Bad Brückenau
Handball-Meister

Gänsehaut in der FC-Familie

Endlich hat Bad Brückenau einen Bezirksoberligisten. Die Fans feiern den Meister mit stehenden Ovationen. Dank an Klaus Sieß.
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Da geht Bad Brückenaus Trainer gerne in die Luft: Die FC-Spieler feiern ihren Coach Oliver Hilbert-Probeck. Foto: Sebastian Schmitt
Da geht Bad Brückenaus Trainer gerne in die Luft: Die FC-Spieler feiern ihren Coach Oliver Hilbert-Probeck. Foto: Sebastian Schmitt
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Nach 16 Jahren mit vielen Höhen und manchen Rückschlägen ist es endlich so weit - die Handball-Herren des FC Bad Brückenau spielen in der kommenden Saison in der Bezirksoberliga. Im Jahr 2001 sind die rot-schwarzen Sinnstädter als Meister der Bezirksklasse in die Bezirksliga aufgestiegen. Seitdem wurde der Sprung in die Bezirksoberliga immer wieder angepeilt. Dieses sportliche Ziel wurde bis zum 11. März 2017 mehrfach ziemlich knapp, teilweise sogar erst in der Relegation, verfehlt. Aber jetzt als frisch gebackener und ungeschlagener Meister der Bezirksliga Nord steigen die FCler direkt und ohne den unbequemen Gang der Relegation in die Bezirksoberliga auf.


Einfach mal an der Zeit...

"Vor so einer tollen Kulisse hätte ich auch gerne mal gespielt", sagte FC-Vorsitzender Stefan Richter beim letzten Heimspiel der Saison in der Dreifachturnhalle. "Die letzte Meisterschaft ist schon so lange her, ich glaube, damals habe ich sogar noch mitgemacht. Jetzt war es einfach mal an der Zeit", frohlockte Richter. Man hätte den FClern sogar zugestanden, dass sie es bei ihrem letzten Heimspiel gegen die HG Maintal etwas gemütlicher angehen lassen. Aber Trainer Oliver Hilbert-Probeck wirkte zunächst etwas angespannt, hatte er doch die unmissverständliche Devise ausgegeben, dass man die Saison ohne jegliche Niederlage abschließen möchte. Die Meisterschaft freilich war schon eine Woche zuvor in Haßfurt besiegelt worden mit dem Sieg beim TV Königsberg. Den ersten Matchball hatten die Brückenauer also sofort verwandelt.
Für das letzte Heimspiel der Saison gegen die HG Maintal traf sich die Mannschaft schon in den Morgenstunden zum gemeinsam Frühstück im Hotel Ursula Garni. "Einfach Meisterhaft", lautete das Lob der Spieler für diese gelungene Aktion. Der Dank für die Einladung ging an die Familie Rüttiger und ihr Hotelteam. Gegen den Tabellendritten wollten die FCler noch einmal alles geben, zumal diese Partie erwartungsgemäß vor voll besetzter Tribüne angepfiffen wurde. Nach einer grandiosen Saisonleistung mit bis zum letzten Spieltag stolzen zwölf Siegen, einem Unentschieden und keiner Niederlage war der Heimsieg gegen völlig überforderte Maintaler nur noch Formsache. Das Hinspiel hatten die Brückenauer äußerst knapp für sich entschieden (27:26).


Feuchtfröhliche Fete

Danach stand der Dank für die großartige Unterstützung an die zahlreichen Fans im Mittelpunkt. Einige Sponsoren sorgten zudem für eine feucht-fröhliche Meisterfeier. "Endlich haben wir in Bad Brückenau wieder einen richtigen Hexenkessel", freute sich Hallensprecher Dirk Stumpe, der zunächst etwas Mühe hatte, die Euphorie im Publikum anzufachen, aber von Minute zu Minute immer stärker von den Fans unterstützt wurde. Die konnten in der zweiten Halbzeit dann auch wirklich jeden Nachnamen der Bad Brückenauer Akteure korrekt anstimmen. "Für die Bezirksoberliga müssen wir noch ein bisschen üben", sagte Stumpe, der in gewohnter Manier mit einer ordentlichen Portion Humor durch das Geschehen führte.


