Der Fehlerteufel lässt Redakteure oft Höllenqualen leiden

24.05.2012 14:09  Von: Katrin Geyer  

Wie die Fehler in die Zeitung kommen. Warum auch die BR-Redaktion sie gerne wieder draußen hätte. Und warum das so schwierig ist.


Diese Wette gewinnt die BR-Redaktion garantiert: Eine Gruppe von Lesern ist zu Besuch in der Redaktion. Es wird über die aktuelle Berichterstattung diskutiert und darüber, wie die Themen in die Zeitung kommen. Und dann fragt einer: "Warum sind in Eurer Zeitung denn so viele Fehler?" Wetten, dass...? Nun haben diese kritischen Leser ja recht. Fehler gibt es in jeder Zeitung. Auch in unserer. Und jeder Fehler ist, so finden wir, einer zu viel. Aber Fehler sind, so sagt es schon ein Sprichwort, auch menschlich. Sind sie deswegen vielleicht unvermeidlich? In einer Zeitungsredaktion wird oft unter Druck gearbeitet. Es geht turbulent zu. Es wird geredet, es wird telefoniert, und nicht selten muss ein Kollege die Arbeit an einem Artikel mehrfach unterbrechen, weil ein Leser eine Auskunft braucht oder ein freier Mitarbeiter eine Information übermitteln will. Da übersieht man leicht einmal etwas. Und während man sich dennoch müht, möglichst fehlerfrei zu arbeiten, rennt die Zeit. Der Redaktionssschluss rückt näher. Immer wieder muss ein Text geringfügig geändert, muss eine Passage gekürzt oder ein wichtiger Aspekt noch eingebaut werden. Irgendwann die Frage an den Kollegen vom Schreibtisch gegenüber: "Kannst du's noch mal gegenlesen?" - Upps! Der ist schon im Feierabend! Dann passiert das, was der Horror ist für jeden Redakteur: Abends allein in der Redaktion liest er seine Reportage, seinen Kommentar, sein "Burggeflüster" wieder und wieder. Viele Gedanken hat er sich über die Formulierung gemacht, hat mit manchen Sätzen gerungen - und ist nun ganz zufrieden. Bis zum nächsten Morgen. Der Redakteur holt seine Zeitung aus dem Briefkasten, setzt sich an den Frühstückstisch und fühlt mit Entsetzen, wie ihn ein Fehler im eigenen Text regelrecht anspringt! Was der Redakteur dann sagt oder denkt, verschweigen wir hier lieber. Es wäre unfein. Herausreden wollen wir uns nicht. Auch uns wäre eine absolut fehlerfreie Zeitung am liebsten. Aber an das Verständnis unserer Leser können wir appellieren. Wir können sie fragen, ob sie nicht auch schon einmal die Erfahrung gemacht haben, dass ihnen ein selbst geschriebener Text fehlerfrei erscheint - und sie am Tag danach trotzdem Fehler finden. Wir können das psychologische Phänomen erklären, dass das Auge oft über Texte hinweg fliegt und das Gehirn deren Sinn erkennt - auch wenn ganze Wortteile fehlen. Und wir können natürlich darauf hinweisen, dass Fehler immer blöd sind, in einer Zeitung aber ganz besonders: Wenn sich ein Sachbearbeiter in einer Behörde oder ein Koch in einer Küche einmal irren, dann merkt vielleicht der Antragsteller, das etwas nicht passt,und der Gast beschwert sich über die versalzene Suppe. Dem Rest der Welt ist der Fehler egal. Wenn wir hingegen was falsch machen, dann merken das am nächsten Tag Tausende Menschen. Und einer ist bestimmt dabei, der beim nächsten Besuch in der BR-Redaktion fragt: "Warum sind in Eurer Zeitung denn so viele Fehler?" Wetten, dass...? Und falls Sie das mit dem fehlerhaften Text, den angeblich jeder trotzdem versteht, nicht glauben - dann lesen Sie mal da: Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, ist, dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als gseatems.
 
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