Berufswelt

Mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur

Unternehmen, die das Engagement ihrer Mitarbeitenden schätzen, sind laut Forschungsergebnissen erfolgreicher und innovativer.
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Zu einer guten Unternehmenskultur gehört, wie der Chef seine Rolle interpretiert. Kann er sein Team begeistern? Das ist ein Vorteil, denn dann engagieren sich viele Mitarbeiter. Lässt er seinen Mitarbeitern Freiheiten und überträgt Verantwortung? Auch das sind Kriterien, die für einen guten Chef sprechen. Ganz wichtig und die Nagelprobe schlechthin: Geht etwas schief, stellt sich der gute Chef kompromisslos vor seine Leute.  Foto: Michelle Fraikin/Westend61
Zu einer guten Unternehmenskultur gehört, wie der Chef seine Rolle interpretiert. Kann er sein Team begeistern? Das ist ein Vorteil, denn dann engagieren sich viele Mitarbeiter. Lässt er seinen Mitarbeitern Freiheiten und überträgt Verantwortung? Auch das sind Kriterien, die für einen guten Chef sprechen. Ganz wichtig und die Nagelprobe schlechthin: Geht etwas schief, stellt sich der gute Chef kompromisslos vor seine Leute. Foto: Michelle Fraikin/Westend61
Das Forschungs- und Beratungsinstitut "Great Place to Work" hat Forschungsergebnisse zur Arbeitsplatzkultur in Deutschland veröffentlicht. Dabei zeigt sich: Vertrauen, Qualifizierung, Gesundheitsförderung und eine Unternehmenskultur, die das Engagement der Mitarbeitenden wertschätzt, sind wichtige Eckpfeiler, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Unternehmen und Beschäftigte profitieren gleichermaßen davon.
Noch hakt es jedoch vielerorts: wachsender psychischer Stress am Arbeitsplatz, hohe Krankenstände und Fluktuationsraten, mangelnde Förderung der beruflichen Entwicklung, starre Hierarchien und eine Kultur, die eher demotiviert als begeistert, lähmen wichtige Entwicklungs- und Innovationsprozesse und wirken sich negativ auf Wachstum und Zukunftsfähigkeit aus.


Wenig Krankheitstage

Dass es auch anders geht, zeigt der Vergleich mit Unternehmen, die im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs "Deutschlands Beste Arbeitgeber" ausgezeichnet werden. Liegt beispielsweise die Zahl der durchschnittlichen Krankheitstage in Deutschland laut AOK-Fehlzeitenreport 2015 bei 19 Tagen, beträgt diese in Unternehmen mit einer guten Arbeitsplatzkultur durchschnittlich nur fünf Tage. Ähnliches Bild bei den Fluktuationsraten: In durchschnittlichen Unternehmen liegt die Zahl der freiwilligen Kündigungen im Verhältnis zur Gesamtmitarbeiterzahl laut Berechnungen der Hay Group bei jährlich 14 Prozent; in den von "Great Place to Work" ausgezeichneten Unternehmen hingegen nur bei 6 Prozent. Auch bei den Bewerberzahlen haben attraktive Arbeitgeber die Nase vorn: 7,1 Bewerbungen pro Mitarbeiter und Geschäftsjahr - im Vergleich zu 3,3 Bewerbungen in durchschnittlichen Unternehmen.


Mehr Weiterbildung

Im Rahmen der jährlichen Benchmark-Befragungen von "Great Place to Work" bestätigen beispielsweise 75 Prozent der Mitarbeiter der ausgezeichneten Unternehmen, dass gute Arbeit ausreichend anerkannt wird - im Vergleich zum repräsentativen Unternehmensdurchschnitt in Deutschland von 36 Prozent. Zugleich loben 82 Prozent das kompetente Verhalten ihrer Führungskräfte (Durchschnitt: 56 Prozent). 77 Prozent der Beschäftigten fühlen sich in ihrer beruflichen Entwicklung gut unterstützt (Durchschnitt: 44 Prozent). Während die Zahl der Weiterbildungsstunden bei den besten Arbeitgebern durchschnittlich 50 Stunden pro Mitarbeiter und Jahr liegt, sind dies im repräsentativen Unternehmensdurchschnitt laut Berufsbildungsbericht 2015 nur 30 Stunden. Dass die Mitarbeiter im Unternehmen hilfreiche Angebote zur Unterstützung der Gesundheit erhalten, bestätigen 76 Prozent der Mitarbeiter der Beste-Arbeitgeber-Unternehmen - im Vergleich zum repräsentativen Durchschnitt von nur 38 Prozent. Zudem bestätigen drei Viertel der Mitarbeiter teilnehmender Unternehmen an "Deutschlands Beste Arbeitgeber", dass die emotionale Gesundheit am Arbeitsplatz ausreichend gewährleistet ist; im Unternehmensdurchschnitt hingegen nur 41 Prozent.


Hohe Weiterempfehlungsrate

Und jeder fünfte Arbeitnehmer aus Unternehmen ab 50 Mitarbeitern sieht in puncto "Psychische Gesundheit" besonders starke Defizite in seinem Betrieb.
Ebenfalls sehr beachtenswert - nicht zuletzt für die Bewältigung der Fachkräfte-Engpässe: 85 Prozent der Mitarbeiter der ausgezeichneten Unternehmen würden dieses guten Bekannten als Arbeitgeber weiterempfehlen; in "normalen" Unternehmen liegt die Weiterempfehlungsrate hingegen bei nur 57 Prozent.


"Great Place to Work"

"Great Place to Work" ist ein international tätiges Forschungs- und Beratungsnetzwerk, das Unternehmen in rund 50 Ländern weltweit bei der Entwicklung einer attraktiven Unternehmenskultur unterstützt. Der Fokus liegt dabei auf der Schaffung eines hohen Maßes an Vertrauen, Stolz und Teamgeist in der Zusammenarbeit und der Gestaltung unterstützender und förderlicher Maßnahmen des Personalmanagements.
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