Weltspartag 2017

Langfristig optimal

Sparen ist wichtig: Erfahren Sie, warum es in der Praxis trotzdem so schwierig sein kann.
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Mal wieder kein Geld im Sparschwein? Das liegt oft an mangelnder Selbstkontrolle. Ein Sparplan kann helfen. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-mag
Mal wieder kein Geld im Sparschwein? Das liegt oft an mangelnder Selbstkontrolle. Ein Sparplan kann helfen. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-mag
Keine Frage, sparen ist wichtig. In der Praxis ist es oft aber gar nicht so einfach, regelmäßig Geld beiseite zu legen. Denn häufig sind wir zu ungeduldig.
Ein Grund: Menschen haben eine Präferenz dafür, positive Dinge lieber früher als später zu erhalten. Ein Phänomen, das Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim gemeinsam mit David Becker in einem Band der Reihe "Forschung für die Praxis" beschreibt.
Das lässt sich bei Finanzentscheidungen sehr gut beobachten: "Ob und wie viel wir sparen, ist ein Entscheidungsproblem", erklärt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. "Wir müssen zwischen jetzigem und zukünftigem Konsum abwägen. Das Geld, das wir heute ausgeben, steht uns morgen nicht mehr zur Verfügung."


Stabile Sparquote

Dabei bleibt die Sparquote in Deutschland stabil, hat der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) ermittelt. So legten die Bundesbürger im Frühjahrsquartal 2017 im Schnitt 9,7 Prozent ihres verfügbaren Einkommens beiseite. Die Sparquote war damit ähnlich hoch wie in den Jahren 2015 und 2016.
Doch auch wenn die Zahlen gut aussehen: Im Alltag werden Sparanstrengungen oft wieder eingestellt oder verschoben. "Wir leben im Hier und Jetzt", erklärt Finanzpsychologin Monika Müller. "Wenn wir Geld übrig haben und es vielleicht für etwas Schönes ausgeben, löst das ein gutes Gefühl aus." Das Geld beiseite zu legen, sei hingegen abstrakt und daher nicht mit positiven Emotionen verbunden.


Lieber Schokolade

Auch wissenschaftliche Untersuchungen, auf die Prof. Weber und Becker verweisen, zeigen dieses Phänomen auf. So wurden in einem Experiment Angestellte einer Firma gefragt, welchen Snack sie in einer Woche lieber haben wollten, einen gesunden aus Obst oder einen ungesunden aus Schokolade. 74 Prozent der Teilnehmer gaben demnach an, das gesunde Obst zu bevorzugen. Am Tag, an dem der Snack verteilt wurde, fragten die Forscher erneut: Gesund oder ungesund? Das Ergebnis: Nur noch 30 Prozent der Teilnehmer griffen zu dem Obst, 70 Prozent hingegen entschieden sich für die Schokolade. Die Teilnehmer hatten also ihre Entscheidung geändert.
Auf das Sparen lässt sich ein solches Verhalten übertragen. Weber und Becker sprechen von mangelnder Selbstkontrolle: "Obwohl man sparen möchte, tut man es nicht. Man verfügt folglich nicht über genügend Selbstkontrolle, sich heute zu einem Verhalten zu zwingen, das langfristig optimal wäre."
Begünstigt wird diese Tendenz aus Sicht von Oelmann durch die niedrigen Zinsen. "In der aktuellen Niedrigzinsphase werden sicherheitsorientierte Sparer nicht belohnt." Berücksichtigt man die Teuerungsrate, verlieren sie sogar Geld.


Überblick behalten

Doch es gibt einen Ausweg: "Wichtig ist für Verbraucher, einen Überblick über die regelmäßigen Ein- und Ausgaben zu haben", rät Oelmann. "Wem es möglich ist, einen Teil seiner monatlichen Einnahmen für bestimmte Sparzwecke wie zum Beispiel die Altersvorsorge beiseite zu legen, sollte das tun."
dpa-mag
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