Menschliche Tragödien brechen journalistische Regeln
27.03.2012 17:10 Von: Christian Holhut
Wir in der Bayerischen Rundschau haben uns kürzlich auch wieder diese eine Frage gestellt. Obwohl: Nicht lange. Denn die Antwort sollte klar sein.

Der tragische Selbstmord von Fußball-Nationalspieler Robert Enke sorgte bundesweit für Aufsehen. Foto: Michael Löwa/dpa
Wir haben berichtet, wie wir es immer tun. Wir berichten aber nur dann, wenn es nicht zu vermeiden ist, weil es nicht im "stillen Kämmerlein" passiert (in diesem Fall war die Bahnlinie stundenlang gesperrt). Und: Wir berichten stark zurückhaltend. Selbstmord? Nein, das ist nicht das Thema, das kommt nicht zur Sprache. Besser: Es gab einen Unfall, einen Notarzteinsatz auf dem Bahnstück, deshalb war die Bahnlinie lange gesperrt. Das muss reichen.
Warum wir das tun? Nicht nur mit Blick auf den Werther-Effekt, der einen Zusammenhang beschreibt zwischen Berichterstattung über Suizide und steigenden Selbstmordraten. Es gibt auch eine Richtlinie des Presserats: „Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände." Freilich könnten wir uns auch herausreden, denn weiter heißt es: "Eine Ausnahme ist beispielsweise dann zu rechtfertigen, wenn es sich um einen Vorfall der Zeitgeschichte von öffentlichem Interesse handelt.“ Dieser Satz ist dehnbar, ihn machen sich häufig Boulevardmedien zu eigen.
Wir aber bleiben dabei: Wer mehr schreckliche Details wissen will, kann versuchen, sie bei anderen Medien einzuholen. Denn ein Vorfall der Zeitgeschichte, mit Verlaub in Richtung anderer Medien, war das beileibe nicht. Oder wie bereits der Medienjournalist Stefan Niggemeier schreibt: "Ja, das läuft den normalen Regeln des Journalismus zuwider, aber an der Stelle müssen die Regeln dann halt mal ausgesetzt werden!" (Quelle: Wikipedia).
