Aktiv im Alter

Es bleibt beim Appell

Ärztliche Untersuchungen für Ältere werden im Zuge der Verkehrssicherheit oft gefordert. Was sagt eigentlich die Politik dazu?
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Die Forderung wird gebetsmühlenartig erhoben, um dann regelmäßig wieder in der Versenkung zu verschwinden ohne gesetzgeberische Initiative: Ältere, die Auto fahren wollen, sollen sich regelmäßig auf ihre Fahreignung testen lassen. Das forderte die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) vor dem 55. Deutschen Verkehrsgerichtstags.
"Spätestens ab dem 75. Lebensjahr sollten Untersuchungen verpflichtend sein", konkretisierte DAV-Fachanwalt Christian Funk. Die Pflicht begründete er mit der Gefahr, die von dieser Gruppe ausgehe. Nicht nur, dass mit gehobenem Alter das Risiko steige, schwer oder gar tödlich verletzt zu werden.
Jeder zweite Geisterfahrer sei älter als 65. "Senioren sind insofern auch ein Risiko für andere", folgerte Funk. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherer (GDV) verursachen Senioren über 75 schon heute drei von vier Unfällen, in die sie verwickelt sind. "Die Quote liegt damit höher als in der Hochrisikogruppe der jungen Fahrer", so GDV-Unfallforscher Siegfried Brockmann.


Test durch Fahrlehrer

Verwiesen wird in diesem Zusammenhang gerne auf europäische Staaten wie den Niederlanden oder Norwegen, in denen ärztliche Untersuchungen für Autofahrer ab 70 längst Pflicht sind. Wie verpflichtende Tests aussehen sollen, darüber scheiden sich allerdings die Geister.
Gang zum Arzt oder, so will es Funk, eine Überprüfung der Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr von neutraler Stelle, "ähnlich wie beim Führerscheinerwerb"? Auch der GDV kann sich eine Fahrt mit einem Fahrlehrer vorstellen. Im Zweifel könne dieser zur Abgabe des Führerscheins raten.


Politik bleibt zurückhaltend

In der Debatte halten sich der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und Autoclubs zurück. Wenn Tests, dann auf freiwilliger Basis, lautet der Konsens. Auch von politischer Seite sind Vorstöße, ältere Autofahrer zu Untersuchungen zu verpflichten, nicht zu vernehmen.
Die Auflösung, warum das so ist, ist einfach: Wer von den Parteien will es sich mit einer Altersgruppe verscherzen, die den politischen Prozess per Wählerstimme maßgeblich mitbestimmt? Laut GDV bilden die ab 60-Jährigen mit einem Anteil von 36,1 Prozent der Wahlberechtigten erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die größte Gruppe.
Die, anders als zum Beispiel junge Wahlberechtigte, für gewöhnlich eifrig an Wahlen teilnimmt. So bleibt es, zumal im wichtigen Wahljahr, beim Appell.
Gerhard Beck
Unsere Partner
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