Kuriositäten

Kuriose Partien haben die Brückenauer in dieser Saison erfolgreich hinter sich gebracht. Zum Beispiel das Gastspiel des HSV Thüngersheim im Römershager Handball-Hexenkessel. Die Fans der Gäste kamen hierbei erst 20 Minuten vor Spielende, da sie in ihr Navi "Bad Neustadt", statt "Bad Brückenau" eingegeben hatten - was wirklich sehr schade war, da sie letztlich für mächtig Stimmung in der Halle sorgten. Das Spiel reihte sich sportlich gesehen an die vorherigen Spiele: Die ersten 10 bis 15 Minuten können die Brückenauer Gegner mithalten, ehe sich der FC absetzen kann.
"Bei uns gibt es keine erste und zweite Garde - jeder Spieler hat seine individuelle Klasse und Stärke, die je nach Gegner ausgespielt werden kann. Und genau dies ist diese Saison die Stärke dieses Teams."
Beim Remis gegen den direkten Konkurrenten Mellrichstadt war das Fazit der Brückenauer zwiegespalten. "Punktgewinn oder Punktverlust - darüber lässt sich streiten", lautete das Resümee des Coaches. Fazit ist, dass wir durch den Punktgewinn eines der letzten drei Spiele verlieren durften und trotzdem durch den direkten Vergleich mit Mellrichstadt die Meisterschaft sicher in der Tasche hatten."
Ziel des ehrgeizigen Trainers war es natürlich, die letzten drei Spiele der Saison souverän zu gewinnen. "Die Halle in Mellrichstadt ähnelt der Dreifachsporthalle in Römershag und durch unsere zahlreich angereisten Fans war es fast wie ein Heimspiel." Über den kompletten Spielverlauf merkte man bei beiden Teams die Nervosität an. Hier ging es letztendlich für beide Mannschaften um die Vorentscheidung zur Meisterschaft.
Anfänglich hatte das Team um den Betreuer Steffen Fiedler die Nase vorne. Erst spät wurde umgesetzt, was vor dem Spiel besprochen war - Tempohandball und den Gegner schon in der eigenen Abwehr unter Druck setzten. Dies hatte schon Mitte der ersten Halbzeit zur Folge, dass Mellrichstadt konditionell einbrach. Nach einer knackigen Pausenansprache des Coaches würde es im zweiten Durchgang dramatisch bis hektisch und teilweise recht unübersichtlich. Das Remis sollte aber der einzige Schönheitsfleck in einer ansonsten makellosen Bilanz bleiben.
Bei der Meisterfeier dankte Vorsitzender Richter nicht nur den Sponsoren, Unterstützern, Fans und der gesamten FC-Familie, sondern in besonderer Weise dem langjährigen Trainer Klaus Sieß. "Zwar ist er etwas traurig, dass ihm selbst der Aufstieg nicht vergönnt war, aber er hat mit seiner jahrelangen Arbeit die Grundlagen für diesen Erfolg gelegt. Sein Wirken war die Basis für die derzeitige Leistung." Sieß war nicht nur lange Zeit Cheftrainer im Herrenbereich, er kümmert sich seit Jahren auch um die Nachwuchsgewinnung der FC-Handballer. Oliver Hilbert-Probeck war einst Kapitän unter Trainer Klaus Sieß. Doch natürlich gab es auch für den aktuellen Trainer gebührenden Jubel. Die Spieler warfen ihren Coach freudig in die Luft. In der letzten Spielminute des abschließenden Spiels gegen Maintal hatten sich alle Zuschauer von ihren Plätzen erhoben, um dem neuen Meister zu applaudieren. Jetzt endlich wirkte auch der Trainer völlig gelöst. Die stehenden Ovationen sorgten für einen unvergesslichen Moment in der Römershager Dreifachturnhalle. Gefeiert wurde natürlich bis spät in der Nacht zusammen mit der ganzen FC-Familie. Sebastian Schmitt
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