Bamberg
Ernährung

Ernährung: Langsam essen um abzunehmen

Eine Studie hat herausgefunden, dass langsameres Essen Übergewicht verhindern kann. Aber warum ist das so? Und warum kommt nach einer Diät der Jojo-Effekt?
Artikel einbetten Artikel drucken
Laut einer Studie soll langsames Essen gegen Übergewicht helfen. Symbolbild:  pixabay.de
Laut einer Studie soll langsames Essen gegen Übergewicht helfen. Symbolbild: pixabay.de
Langsames Essen schützt vor Übergewicht. Wer seine Mahlzeiten hastig hinunterschlingt, neigt eher dazu dick zu werden. Den Zusammenhang von schnellem Essen und Übergewicht bestätigten japanische Forscher in einer Studie mit rund 60.000 Menschen.


Studie: Langsames Essen hilft gegen Übergewicht


Wie die japanischen Wissenschaftler im "British Medical Journal" schreiben, hilft langsames Essen unter anderem dabei Übergewicht und gesundheitliche Folgen wie Diabetes, Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen zu verhindern. Laut der Studie schützt auch der Verzicht auf Snacks am Abend vor der Gewichtszunahme. Es wird dazu geraten zwei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr zu essen.

40 Tage Fastenzeit: Jeder zweite Deutsche findet es gut auf etwas zu verzichten

Yumi Hurst und Haruhisa Fukuda von der Kyushu University in Fukuoka (Japan) hatten Gesundheitsdaten von Männern und Frauen über 40 Jahren ausgewertet, die bei einem Screening-Programm medizinische Check-ups durchlaufen und in Fragebögen Angaben zu ihrem Essverhalten gemacht hatten. Gut ein Drittel (36,5 Prozent) der Teilnehmer durchlief einen Check-up, knapp ein Drittel (29,6 Prozent) zwei und 20 Prozent drei. Alle Teilnehmer waren Diabetiker, die Teilnahme an dem Programm war freiwillig.



Die meisten Teilnehmer (33 455) beschrieben ihre Essgeschwindigkeit als "normal". 22 070 gaben an, ihre Mahlzeiten meist schnell hineinzuschaufeln, nur wenige (4192), eher genüssliche Langsam-Esser zu sein. Einige Teilnehmer änderten im Verlauf des Untersuchungszeitraums zwischen 2008 und 2013 ihr Essverhalten.


Deutschen Institut für Ernährungsforschung: Studie muss relativiert werden


"Das ist die erste Studie in dieser Größe, die den Effekt der Essgeschwindigkeit untersucht", kommentiert Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam die Untersuchung. "Das Ergebnis ist grundsätzlich plausibel, allerdings wird man die Stärke des Effekts relativieren müssen." Er erklärt seinen Vorbehalt damit, dass Daten aus Fragebögen grundsätzlich mit Unsicherheit behaftet seien. Außerdem haben auch andere Faktoren Einfluss auf die Ergebnisse, die nicht von der Studie berücksichtigt wurden. So macht die Studie keine Angaben zur Art des Essens und zur sportlichen Aktivität der Teilnehmer.


Body-Mass-Index: Ein Wert über 25 gilt als Übergewicht


In der Gruppe der Langsam-Esser waren überdurchschnittlich viele Frauen und deutlich weniger stark Übergewichtige als in der Gruppe der Normal- oder Schnell-Esser. Sie waren zudem schlanker um die Taille herum und hatten einen durchschnittlich niedrigeren Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert beschreibt das Verhältnis von Körpergewicht zu Körperoberfläche. In Deutschland und vielen anderen Ländern gilt als übergewichtig, wer einen Wert über 25 hat. Bei einem BMI über 30 spricht man von fettleibig oder adipös. Im Studienland Japan beginnt Adipositas bei einem BMI von 25.
Unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren wie Alter oder Medikamenteneinnahme ermittelten die Wissenschaftler, dass Normal-Esser eine um 29 Prozent reduzierte Wahrscheinlichkeit hatten, krankhaftes Übergewicht zu entwickeln als Schnell-Esser. Bei Langsam-Essern war die Wahrscheinlichkeit um 42 Prozent geringer. In tatsächlich gemessenem Taillenumfang waren die Unterschiede klein: Im Vergleich zu Schnell-Essern schrumpfte er bei Normal-Essern um 0,21 Zentimeter, bei Langsam-Essern um 0,41 Zentimeter. Nichtsdestotrotz zeige die Untersuchung, dass eine Senkung der Essgeschwindigkeit dabei helfen kann, das Körpergewicht zu regulieren und einen zu hohen BMI zu verhindern.


