Pflegereform 2017

Pflegegrad statt Pflegestufe

Die Neuerungen durch die Pflegereform im Überblick.
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Im stationären Bereich gilt seit Januar ein einrichtungseinheitlicher Eigenbetrag. Innerhalb der gleichen Einrichtung sind die Eigenanteile aller Bewohner ab Pflegegrad 2 gleich hoch.  Foto: Arno Burgi
Im stationären Bereich gilt seit Januar ein einrichtungseinheitlicher Eigenbetrag. Innerhalb der gleichen Einrichtung sind die Eigenanteile aller Bewohner ab Pflegegrad 2 gleich hoch. Foto: Arno Burgi
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Wer der Pflege bedarf und in welchem Umfang - darüber wird seit 1.1.2017 nach anderen Kriterien entschieden. Während bislang nur Personen mit überwiegend körperlichen Gebrechen als pflegebedürftig eingestuft wurden, erfassen die neuen Vorgaben auch Hilfebedürftige mit geistigen und psychischen Problemen.
Statt Pflegestufen gibt es Pflegegrade und mehr Menschen als bislang werden Leistungen der Pflegeversicherung beziehen.


Bestandschutz: Keiner wird schlechter gestellt

Pflegebedürftige, die bereits eine Pflegestufe haben, müssen keinen neuen Antrag stellen. Für sie gelten Bestandschutzregeln, die besagen, dass kein Pflegeleistungsempfänger schlechter gestellt wird. Sie bekommen automatisch und ohne neue Begutachtung einen der neuen Pflegegrade.
Pflegebedürftige ohne Demenz erhalten den nächst höheren Pflegegrad - aus Stufe I wird dann Pflegegrad 2. Betroffene mit Demenz bekommen den übernächsten - aus Stufe 0 wird Pflegegrad 2, aus Stufe I mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz der Pflegegrad 3.
Nach dem neuen System mit Pflegegraden werden die Personen begutachtet, die ab Januar 2017 einen Pflegegrad beantragen.


Selbstständigkeit entscheidend

Bisher hing die Pflegestufe davon ab, wie viel Zeit an Unterstützung bei Hauswirtschaft und Grundpflege benötigt wurde.
Jetzt wird beurteilt, in welchem Maße die Selbstständigkeit beeinträchtigt ist. "Das Maß für die Einschätzung von Pflegebedürftigkeit soll künftig der Grad der Selbstständigkeit eines Menschen sein - also wie selbstständig er ohne Hilfe und Unterstützung von anderen sein Leben führen kann", erläutert Catharina Hansen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Hierfür gibt ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung seine Einschätzung ab. Dabei spielen sechs Bereiche eine Rolle: Mobilität, geistige und kommunikative Fähigkeiten, Verhalten, Selbstversorgung, Umgang mit Erkrankungen und Belastungen sowie soziale Kontakte.


Pflegegrade von 1 bis 5

Wie bei den alten Pflegestufen richten sich die neuen Pflegegrade danach, wie viel Hilfe jemand benötigt.
Je höher der Pflegegrad, desto höher die Leistungen, die die Pflegebedürftigen erhalten. Unterteilt wird in fünf Pflegegrade, von geringer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (1) bis schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (5).


Leistungen für mehr Personen

Die Leistungen reichen vom ambulanten, zweckgebundenen Entlastungsbetrag von 125 Euro (1) bis zu 2005 Euro im Monat (5).
Weil anders begutachtet wird, werden insgesamt mehr Personen erstmals Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommen. So berücksichtigt der Pflegegrad 1 diejenigen, die nur gering hilfebedürftig sind, aber im Alltag personelle Unterstützung brauchen.
Im alten System hatten sie keinen Anspruch auf Leistungen; nun können sie sich für Hilfen, die sie im Alltag unterstützen, bis zu 125 Euro erstatten lassen.
Insgesamt erhalten diejenigen, die bereits eine Pflegestufe hatten, für die häusliche Pflege mehr Pflegegeld und mehr Mittel für einen ambulanten Dienst als zuvor. Auch die Zuschüsse für teilstationäre Aufenthalte werden erhöht. In den Pflege-graden 2 und 3 gibt es bei stationärer Pflege geringere Zuschüsse als in den bisherigen Pflegestufen I und II. Zudem gelten dann "einrichtungseinheitliche Eigenanteile".
Bisher zahlte man bei höherer Pflegestufe auch höhere Eigenanteile ans Heim. Jetzt zahlen innerhalb eines Heimes alle das Gleiche.


Bessere Absicherung für pflegende Angehörige

Die Pflegereform verbessert die soziale Absicherung von pflegenden Angehörigen. Für sie verringern sich die Voraussetzungen, wann Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt werden. "Der Pflegebedürftige hat mindestens den Pflegegrad 2 und die Pflegeperson wendet wenigstens zehn Stunden in der Woche für Pflege auf", nennt Catharina Hansen zwei Voraussetzungen. Neu ist auch, dass Pflegepersonen erstmals in der Arbeitslosenversicherung versichert werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Das eröffnet ihnen die Möglichkeit, nach Beendigung der Pflegetätigkeit Leistungen der Arbeitsförderung zu beanspruchen.
geb/Quellen: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, dpa, Bundesministerium für Gesundheit, Berliner Pressebüro be.p.
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