Wut über Finanzberater - Senioren vor Gericht
08.02.10
Geiselnahme Aus Wut über verlorene Geldanlagen haben vier Rentner in Selbstjustiz Rache an ihrem Finanzberater geübt. Deshalb müssen sich die geständigen Senioren seit Montag wegen Geiselnahme vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten.
Den beiden Ehepaaren und einem Komplizen wird vorgeworfen, den Finanzberater im Juni 2009 entführt und im Keller eines Hauses nahe dem Chiemsee als Geisel genommen zu haben. Der 56-Jährige sollte so zur Rückzahlung von fast 2,5 Millionen Euro verlorener Geldanlagen gezwungen werden. Nach drei Tagen wurde das Opfer von einem Sondereinsatzkommando der Polizei befreit. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage vorgesehen. Die Urteile sollen am 23. März verkündet werden.
Bei den Angeklagten handelt es sich um zwei Rentner-Ehepaare und einen Komplizen. Gegen einen der beiden Ehemänner konnte das Hauptverfahren allerdings noch nicht beginnen, da er wegen einer Erkrankung nicht verhandlungsfähig ist. Laut Staatsanwaltschaft gingen die geständigen Angeklagten mit großer krimineller Energie vor. So fesselten und knebelten sie ihr Opfer in dessen Wohnung in Speyer und fuhren ihn in einer Kiste im Kofferraum eines Autos Richtung Chiemsee. Im Haus eines 74-Jährigen hatten sie eine Art Verlies vorbereitet, in das sie ihr Opfer sperrten. Laut Anklage zwangen sie den Mann, mehrere Schreiben zu unterzeichnen, in denen er die Rückzahlung der zusammen knapp 2,5 Millionen Euro zusicherte.
Zum Prozessauftakt äußerte sich der 74 Jahre alte mutmaßliche Drahtzieher ausführlich zur Vorgeschichte der Tat. Von einer Geiselnahme oder Entführung sprach der Rentner dabei allerdings nicht, sondern von einer Einladung zu „ein paar Tagen Urlaub in Oberbayern“. Zu seiner Frau habe er gesagt: „Wir laden ihn für ein paar Tage zu uns ein, er ist unser Gast.“ Durch den Aufenthalt im „Not-Gästezimmer“ habe man den Mann dazu bringen wollen, das Scheckbuch zu zücken, sagte der 74-Jährige. dpa
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Nicht, daß wir uns mißverstehen: Mitleid ist in diesem Fall mit niemanden angesagt: Nicht für den Finanzberater, den halbseidenen, aber schon gar nicht mit den geldschweren und geldgeilen Rentnern, denen ein Renditeversprechen von 12 Prozent sämtliche Ganglien betäubt haben muß.
So eine tendenzielle Schreibe hier; ist ja furchtbar. Erstens ist noch gar nicht klar, ob hier über den Tatbestand der „Geiselnahme“ zu verhandeln ist (mal schlau machen, liebe FT-Redaktion, was das eigentlich ist), und zweitens ist die Aussage, die Leute hätten mit „großer krimineller Energie“ gehandelt, eine glatte Vorverurteilung, denn ein Urteil ist in diesem Fall noch nicht gesprochen. Was maßt sich der Schreiber da eigentlich an?
Auch wenn es hier keine Armen getroffen hat, so sind die eigentlichen Opfer doch wohl die Rentner, welche von unserem famosen System schmählich im Stich gelassen wurden – ebenso wie viele andere Anleger, die vor dem Nichts stehen. Und die eigentlichen Verbrecher streichen schon wieder – diesmal steuerfinanzierte – Bonuszahlungen ein, oder bekommen vor einem Liechtensteiner Gericht recht, wenn sie ihren Hehler-Bank deswegen auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagten, daß diese sie nicht rechtzeitig vor der Gefahr eines Steuerverfahrens gewarnt hat.
Und da schreiben die FT-Redaktionsamateure etwas von „krimineller Energie“ bei Leuten, die noch die „cojones“ hatten, sich selbst gegen solche Mafiamethoden zu wehren. Verkehrte Welt.
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