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Zur Not klagen wir dagegen"

27.01.10  

Protest Die niedergelassenen Coburger Notärzte kritisieren die neu eingeführte elektronische Dokumentation und werden sie nicht anwenden. Sie fürchten, dass die Datensicherheit nicht gewährleistet ist und auf sie doppelte Arbeit zukommt.

Notärzte sind viele Stunden im Einsatz und haben eine große Verantwortung zu tragen. Sie wollen sich nicht noch zusätzlich von immer mehr Bürokratie belasten lassen. Foto: dpa
Notärzte sind viele Stunden im Einsatz und haben eine große Verantwortung zu tragen. Sie wollen sich nicht noch zusätzlich von immer mehr Bürokratie belasten lassen. Foto: dpa

„Stellen Sie sich vor, ich werde zu einem Ehestreit gerufen, bei dem jemand verletzt wurde. Nach dem Willen der kassenärztlichen Vereinigung müsste ich alle notärztlich relevanten Daten zu dem Vorfall ins Internet stellen. Das mache ich nicht“, sagt der Allgemeinarzt Dr. Oliver Gregor, der wie viele andere auch als Notarzt tätig ist. Er und seine niedergelassenen Kollegen in Stadt und Landkreis Coburg verweigern sich der Online-Dokumentation „emDoc“, die Bayerns kassenärztliche Vereinigung (KVB) von ihnen seit Beginn dieses Jahres verlangt.

Worum geht es dabei? In einer Mitteilung der KVB heißt es: „Für Sie als Notarzt bedeutet diese Neuerung, dass Sie Ihre Einsätze künftig nach einheitlichen Grundsätzen elektronisch dokumentieren müssen. Die elektronischen Notarzteinsatzprotokolle bauen auf den Ihnen
bekannten handschriftlich auszufüllenden Protokollen auf.“ Weil der Papierbogen im Einsatz selbst aber nicht ersetzt werden könne, müsse der Inhalt nach dem Einsatz in das elektronische System „emDoc“ („emergency documentation“) übertragen werden.

Oliver Gregor fragt, wie er diese doppelte Dokumentation zeitlich noch hinbekommen soll. „Wir fahren Tag und Nacht Einsätze und sind mit den bisherigen Protokollen schon gut beschäftigt.“

Um die „emDoc“ zu bedienen, müsste er sich nach dem Notdienst, also am Montag, noch einmal vier Stunden abknapsen. Soll er Überstunden machen oder weniger Patienten behandeln, um mehr Zeit für den Schriftkram zu haben? Außerdem weigern sich er und seine Kollegen, sensible Patientendaten ins Internet zu stellen. An die von der KVB versprochene Datensicherheit glauben sie nicht.

Wenn allerdings die Abrechnung der Notarztleistungen nur noch nach der „emDoc“ erfolgt, dann bekommen die Verweigerer möglicherweise ein Problem. „Zur Not erstreiten wir uns unser Honorar mit einer Sammelklage.“ Außerdem stünden die Bürgerpatienten auch schon bereit, sich zu wehren. Denn mit der elektronischen Dokumentation werde nicht nur der „gläserne“ Notarzt, sondern auch der „gläserne“ Patient wieder zum Thema. Dagegen wollen Ärzte und Patienten, wenn notwendig, erneut auf die Straße gehen.

Mehr dazu lesen Sie im Coburger Tageblatt


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