte das Einstiegszitat noch einmal hören. Prägnant schlägt hier langweilig, kurz schlägt verschachtelt! Wenn Sie sich unsicher sind, so präsentieren Sie jemandem Ihren Vortrag. Manchmal hilft auch schon ein lautes Vorlesen, um Stolpersteine aus dem Weg zu räumen.

Zu guter letzt
Lassen Sie Ihr Ziel niemals aus den Augen! Worte sollten nie ein Eigenleben entwickeln, sondern stattdessen dem gewünschten Weg folgen. Passen Sie dazu auch Ihre Stimme an: Überzeugen – das wollen Sie, die Zuhörer auf Ihre Seite ziehen. Ein selbstsicheres Auftreten gehört hier dazu, von einem angemessenen Outfit ganz zu schweigen. Sollte Sie dennoch die Unsicherheit und Panik erfassen, so denken Sie an folgende Metapher: Fühlen Sie sich wie eine Schokokugel mit flüssigem Kern. Zeigen Sie nach außen hin Ihre harte Schale, seien Sie ziel- und faktenorientiert. Lassen Sie dabei Ihre Unsicherheit, also die Füllung der Schokokugel, nicht nach außen dringen. Sie sind die Person, die sich mit dem Redeinhalt ausführlich beschäftigt hat und nun der Experte in diesem Bereich ist. Ihnen gehört die Bühne, also performen Sie! Und denken Sie immer daran: Auch wenn es keiner sieht, ist es der größte Gewinn, ein Ass im Ärmel zu haben!

Eine Checkliste finden sie hier: http://www.infranken.de/fileadmin/services/sv/ChecklisteVortrag.pdf


Lesen Sie im nächsten Teil, was eine gute Präsentation ausmacht:
http://www.infranken.de/sv/karriere/fachkraefte/Die-Powerpoint-Praesentation-Aufbau-und-Struktur;art160274,1361648  

Ein kurzer Ausblick auf die Serie
  • Teil 1: Was ist bei einem Vortrag zu beachten?
  • Teil 2: Der Aufbau einer Präsentation
  • Teil 3: Was haben Körpersprache und Kleidungsstil miteinander zu tun oder Wie Führungsqualitäten und Sprache zusammenhängen
  • Teil 4: Die Gehaltsverhandlung
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