Warum macht schnell essen macht dick?


Als einen Grund für den Zusammenhang vermuten die Forscher, dass Schnell-Esser "über den Hunger essen" - sie futtern also noch weiter, obwohl der Kalorienbedarf längst gedeckt und der Hunger gestillt ist. Langsam-Esser hingegen spürten rechtzeitig, dass sie satt sind, und nähmen so weniger Kalorien auf.

Die Forscher schränken ein, dass die Angaben zur Essgeschwindigkeit auf der Selbsteinschätzung der Teilnehmer beruhten und nicht objektiv ermittelt wurden. Zudem gehörten die Teilnehmer vermutlich zu einer eher gesundheitsbewussten Gruppe, da sie freiwillig an dem Programm teilgenommen hätten. Dies könne die Ergebnisse verzerren. 


"10 Regeln für eine vollwertige Ernährung"


Allerdings bestätigen die neuen Daten Vieles, was Ernährungsfachleute bereits heute empfehlen. So weist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihren "10 Regeln für eine vollwertige Ernährung" darauf hin, dass langsames, bewusstes Essen den Genuss und das Sättigungsempfinden fördert. "Das Sättigungsgefühl wird unter anderem durch die Magendehnung beim Essen ausgelöst", erläutert DIfE-Forscher Kabisch. "Allerdings entsteht es zu einem großen Teil auch im Kopf. Wer langsamer kaut und isst, schmeckt auch länger und nimmt intensiver wahr, dass er überhaupt isst."


Nach der Gewichtsabnahme: So leicht kommt der Jojo-Effekt


Wie schwierig es ist, einmal verlorene Kilos nicht wieder zuzulegen, zeigt eine zweite Untersuchung: Demnach müssen Übergewichtige sich nach dem Abnehmen darauf einstellen, auf lange Zeit ein starkes Hungergefühl zu bekämpfen, berichten Forscher im Fachblatt "American Journal of Endocrinology and Metabolism". Catia Martins von der Norwegian University of Science and Technology in Trondheim hatten in ihrer Studie 34 stark übergewichtige Patienten untersucht, die an einem Abnehmprogramm teilnahmen.

Sie verloren im Verlauf von zwei Jahren im Schnitt elf Kilogramm an Gewicht - allerdings mussten sie auch noch nach zwei Jahren mit einem stark erhöhten Hungergefühl klarkommen. Die Forscher fanden, dass dies mit dem "Hungerhormon" Ghrelin zusammenhängt: "Jeder hat dieses Hormon, aber wenn man übergewichtig ist und dann Gewicht verliert, steigt der Hormon-Spiegel an", erläutert Martins.

Zudem versuche der Körper auf das höhere Gewicht zurückzukommen und die gewohnte Kalorienzahl aufzunehmen - obwohl er für die normalen Körperfunktionen aufgrund des Gewichtverlustes längst weniger Kalorien braucht: "Jemand, der sein ganzes Leben 80 Kilo gewogen hat, kann mehr Kalorien aufnehmen als jemand, der 80 Kilo nach einer Diät wiegt. Der Unterschied liegt bei etwa 400 Kalorien - das entspricht einem guten Frühstück oder vier Bananen."
Unsere Partner
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare