Ein Minister in der Sandwich-Rolle

21.02.2012 14:24  Von: Christian Holhut  

"Hey, Boss! Ich brauch' mehr Geld!" Ob Ludwig Spaenle mal den Gunter Gabriel macht?


Der Anruf aus dem Kultusministeriums in der BR-Redaktion kam prompt - und mit einem für diese Politebene überraschend spontanen Angebot: "Ein Telefoninterview mit dem Minister bekommen wir heute Nachmittag auch hin, wenn Sie mögen." Da muss der Elternbeiratsvorsitzende des Caspar-Vischer-Gymnasiums, Arnd Sesselmann, Kultusminister Ludwig Spaenle schon gehörig an den Karren gefahren sein mit seinen Äußerungen, die wir in unserer Montagsausgabe veröffentlichten!
Das Angebot nahmen wir freilich gerne an - wohlwissend, dass der PR-Stab des Ministers das alles freilich nicht macht, um einzuräumen: "Der Herr Sesselmann hat recht, wir haben viel zu viel offene Lehrerstellen an Gymnasien. Aber was sollen wir denn machen, wir haben doch auch kein Geld!"  Sondern um abzufedern, was abgefedert werden kann - denn in Schulkreisen geht man mit Sesselmann durchaus konform, wenn man nicht gerade ein CSU-Parteisoldat ist: Unterrichtsausfälle und zu wenige Lehrer sind arge Problemfelder, die ohne Personalaufstockung an nahezu allen Schulen wohl nicht zu lösen sind. Zumindest sieht das landläufig so aus.
Spaenle kann einem aber auch leid tun, er hat die typische Sandwichposition eines leitenden Angestellten: Während es unten grummelt, weil die Aufgaben für das wenige Personal immer mehr werden, spricht man über ihm von Kosteneinsparungen und einem ausgeglichenen Staatshaushalt. Und dann auch noch loyal bleiben nach außen, den Schuldenabbau, der zweifellos auch auf Kosten des eigenen Etats erfolgt, als "das Beste" zu verkaufen, "was man für die junge Generation tun kann"... auweia. Da tut sich vermutlich auch ein Ludwig Spaenle schwer, der zugegeben hemdsärmlig anpackt und auch die kritischen Fragen souverän mit stoischer Ruhe meistert.
Das Problem aber bleibt - auch an Schulen wie dem CV-Gymnasium in Kulmbach, das mit einer vergleichsweise geringen Unterrichtsausfallquote zu kämpfen hat. Keine Schule ist wie die andere, jede muss mit anderen Widrigkeiten kämpfen auf dem Weg zur bestmöglichen Bildung für ihre Schüler. Insofern nehmen wir Ludwig Spaenle zumindest beim Wort, wenn er sagt: "Der Kultusminister muss von Amts wegen unersättlich sein, was Planstellen und Mittel angeht." Seien Sie das, Herr Minister - und seien Sie es nicht nur für landesstatistische Zahlen, die alles über einen Kamm scheren, sondern auch für die Kulmbacher Gymnasien!
 
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