Beginn der Karpfensaison

Mit gutem Gewissen

Der Karpfen ist als unbedenklich verzehrbar eingestuft. Der Kreativität der Rezepte sind keine Grenzen gesetzt.
Artikel einbetten
Karpfen sind von hervorragender Qualität. WWF und Greenpeace finden, dass Karpfen der einzige Fisch ist, der bedenkenlos verzehrt werden kann.  Foto: FT-Archiv
Karpfen sind von hervorragender Qualität. WWF und Greenpeace finden, dass Karpfen der einzige Fisch ist, der bedenkenlos verzehrt werden kann. Foto: FT-Archiv
Im September - und darüber hinaus in allen Monaten mit "r" - landet er wieder auf den Tellern: der Karpfen. Was viele nicht wissen: Er ist der einzige Speisefisch, der von den Umweltorganisationen WWF und Greenpeace als unbedenklich verzehrbar eingestuft wird. Nicht jeden Fisch können Verbraucher mit gutem Gewissen verzehren, warnen die beiden Organisationen. "Bei Karpfen kann der Verbraucher jedoch guten Gewissens zugreifen", so Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack.
Die Kombination vieler günstiger Eigenschaften macht den Karpfen so appetitlich. "Die Transportwege sind kurz und für die Fütterung wird Getreide verwendet, kein Fischmehl", erklärt WWF-Fischereiexperte Axel Hein. "Um 1 Kilogramm Karpfen zu erhalten, werden nur 100 Gramm Futtermittel benötigt", fügt Britta König von WWF hinzu. Wenn überhaupt - denn Karpfenzucht ist auch ohne Zufütterung möglich. Die Teiche stellen ein in sich geschlossenes Ökosystem dar, das sich praktisch selbst versorgt. Zum Vergleich: Um ein Kilogramm Lachs zu erzeugen, sind schätzungsweise 1,2 Kilogramm Futter nötig.


Widerstandsfähiger Fisch

Ökologisch betrachtet ist der Karpfen in jeder Hinsicht ein sparsamer Fisch, widerstandsfähig und ohne hohe Ansprüche an die Qualität oder den Sauerstoffgehalt des Gewässers. Zur Nahrungsaufnahme "gründelt" der Fisch nach kleinen Lebewesen und Pflanzen. "Der Karpfen ist ein wunderbarer, gesunder Fisch, die Zuchtteiche sind wertvolle Ökosysteme", bekräftigt Bernhard Feneis, Präsident des Verbands für Deutsche Binnenfischerei und Aquakultur. Auch könne die Teichzucht besser kontrolliert werden als in offenen Systemen, wo etwa Abwasser teils direkt in die Ozeane gelangen, ergänzt Sandra Schöttner, Meeresexpertin bei Greenpeace. Und da weniger Fische pro Kubikmeter leben, ist die Haltungsweise nicht nur artgerechter, sondern bewirkt auch, dass die Tiere weniger anfällig für Krankheiten sind. Was die umweltfreundliche Fangmethode angeht: Der größte Teil wird lebend mit Netz und Kescher abgefischt und bis zum Verkauf in Quellwasser gehalten.


Augen auf beim Einkauf

Der kleine Haken an der Sache ist, dass der Karpfen hierzulande nur selten auf den Tisch kommt. Pro Kopf werden in Deutschland im Jahr zwar rund 14 Kilogramm Fisch verzehrt, aber nur 160 Gramm Karpfen. Zahlen des Hamburger Fischinformationszentrums belegen, dass der Karpfen unterschätzt wird und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vergleicht: Während in Deutschland jährlich 10.000 Tonnen Karpfen auf den Markt kommen, werden in China jährlich 10 Millionen Tonnen dieses Fisches produziert und gegessen.
Wer Fisch bewusst genießen möchte, sollte laut WWF nachhaltig gefangene, zertifizierte Ware oder regionale Produkte aus Bio-Zucht bevorzugen. Was den Karpfen angeht, steht das EU-Gütesiegel für hochwertige Qualität und landwirtschaftliche Erzeugnisse aus einem bestimmten Herkunftsgebiet. Für die Region gilt: Nur wer sich verpflichtet, die vorgegebenen Auflagen einzuhalten, darf "Fränkischen Karpfen g.g.A." oder "Aischgründer Karpfen g.g.A." anbieten.


Für jeden Geschmack

Wer immer noch zögert, kann sich anhand zahlreicher Rezepte selbst vom letzten Punkt zu überzeugen: dem guten Geschmack. Ob zartes Filet an Rieslingsoße, Fischcurry orientalisch-pikant, Teryaki-Karpfen oder gefüllt mit frischen Kräutern und Pilzen - die Kreativität kennt keine Grenzen! Und neben Klassikern wie Karpfen "gebacken" oder "blau" können auch Kinder mit knusprigen "Karpfenchips" oder "Karpfennuggets" auf den Geschmack gebracht werden - mittlerweile haben die Produkte sogar in Discounterregalen Einzug gehalten.
Laura Krug
Noch keine Kommentare